179 Teiresias (Name, Geburtsort)
ter Manto, die den Rhakios heiratet (Paus. 7,3, 2. 9, 33, 2) ist er der Großvater des Mopsos(Paus. 7, 3, 2. Strab. 14, 27 p. 642) geworden,der den Kalckas in Klaros im Weissagen über-trifft ( Duncker, Gesch. d. Altert. 5, 201), desAmphilochos und der Tisiphone von Alkmaion (Apollod. 3, 7, 7) nach Euripides (Tr. Gr. Fr.*p. 380; vgl. Art. Mopsos und Manto Bd. 2,Sp. 2328).
Der Name des T. hat eine Reihe von Ab-leitungen erfahren, ein Zeichen, daß man schonim Altertum über seine Bedeutung nicht ganzeinig gewesen ist. Jedenfalls bedeutet erWunderdeuter (Gruppe a. a. 0. 78), mag manihn nun von τεΐρος (τείρεα, d. h. himmlische Zei-chen), von τέρας (τέρατα d. h. Vorzeichen) ab-leiten, verwandt mit ά-ατήρ, ά-στράπ-τω (Eustath.Sehol. x 494, p. 1665, v. 40: παρά το εί'ρείνέτνμολογεΐτοα, η παρά τά τείρεα, ο έστιν άστρα.Ebeling, Lex. Homeric. Τειρεαί-ης . . . forma-tum videtur a τείρεα pro Τετρίας, id est τερα-τόσχοπος. Doederlein Gloss. 1026. Kuhn, Z. 4,114. Düntzer ad x 492. Curtius, Etymoll S. 206.Fick, Griech. Personennam. S. 206; 628. Lehrs,Arist. J , p. 459. Preller-Plew* 2, 478 A. 1. Nägels-bach, Homer. Theol. 146; Nachhomer. Theol. 169)oder mit τείρω oder τηρέω in Beziehung setzen(Etym. M. 756, 11: παρά το τείρεσ&αι. Schwenck,Die Homer . Hymn. v. 244 S. 244. Schell a. a. 0.96. Bouche-Leclercq, Histoire de la divination 2,29 A. 4). Seit Homer gilt er für den μάντιςκατ’ it -οχήν, und man kann nicht etwa aus demUmstande, daß der Name des Sehers so ganzseiner Tätigkeit angepaßt ist, auf eine Personi-fikation des Sehertums schließen; dafür hatsein Wesen viel zu viel Ursprünglichkeit. Dannkönnte auch der Name seiner Tochter Manto(Μαντώ, vgl. dazu μάντις, μαντεύομαι) unserMißtrauen erwecken wie seines Enkels Mopsos,der nach Passoio (Handwörterb. d. Griech. Spr.2, lit. M) mit dem Stamme όπ - zusammenhängt( ygl.Fick, Gr. Personennl 404; 401) oder semi-tischen Ursprungs sein soll und Zeichen, Wun-der bedeutet (Preller-Pleio s a. a. O. 481. Lewy,Sem. Freindw. 237. Schulze, Zs. f. vgl. Sprf. 23(1895), 372), ferner seines Vaters Eueres, dessenName von αρω, ήρα gebildet zu sein scheintund schließlich seiner Mutter Chariklo, die χάριςund y./lios vereinigt (Schell a. a. 0. 99). So vielläßt sich aus diesen Namen nur folgern, daßwir eine eingesessene Seherfamilie wie dieMelampodiden vor uns haben. Der Gen. vonΤειρεσίας lautet Τειρεαίον, der Voc. Τειρεσία (Nonn. 5, 337. 45, 70. Eur. Bacch. 186. Soph.Ant. 991; 1045. Oid. Tyr. 3 00. Luc. dial. mort.28), der Nomin. ion. Τειρεοίης (Luc. astrol. 11,24), der Gen. ep. Τειρεσίαο (Nonn. 7, 161; 250.Hom. x 492; 537; 565. X 50; 89; 90; 151; 165;479. und 267. ψ 251; 323. Find. Istm. 6, 8.Kallim. h. 5, 59), der Dat. Τειρεσίρ (Hom. x 524.X 32), der Voc. ion. Τειρεσίη (Hom. X 139), dielat. Namensform lautet Tiresias ( Hygin. f. 68;75. Horat. sat. 2, 5, 1. Cic. Tusc . 5,39. de divin.1, 40. 2, 3. Ov. Met. 3, 323; 329. 6, 157).
