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letztgenannter Stelle erzählt er, daß beim Raubeder Sabinerinnen einige Hirten das Glück ge-habt hätten, ein besonders schönes Mädchenzu erbeuten; damit sie ihnen nun keiner derVornehmeren wegnähme, hätten sie den Namendes Talasius, eines vornehmen Römers, aus-gerufen (ißoeov &£ovz£s TaXuciw).
Daher komme, zumal die Ehe des Talasiusglücklich gewesen sei, der Hochzeitsruf; dieseErklärung, bemerkt Plutarch schließlich, seidie wahrscheinlichste von dem, was man überTalasius sage. Dieselbe Quelle, aus der Plutarch schöpft, nämlich Varro, benutzte auch AureliusVictor , De viris illustribus cap. 2; auch er hebthervor, daß die Ehe des Talassius glücklich ge-wesen sei. Aus anderer Quelle schöpfte offenbarLivius 1 , 9 seine Erklärung; von der glücklichenEhe des Talassius, die Plutarch und AureliusVictor hervorhoben, sagt er nichts; eine Jung-frau von auffallender Schönheit sei von denAnhängern eines gewissen Talasius geraubtund auf die wiederholten Fragen, für wen mansie raubte, hätten sie wiederholt Talasio alsAntwort gerufen, damit sich keiner an ihrvergriffe. Daraus sei der Hochzeitsruf ent-standen. In leichten Veränderungen findet sichdieselbe Deutung wieder bei Hieronymus zurChronik des Eusebius 1 ed. Schoene S. 81, dernach Mommsens Ansicht ( Sitzungsber. der Sächs.Gesellsch. Leipzig 1860) neben Livius aus einerverloren gegangenen, in lateinischer Spracheverfaßten Quelle über den Ursprung des römi-schen Volkes schöpfte; ferner bei Servius Aen.1, 651 (vgl. Mythographus Vaticanus 2, 213).Servius fährt, nachdem er davon gesprochenhat, daß Hymenaeus inter bella saevissima dieJungfrau befreit habe, weshalb er als liberatorvirginitatis besungen werde, fort: hinc etiamapud Romanos Talasio invocatur. Cum enim inraptu Sabinarum plebeius quidam raptam pul-cherrimam duceret, ne ei auferretur ab aliis,Talasionis eam ducis nobilis esse simulavit,cuius nomine fuit puellae tuta virginitas . DieSage ist hier offenbar dahin zugestutzt, daßTalasio zu Hymenaeus in bequeme Beziehunggesetzt werden kann. Isidor etymol. 15, 3, 6bietet nichts Neues; er hat für Talassio dieentstellte Form Thalamus, wofür vielleichtThalassius zu emendieren wäre. Er fügthinzu, daß auch die Ägypter beim Betretendes Brautgemaches den Thalamus anrufen;ihn benutzte offenbar Papias ( Thalassius dicifertur, quia cum Sabinae raperentur, una ele-gantissima exstitit, quam ab oraculo Talassioduci responsum est dari ab his, quo feliciteractis nuptiis Talasii nomine usi sunt. Hocetiam apud Aegyptios). Eine andere Deutungfinden wir bei Plutarch , Romul. 15 überliefert,die von einem sonst unbekannten karthagischenSchriftsteller Sextius Sulla herstammen soll;er berichtet Dämlich, daß Romulus den Seinengewissermaßen den Ruf Talasius als Feld-geschrei für den bevorstehenden Raub gegebenhabe, und deswegen habe sich dieser Ruf beiden Hochzeiten erhalten. Offenbar glaubteSulla , daß Talasius ein sabinisches Wort sei,
übermittelte, als Quelle benutzt; vgl. Barth, Be Jubae6/noiotyaiv a Plutarcho expressis S. 14.
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und daß seine Anrufung den Jungfrauen dieFurcht benehm en und ihnen verständlich machensollte, daß man sie zum Zwecke der Ehe undnicht in böser Absicht raube (vgl. Huschke,Oskisch-sabellische Sprachdenkm. tit. 4 und Har-tung, Philol, 3, 28).
Än eine andere Ableitung des Namens, diesich an das griechische τάλαρου anknüpft,was auf die häusliche Beschäftigung der Frauhindeuten soll, finden wir bei Festus S. 351Talassionem in miptiis Varro ait signum esselanificii, τάλαρον id est quasillum, inde enimsolitum appellari Talassionem at .. . histori-arum scriptor Talassium ait nomine virumrapta virgine unicae pulchritudinis, quod eiid coniugium fuerit felix, boni ominis gratianunc redintegrari·, eine abweichende Lesartzeigt der Cod. Leid, Y fol. 71; vgl. Momm-sen, Festi cod. quatern. 16 p. 62 in Philolog.und histor. Abhandl. der k. Akad, d. Wiss. zuBerlin 1864. Es könnte scheinen, als ob nurder erste Teil der Stelle aus Varro stamme;doch wenn man vergleicht, was Plutarch a. a. 0.sagt, so wird es deutlich, daß auch der zweiteTeil aus Varro geschöpft ist. Der Name desHistorikers, der in der eben zitierten Festus-stelle zwischen at und historiarum scriptorausgefallen ist, war nach einer ansprechendenVermutung Mercklins, Ind. schol. Dorpat . 1860p. 13 Gnaeus Gellius , dessen Behandlung desRaubes der Sabinerinnen von Dion. Hai. 2, 31und Charis. 1 p. 39 bezeugt wird. Diese Ety-mologie, die Talasio mit τάλαρου zusam-menbringt, der Frau also als Tätigkeit dieWollspinnerei zuweist, basiert auf der An-nahme, daß die geraubten Sabinerinnen mitihren Eheherren einen Vertrag abgeschlossenhätten, daß sie sich nur um Wollarbeiten be-kümmern würden (οιίως μηδέν άλλο ί'ργον ητά περί την ταλαΰίαν νπονργ&ΰιν Flut. Rom . 15).Rom . 31 wird dem Namen dieselbe Deutunggegeben, unter Hinweis darauf, daß man fürτάλαρορ auch τάλαβος sage (das unverständ-liche τάλαντου der codices hat schon Brisso-nius, De vet. rit. nupt. p. 95 in τάλαβον oderταλάβιον umgedeutet).
Doch noch an eine andere Ableitung dach-ten die Alten, wie hervorzugehen scheint ausFest. p. 358 Tallam Cornificius posuit unde etTalassus. Tallam alii folliculum cepae. Hierist nun offenbar nach Cornificius oder nachposuit eine Lücke, da nicht gesagt ist, wasCornificius mit talla bezeichnete.
Beide Sätze hängen eng zusammen, da nurso der Akk. tallam in dem zweiten Satze er-klärt werden kann. Zurückzuweisen ist JosephScaligers Vermutung, der schreiben wollte:tallam allii folliculum vel cepae. Wie kommtnun Cornificius dazu, das Wort talla zur Er-klärung des Namens Talasius heranzuziehen?Die für uns wichtige Deutung, daß folliculusauch den weiblichen Geschlechtsteil bedeutenkann, gibt Serv. ad Georg. 3, 136: genitali arvopro muliebri folliculo, quem (scilicet) vulvamvocant, ut etiam Plinius docet: nam ante folli-culus dicebatur.
Wahrscheinlich muß es also an der er-wähnten .Vesiwsstelle heißen: Tallam Cornificius
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