3211 Psyche (b. d. Philosophen etc.)
' Höllenfährten 7 der byzantinischen Literatur,des griechischen Mittelalters, vgl. den DialogΤιμαρίων aus der Mitte des 12. Jakrh., dieHadesfahrt des Mazaris aus dem Beginn des15. Jahrh., die des Joannes Pikatoros aus demEnde des 15. oder Anfang des 16. Jahrh. u. s. w.,vgl. Waser, Charon S. 90 f. — νεκνο μαντείαist Toten- oder Seelenbeschwörung, wie sie derνεχυόμανι :ig oder νεκρόμαντις vornimmt; νεκυο-μαντεϊα oder νεκρομαντεία , ψνχομαντεϊα heifsenÖrtlichkeiten, wo man die Toten beschwört,ihre Seelen über Zukünftiges befragt, ψυχο-πομπεϊα Orte, von wo die abgeschiedenenSeelen in die Unterwelt niedersteigen und wosie aus dieser wieder heraufbeschworen werden;es gab ja bestimmte Hadeseingänge, Χαρών (ε)ια ,auch Πλουτώνια u. s. w. genannt, Orte, wo mansich Zugänge zur Unterwelt dachte, wie z. B.am Tainaron u. s. w.; vgl. Rohde 1, 213 f.Maser, Charon S. 61 ff. und bei Pauly-Wissowas. v. Charoneia (3, 2183). Aftch 'ψυχαγωγοί gabes, Geisterbeschwörer, die einzelne Seelen auchanderswo, nicht blofs an Öffnungen der Unter-welt, zu erscheinen zwingen konnten; Thessa-lien war so das Land der Zauberer und Schwind-ler dieser Art, und zumal die spätere Literaturist voll von solchen Seelenzitierungen; da wares ein beliebtes Zauberstück, die Hekate zuzitieren, die Hauptgestalt alles Aberglaubens,nächtlichen Spukes und Zaubers, vgl. Itohde2. 87, 2.
Aus Homer läfst sich einigermafsen nochdie volkstümliche Vorstellung von der ψυχήerkennen; selbst noch, wie wir gesehen, Rudi-mente einer vorhomerischen Anschauungsweisekommen da zum Vorschein, Spuren der uraltenVorstellung von der Vogelgestalt der abgeschie-denen Seele, die ihrerseits in dem rein· therio-morphen Götterglauben der ältesten 'myke-nischen’ Epoche wurzelt, vgl. Weicher a. 0.S, 20 f. Bei allem Unterschied in der Wert-abschätzung von Seele und Leib stimmt mitder im homerischen Epos niedergelegten volks-tümlichen Vorstellung im allgemeinen wenig-stens die religiöse Theorie der Orphiker undanderer Theologen überein. Etwas ganz anderesaber als jene, wir dürfen wohl sagen, einiger-mafsen konkrete Psyche des Volksglaubens, diegleichsam als Doppelgänger des leiblichenMenschen ihr Sonderleben führt, ist die ψυχήderPhilosophen, zunächst der ionischen: fürdiese ist ψ. eine zusammenfassende Benennungjener Kräfte des Sinnens, Strebens, Wollens( voog , μένος, μήτις, βουλή), zu oberst des Ονμός,die nach homerisch-volkstümlicher Zuteilungganz dem Bereich des sichtbaren Menschenund seines Leibes zufallen. Das führt ab insGebiet philosophischer Spekulation und zu ab-strakterem Unsterblichkeitsglauben bei denGriechen, vgl. darüber Rohde 2, 137 ff., fürPlaton 2, 2G3 ff. Eher noch, scheint es, liefsesich aus dem 'Die Laien’ überschriebenen Ab-schnitt S. 198 ff. etwas für unsere Darstellunggewinnen; allein auch da verlieren wir uns zusehr in subjektive Anschauungen. Ein Bei-spiel möge dies zeigen. Bei Pindar (s. Rohde2, 204 ff.) scheinen zwei einander entgegen-gesetzte Vorstellungen von Wesen, Herkunft
