3233
des Menschen selbst, das daher die mensch-liche Gestalt trägt, mitunter gerüstet und be-kleidet, wie sie im Leben war, mitunter nackt,aber klein, um dadurch zu bezeichnen, dafs esnicht der wirkliche, tatkräftige Mensch sei“,und um die luftige Natur des Eidolon s anzu-deuten, sind die Fitigel da, die an und fürsich auch diese Darstellung der Menschenseelein Zusammenhang bringen mit der in Vogel-gestalt, vgl. Jahn a. 0. S. 136 f. Benndorf ,Griech. u. sicil. Vasenb. S. 34. Enge berührensich diese si8<aXu-ipv%ai mit den xygsg. DieKer, bei Homer für gewöhnlich das 'Todes-verhängnis’, ist das schon vorhomerische Seelen-gespenst, ursprünglich die Seele eines Ab-geschiedenen, die kommt, um die eines Lebendenzu holen, und in alter Zeit war wohl derGlaube lebendig, dafs auf jeden Lebenden eineKer lauere, vgl. den Art. Keren in diesemLexikon Bd. 2, Sp. 1136 ff., dessen VerfasserU. Crusius einen Grofsteil der hier aufgeführtenEidoladarstellungen als solche der Keren an-spricht, vgl. auch P. Hartwig, Journ. ofhell. stud.12,1891, 344 f. Finster, Homer S. 446 f. 469. 471.
Neben den Danaiden als kleinen geflügeltenFiguren steht aber auch ein Sisyphos ohneFlügel und in gewöhnlicher Lebensgröfse, undauch j ene ungeflügelten nackten Gestalten beider-lei Geschlechtes, wie sie auf einer attischensf. Lekythos zu Palermo (vgl. Heydemann, Arch.Ztg. 28, 1870, 42 f. z. Tf. 31. Sal. Reinach,Rep. des vases 1, 408, 2. Furtwängler, Arch.Jahrb. 5, 1890, 24 f. [Anz.]) eilend Wasser-krüge schleppen, um sie in ein grofses Fafszu entleeren, führen uns in die Unterwelt, wieschon die Beigabe des Oknos mit seinem Eselbeweisen kann; auch sie sind als 'Eidola’ imweitern Sinne zu betrachten. Hier sind esnoch nicht speziell die Dana'iden, die im HadesWasser schöpfen müssen in ein leckes Fafs,es sind ja weibliche und männliche Figurendargestellt, vielmehr haben wir hier ganz all-. gemein Bilder der Seelen und eine Darstellungi ihrer Pein, und es ist zu erinnern an Poly-; gnots Unterweltsbild in der Halle der Knidierzu Delphi, wo man auch Personen verschie-denen Geschlechtes und Alters in zerbrochenenKrügen Wasser tragen sah in ein (durch -, löchertes?) Fafs, sie, welche die Weihen von
■ Eleusis für nichts geachtet, die ägvrjtoi, wiedie Beischrift auf dem Gemälde gelautet habenmag, vgl. Paus. 10, 31, 9. 11. Waser, Arch. f.Religionswiss. 2, 1899, 58 f. Und im allge-meinen mag gelten, was 0. Benndorf sagt(a. 0.): „Wo die spätere Kunst Abgeschiedene•darstellt, pflegt sie sich der vollen mensch-lichen Gestalt zu bedienen und durch Steifheitoder Feierlichkeit der Bewegungen, die sie ihrgibt, durch die vollständige Umhüllung einesgrofsen Gewandumwurfs den Charakter desGespensterhaften und des Aufserordentlichenzu erreichen.“ So sind ja als wirkliche Men-ischen wiedergegeben die eben Verstorbenenauf den attischen Grablekythen, so auch, wieangedeutet, die Hadesbewohner in der Unter-
' weltsdarstellung des Polygnotos, vgl. z. B. die
■ Rekonstruktion bei Carl Robert , Die Nekyiaides Pdygnot, 16. Hall. Winckelmannsprogr.
