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Psyche (Seelenvogel)
Psyche (Seelenvogel)
aber sind Artemidors Oneirokritika , wozu z. B.vgl. E. Riefs, Volkstümliches bei Artemidoros,Rh. Mus. N. F. 49, 1894, 177—193; auch denso zahlreichen Verwandlungsmythen läfst sichgewii's manches Einschlägige abgewinnen, vgl.Weicher a. 0. S. 22 ff.; allein das schillert alles,und die literarische Überlieferung erscheint.zu trümmerhaft); eine deutlichere Sprache redendie bildlichen Darstellungen.
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Bildliche Darstellungen.
Mit den Vorstellungen, die man sich vonder äufsern Erscheinung der Seele machte, hatsich Erwin Rohde nicht befafst; darüber istaufser der etwas dürftigen Dissertation vonRieh. Hirsch, De animar. ap. ant. imaff., Leipzig 1389, namentlich zu vergleichen Georg Weicher,De Sirenibus quaestiones selectae, Diss. Leipzig 1895 und 'Der Seelenvogel in der alten Lite-ratur und Kunst. Eine mythologisch-archäo- 20logische Untersuchung’’, Leipzig 1902; fernervgl. die Art. Psyche bei Baumeister und Darem-berg et Saglio, sowie Sittl, Arch, d. KunstS. 844 f. (433). Unsere Darstellung scheidet sicham besten in die drei Abschnitte: Seelenvogel,ΐί’άωλα, Psyche als Schmetterling.
a) Der Seelenvogel.
Eine älteste, aber durchaus nicht auf grie-chisches Gebiet beschränkte Vorstellung ist die sovom Seelenvogel (' l’ume est representee par unoiseau ä tete humaine’, Collignon, Rev. arch.n. s. 30, 1875, 203), auf griechischem Bodenzumal in der Gestalt der sogenannten Grab-seirene nachweisbar, vgl. z. B. Baumeister, D.d. kl. A. (3) S. 1044 f. Abb. 1701 und 1702.Früher pflegte man in diesen auf Gräbernstehenden Seirenen eine Art Aternisierung derTotenklage zu sehen, man pflegte sie zu deu-ten als Sinnbild der tönenden Trauergesänge, 10der fortwährenden tönenden Klage um denToten, die in der Grabseirene gleichsam Steingeworden, versteinert ist. Dagegen erscheintnun ungemein einleuchtend die AuffassungWeic7ier.s, dafs sie Abbilder seien der ent-schwundenen Seelen. Von den Seirenen alsTotengeistern ausgehend und fufsend auf denForschungen von Crusius und Rohde, zumaldes erstem Aufsatz Die Epiphanie der Sirene,Philol. 50, 1891, 93—107, hat Weicher als soälteste Vorstellung, die man sich von deräufsern Erscheinung der Seele machte, dieVogelgestalt nachgewiesen, wie ja auch Göttergerne diese annahmen, vgl. z. B. Finsler, HomerS. 401. 459. Weicher ist dem Seelenvogel inseinen wechselnden Gestalten, seinen Misch-bildungen nachgegangen und hat ein fast über-reiches Material zusammengetragen in seinerMonographie ' Der Seelenvogel in der alten Lite-ratur und Kunst’ , vgl. dazu die ausführlichen i;oBesprechungen von Sam Wide , Berl. philol.Wschr. 23, 1903, 780 ff. W. H. Roscher, Wschr.f. hlass. Phil. 20, 1903, 895ff. u. s. w., vgl. auchWeicher, Ath. Mitt. 30, 1905, 207 ff. Ob manfreilich in all diesen Fällen auf jede weitereDeutung verzichten kann, bleibt sehr die Frage;man hüte sich, alles aus. der 'Seelenvogelperspek-tive’ zu betrachten! Überhaupt ja eröffnen sich
gerade auf dem Gebiete der Seelenforschungdie weitesten Ausblicke, ist doch dies einThema von allgemeinstem Interesse, und demAnteil, den alle Völker und alle Zeiten undjeder einzelne daran nehmen, entsprecheneben die mannigfachsten, wechselnden Vor-stellungen. Seinen Ausgang nimmt Weichervon den allerältesten, bereits in der alternaigyptischen Kunst vorliegenden Typen desSeelenvogels, die auch mafsgebend bliebenfür alle spätem Epochen der Kunst, insbeson-dere der ostgriechischen. Diese sind a) dermenschenköpfige Vogel, bärtig oder unbärtig,in voller Vorderansicht, die Flügel beiderseitsausgebreitet, mit meist eiförmigem Körper,Fächerschwanz und ausgestreckten Beinen, dieoben eine charakteristische hosenartige Ver-breiterung haben, endlich mit ausgebreitetenentweder völlig ausgebildeten oder nur nochrudimentär vorhandenen Armen (vgl. WeicherS. 88, Fig. 21) und b) der menschenköpfigeVogel, bärtig oder unbärtig, mit anliegendenFlügeln; situationslos dasitzend, die ziemlichkurzen, aber in denostgriechischenTypen mit gewal-tigen Krallen ver-sehenen Beine tra-gen auch hier stetsdeutliche 'Hosen’;die Flügel kreuzensich stark mit denSpitzen (vgl. z. B.
Weicher S. 102, Fig.
32); durch meistunorganisch ange-fügte Arme wirddaraus der Typusdes adorierendenBa geschaffen, vgl.
Weicher S. 119, Fi 0 . -... —-„--
ostgriechische Seirenentypen weisen am obernEnde der Beine die erwähnten Hosen auf, undnach den Erkundigungen Roschers (a. O. 901 ff,vgl. auch Sp. 896 f.) ergibt sich, dafs dieseSeelenvogeltypen der aigyptischen und ost-griechischen Kunst mit ihren 'Hosen’ und 'ge-kreuzten Flügelspitzen’ dem Typus der inAigypten so häufigen Sperber oder Geier (?)entsprechen, die beide in der aigyptischenReligion und Kunst eine ganz hervorragendeRolle gespielt haben und als nach Blut undAas gierige Tiere ganz von selbst zu 'Seelen-tieren’, d. h. zu Inkarnationen der vom Kör-per befreiten Seelen werden mufsten. Auf diealtaigyptischen Typen des Seelenvogels folgendiejenigen der ostgriechischen Kunst, die imwesentlichen den aigyptischen entsprechen.Auch für die sog. aigaiische Kunst ist nun derSeelenvogel nachgewiesen auf kretischen Siegel-steinen, vgl. D. G. Hogarth , The Zahro sealings,Journ. of hell, stud, 22, 1902, 76 ff. z. pl. 6 ff.Weicher a. O. S. 218 (Zusatz zu S. 93, 2). Essind da recht verschiedene Typen dieser phan-tastischen Gebilde, doch läfst sich im allge-meinen feststellen, dafs beidseitig des nacktenweiblichen Oberkörpers mit stark betontenBrüsten die Flügel ausgebreitet sind und dafs
1) Seelenvogel (Eagle-lady) aufeinem kretischen Siegelstein(nach Journ. of hell. stud. 22,1902, 79 Fig. 8).
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