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und Bestimmung der Seele mit dem Anspruchauf gleiche Geltung aufzutreten. In den Sieges-liedern überwiegen Andeutungen, die sehliefsenlassen auf eine mit dem volkstümlichen Glau-ben übereinstimmende Ansicht; da sind esAnschauungen, in denen sich ergehen mochte,wer vollständig auf dem Boden volkstümlichenGlaubens geblieben. Ihnen aber stehen beiPindar Darlegungen gegenüber, die in breiterAusführung, mit dogmatischer Bestimmtheitvorgetragen sich geben wie der Inbegriff einerfestgeprägten Lehre von Natur, Bestimmungund Schicksal der Seele und die sich in derHauptsache, trotz einiger poetischen Freiheitim Äusinaleu einzelner Züge des Bildes, dochzusammenschliefsen zu einem wohlverbundenenGanzen. Und diese Gedanken, namentlich von dergöttlichen Abstammung der Seele, ihren Schick-salen, ihrer endlichen Bestimmung müssen, jeweiter sie ab weichen von den im Volk verbrei-teten Ansichten, um so gewisser als der eigenenund wahren Überzeugung des frommen Dich-ters angehörig gelten. Bei blofs flüchtiger Be-rührung der jenseitigen Dinge sich den her-kömmlichen Vorstellungen anbequemend gibtsich der Dichter seinen eigenen Ahnungen undHoffnungen da hin, wo der Gegenstand seinesLiedes zur Vertiefung in die Geheimnisse jen-seitigen Lebens einlud, also zumal in Trauer-gesängen um Verstorbene. Das sind eben subjek-tive Färbungen der allgemeinen Vorstellungen,auf die wir hier nicht eingehen. Es ist klar,dafs auf keinem Gebiet, wie auf dem derVorstellungen vom Leben der Seele nach demTode, die Möglichkeit so grofs ist, dafs so-gar in einem und demselben Kopfe die wider-sprechendsten Anschauungen friedlich bei ein-ander wohnen, wie das zu allen Zeiten beob-achtet werden kann ( Finster, Homer S. 463). —Auf des Apuleius Märchen kommen wir untenzurück; die mythologische Verwendung derPsyche darin darf sicherlich nicht auf hohesAlter Anspruch machen. Eine Erinnerung anden im Märchen geschlossenen Ehebund zwi-schen Eros und Psyche, dem, beiläufig bemerkt,eine Tochter, die Voluptas, entsprofs, enthältdas allegorische Machwerk des Martianui Ca-pella, zugleich auch, wie vermutet wird, eineErinnerung an den ''Seelenbräutigam’ Hermes,'wahrscheinlich durch Varro oder andere My-stiker des 1. Jahrh. v. Chr. vermittelt’, Grippe,Gr. Myth. 1329, 8. Auf seiner Brautfahr; be-gehrt Hermes auch die Psyche, die Tochter desHelios und der Entelecheia, weil sie übe: dieMafsen schön und mit allen Tugenden begabtwar (am Tage ihrer Geburt haben sie sämt-liche Götter mit ihren Gaben beschenkt); alleinsie war bereits in des Liebesgottes Gewalt,Mart. Cap. 1,7 p. 4 ed. Eyss. Eine Entstehungder Psyche gibt der von Alb recht Diexriclibearbeitete Leidener Zauberpapyrus in seinerkosmogonischen Einlage: siebenmal lach 4 , derGott , und es entstehen die sieben Götter; zunisiebenten Male lachte er und brach datei inTränen aus, und es ward die ibv%rj; Hermeswird ihr Führer sein; vgl. Dieterich, Äb'axasS. 18, 75. 65. 82. 'Eine unerschöpfliche Tund-grube für uralte volkstümliche Vorstellungen’