Rosohbr, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. III.
Psyche (Schmetterling) 3234
1892, ferner in den beiden Unterweltsbildemunter den Odysseelandschaften vom Esquilin,vgl. Helbig, Führer * 2, 167 f., ferner auf denbekannten Unterweltsvasen von Altamura(Neapel), Canosa (München), Ruvo (Karlsruhe )u. s. w., und ebenso zeigt auf der Münchner Medeiavase aus Canosa (abgebildet in diesemLexikon Bd. 2, Sp. 2509 f.) das Schattenbilddes Aietes (εί'δωλον Αητόν, das beim Kinder-i mord der Medeia auftritt wie etwa das desDareios in des Aischylos Persern) den Herr-scher von Aia ganz wie im Leben, aber wieeine Statue auf erhöhtem Standpunkt, wiees scheint, auf einem Felsen.
c) Schmetterling.
Eine ungemein beliebte, wie sich immermehr herausstellt, gar nicht so späte Dar-stellungsform für die menschliche Seele warder Schmetterling, und auffallender Weisefindet sich vorzüglich die φάλαινα wieder-gegeben, der dickleibige Nachtfalter mitkleinen weichen Flügeln. Der Schmetterlingward das Symbol der Unsterblichkeit (dergeheimnisvoll wunderbare Vorgang der Ent-wicklung aus der Puppe mochte diese Auf-fassung begünstigen), und dies führte dazu,die Seele entweder direkt unter dem Bilddes Schmetterlings darzustellen oder dann auchunter dem eines mit Schmetterlingsflügelngeschmückten Mädchens; in seltenem Fällenauch fehlen dem Mädchen die Flügel, oder essind ein Paar Vogelflügel, wobei man wiederan den eigentlichen Seelenvogel denken mag.Dabei ist zu erinnern, dafs man mit dem Worte•ψνχή direkt auch einen Schmetterling oderFalter bezeichnete (vgl. Hesych. s. v. -ψυχή·πνεύμα, καί ξωνφιον πτηνόν , ferner Schol. ζ.des Nikandros Theriaka v. 760 p. 108 ed.Schneider: ή φάλαινα ίστιν ή πας’ ήμϊν ιρνχη),soweit wir sehen, seit Aristoteles , und es fragtsich, ob dieser Doppelsinn des Wortes Folgeoder Anlafs war von der Darstellung der ψυχήunter dem Bilde des Schmetterlings. Ersteresist das Wahrscheinlichere, da wir doch schonziemlich früh wenigstens vereinzelte Beispielefinden für die Darstellung der Seele als Schmet-terling, vielleicht die älteste Darstellung aufder attischen sf. Amphora zu Berlin nr. 1684.Dargestellt ist da „ein stehender bärtiger Mannnach rechts mit vorgebeugtem Kopfe dieDoppelflöte blasend; sein Phallos ist erigiert,und vier Samentropfen fallen nieder in derRichtung auf einen Schmetterling, der in derLuft fliegt und im Verhältnis viel zu grofsgemalt ist“, Furtwängler, Beschr. d. Vasens.1, 222. Weicker a. 0. S. 2, 4. Bethe, Rh. Mus.N. F. 62, 1907, 471. Hier scheint in der naivdeutlichen Weise des 6. Jahrh. ausgedrückt,dafs der männliche Samen der natürliche Trä-ger der Lebenskraft ist auch für die Geisterder Verstorbenen. Ein interessantes Seiten-stück aber zu dieser Vase in Berlin bildet einquergestreifter Sardonyx der Sammlung Thor-waldsen bei Furtwängler, Die ant. GemmenTaf. 24, 59: auf den Samenstrahl, der sichaus dem Phallos einer bärtigen Priaposherme er-giefst, fliegt Psyche herzu als Schmetterling, „ein
102