identifizierte Bastet nicht in ihrer Heimat, inwelcher die Gleichsetzung vermutlich vollzogenist, sondern an anderen Orten. In Edfu gibtes eine „Bastet , Gewaltige, Herrin von Bu-hastis, T., wohnend in Edfu , Sopdet, Herrindes Jahresanfangs, Stirnschlange am Hauptaller Götter usw.“, vor welcher Ptolemaios IV. Fleisch opfert (Bochemonteix 1, 496). In Philäund Nordnubien kennen wir eine „T., Tochterdes Re in der heiligen Stadt, Bastet , Herrinvon Philä, die aus Nubien gekommen ist“(. Brugsch , Thes. inser. aegypt. 76). Die Gleich-setzung von T. und Bastet erklärt Sethe (inPauly, Bealencykl . 2 Bubastis) dadurch, daß auchHorus , der Bruder der Bastet, mit Schow-Horus-Apollon, dem Bruder-Gatten der T., identifi-ziert worden ist; beide Paare werden als Zwil-linge dargestellt. Auf diesem Umwege soll auchdie Identifikation von Bastet-T. mit Artemis zustande gekommen sein.
2. Auge und Stirnschlange des Re.
In IY B 2 war gezeigt, daß T. in der spä-teren Zeit als jene Tochter und Schützerin desSonnengottes Re auftritt, die gleichzeitig seineStirnschla.nge und sein Auge ist und seineFeinde mit ihrem Feueratem bedroht. Zu denältesten Belegen gehört „T., Tochter des Re,die an seiner Stirn sitzt“, die Begleiterin desAtum, vor welchem Ramses III. in Karnak räu-chert und Wasser sprengt ( Lepsius, Denkm. 111207b). In Edfu und Philä ist sie gut bekannt;ebenso in Dendera als „T., Auge des Re inDendera ( Mariette, Denderah 3, 35 c). Nachdemdie genannte Tochter des Re andere Göttinnenin sich aufgenommen hatte, die selbst Schlangenoder sonst mächtige Wesen waren, gliederteman auch T. an diese an; einige der zahl-reichen Namen seien genannt.
a) Wosret. %
In Dendera erscheint unter Nero eine T.als Wosret (wsr.t „Starke“) und Stirnschlangedes Re ( Lepsius, Denkm. IY 79).
b) Upset.
In Philä und Nordnubien begegnet uns eine„T.-Upset (wps.t oder wp.ä), Große, Herrinvon Bige“ ( Champollion , Not. descr. 1,126). InDakke heißt sie unter Augustus „T., Tochterdes Re, wohnend in Abaton , Upset, Große,Herrin von Bige“ ( Lepsius, JDenkm. IY 73 h).
3. Vereinzelte Göttinnen.
a) Tenent.
In Edfu wird T. der Göttin Tenent (tnn.t)angegliedert, die einen Kopfschmuck von zweihohen, am Ende auswärts umgerollten Drähteno. ä. trägt. Ptolemaios IY. opfert vor „Tenent,
Hathor, wohnend in Dendera , ., T., Große,
Tochter des Re, mit verborgenen Plänen inEdfu , mit geheimnisvoller Gestalt an der Stätteihres Vaters“ (Bochemonteix, Edfou 1,174); ähn-lich an anderer Stelle (ebd. 1, 312).
b) Mesechnet.
Tefenet (Darstellungen) 174
König opfert, vier Geburtsgöttinnen dargestellt,die bei der Entstehung des Gottes mitgewirkthaben; die erste derselben trägt den Kopf-schmuck der Tenent (vgl. a) und heißt „Mesech-net (mshn. t „Geburtshelferin“), Große, T., Toch-ter des Re, Uranfängliche, die zuerst den König(= Osiris ) gebar“ (Mariette, Denderah 4,74).
c) Hekt.
An einer Stelle, an der man nach dem Zu-sammenhang T. erwartet, erscheint die frosch-köpfige Göttin Hekt in einem Text, der aufden Stelen Louvre C 3 und British Museum 567erhalten ist; nach ihm sind Schow und Hekt,die Vorfahren der Götter, in Abydos aus demMunde des Re gekommen.
B. Verallgemeinerung des Charakters.
Die Angliederung der T. an die genanntenverschiedenartigen Göttinnen hat ihren Cha-rakter bald nach dieser Seite erweitert, baldnach jener; das Ergebnis ist, daß sie nichtmehr ihren begrenzten Wirkungskreis und ihrebeschränkte Zahl von Aufgaben und einigebestimmte Beiworte hat, sondern daß ihr loseauch solche Benennungen angefügt werden, dieanderen Göttinnen zugehören. So kommt T.endlich sogar zu den Titeln einer Himmels-königin, auf die sie ursprünglich kaum An-spruch gehabt haben kann; und zwar ist dieserVorgang im Neuen Reich schon abgeschlossen.Ramses II. opfert in es-Sebu'a vor „T., Herrindes Himmels“ (Lepsius, Denkm. HI 182 e). InKarnak tritt eine „T., Herrin des Himmels,Fürstin beider Länder“ als Genossin des Schowauf, sowohl unter Ramses I. (ebd. 124 a) wieunter Sethos I. (ebd. 125). Bei Ramses IY. trägtT. im Hypostyl von Karnak das Beiwort „Für-stin der Götter“ (ebd. 221); eine Inschrift am8. Pylon nennt sie „Herrin aller Götter“ (nachSethe, unveröffentlicht). In der späten Zeit sindderartige Beiworte der T. nicht ungewöhnlich;z. B. „Herrin des Himmels, Fürstin aller Götter“(Bochemonteix, Edfou 1 , 561).
VI. Darstellung.
A. Als Frau.
Wo die ganze Neunheit von Heliopolis odersonst eine Götterschaft dargestellt wird, sitzendie Gottheiten steif und gleichartig nebenein-ander, die Männer von den Frauen nur wenigunterschieden. In diesen Fällen ist T. gewöhn-lich als Frau ohne jedes besondere Kennzeichenabgebildet; gelegentlich trägt sie wohl die ihrzugehörige Sonne mit Uräus (Lepsius, Denkm.IV 29a, Ptol. IX. in Philä; vgl. 31a; ferner inKarnak : 66a; auch 27).
B. Als Löwin,
In weitaus den meisten Fällen ist T. durchden tierischen Kopf als Löwin gekennzeichnet;schon die ältesten uns erreichbaren Bilder (ausdem Neuen Reich ) zeigen sie in dieser Gestalt,die deshalb allerdings nicht die ursprünglichezu sein braucht. Man hat das Auftreten desLöwenkopfes bei T. als einen Einfluß der Lokal-kulte deuten wollen (Brugsch , Bel. 1884—91,
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