Der Geburtsort des T. wird ausdrücklichnirgends erwähnt; doch muß wohl Theben fürseine Heimat gegolten haben; denn Homer ,der älteste Zeuge, nennt ihn immer <5 Θηβαίος
(κ492; 565. ifO; 165. 1 p 323). Indessen genügendiese Angaben Schell (a. a. 0. S. 93) nicht, under folgert aus Soph. Oid. Tyr. 317 und Apollod.3, 6, 7 eine andere Heimat und eine Ein-wanderung des T. nach Theben. Besondersnimmt er an den Worten Apollodors: ήν δεπαρά Θηβαίοις Anstoß. Diese sind aber nurein anderer und treffenderer Ausdruck stattέν Θήβαις. Auch daß er ο Βοιώτιος (Luc. neeyom.
6. Sehol. Lycophr. 683) heißt, hat nichts Be-denkliches, denn ganz Böotien nahm natürlichden Ruhm des T. für sich in Anspruch. Eswird auch niemand behaupten wollen, daß ernach Phleg. Trall. (de miräbil. 4: έν Άρν.αδίαάνδρα οντα) ein Arkader gewesen sei; nur einEreignis seines Lebens ist nach der einen Versionnach Arkadien verlegt worden, was sich leichtdaraus erklärt, daß die südlich vom Kopaisseegelegenen böotischen Heiligtümer auf die desnordöstlichen Arkadiens starken Einfluß ausge-übt haben (Gruppe a. a. 0. 199 5 ). Finden wirdoch T. sowohl in Böotien als auch in Arka-dien neben Athena verehrt (Paus. 8, 14, 4—6.Gruppe 199 A. 6).
Ueber seine Lebensdauer stimmen dieZeugnisse nicht überein. Kallimachos (h. 5,125) läßt ihn unter Kadmos seine Tätigkeitbeginnen, was für den Enkel eines Spartennicht unmöglich erscheint. Er wirkte dannunter den Labdakiden (Kallim. v. 126) bis zurEroberung Thebens durch die Epigonen (Apollod.
з, 7, 3. Athen . 2, 41 e. Strab. 9, 36 p. 413. Paus.
7, 3, 1. 9, 33, 1). Die meisten Gewährsmännerlassen ihn 7 Menschenalter leben (Hes. Fr. (ed.Goettling) 112. Phleg. Trall. a. a. 0. Hygin. f.75. Sehol. Lycophr. 682. vgl. Barth, Anm. z.Stat. Theb. 2, 95), einige schreiben ihm 7 oder9 zu (Tzetz. Sehol. Lycophr. 682 f.); nach Agath-arch. (mar. Erythr. 8) hat er mehr als 5 Men-schenalter von den Göttern erhalten; ein langesLeben im allgemeinen erwähnen Apollod. (s. o.),Kallim. v. 128. Luc. macr. 3. Theokr. Id. 24,101. Stat. Theb. 2, 95. Lucil.ei. Marx v. 1108,
S. 75, bei dem er sprichwörtlich grandaevus
T. und senex v. 226, S. 17 heißt. Vielleichtliegen dieser verschiedenartigen Angabe derungewöhnlichen Lebensdauer des T. zwei ver-schiedene Berechnungen der mythischen Zeitder Kadmeerkönige zugrunde, lind zwar sindvor allem die beiden heiligen Zahlen, Siebenund Neun, dabei bemerkenswert. Es berech-net danach K. 0. Müller (Orch. 223f.; 247) dieγενεαί der Könige von Kadmos bis Eteokleseinmal mit der Siebenzahl = 235, das andereMal mit der Neunzahl = 291 (vgl. Spanheim z.Kallim. 123). Vgl. auch Immisch, Klaros 169 f.
и. Roscher, Die 7- u. 9-Zahl im Kult. u. Myth.d. Griechen S. 7 f. Ennead. Studien S. 7 u. 26.Daß diese außergewöhnliche Ausdehnung desLebens eine besondere Bedeutung der Persön-lichkeit des T. andeuten soll, werden wir untennachzuweisen versuchen.
Seine Lebensgeschichte wurde seit Hesiod und Pherekydes mit einer Reihe wunderbarerZüge ausgestattet. Eine der bekanntesten Sa-gen, die nach Apollodor auf Hesiod (fr. 199 Rz.)zurückgeht (Apollodor. 3, 6, 7) handelt von derVeränderung seines Ges chlechtsiTJoMChe-
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