Schwenck a. a. 0. S. 847). Hera jedoch, durchdiese Entscheidung beleidigt, bestrafte ihn mitBlindheit ( ApoUod . 3, 6, 7. Phleg. a. a. 0.Schot.'Hotn. m 494. Fustath. Schot. « 494 p. 1665,y. 43—44. Tzetz. Schot. Lycophr. 682—83. Just.Martyr. a. a. 0. Fulgent. a. a. 0. Hygin f. 75.Ov. Met. 3, 337f. Suidas s. v. rvcpXog. ivvovg.),Zeus aber verlieh ihm die Sehergabe (Ov. Met.
3, 338. Justin. Martyr. a. a. 0. Fulgent. a. a. 0.Luc. dial. mort. 28; astrol. 12; satt. 57) und ein llanges Leben ( ApoUod . 3, 6, 7. Tzetz. Schot.Lycophr. 682—83) oder ein Leben von 7 (od. 9)Menschenaltern (Phleg. a. a. 0. Hygin f. 75)und begünstigte ihn weiter dadurch, daß ernach dem Tode auch im Hades den "Verstandbehielt (Tzetz·. a. a. 0.). Von der Schiedsrichter-rolle des T. unter den Göttern redet im all-gemeinen Justin. Martyr. a. a. 0.
Nach der einfacheren, älteren Form derSage verlor er sein Augenlicht auf andere sWeise. Er, der Sohn der Nymphe Chariklo,verriet den Menschen die Geheimnisse derGötter, die sie für sich behalten wollten, undwurde dafür in der Blüte des Lebens mit Blind-heit geschlagen (ApoUod. 3, 6, 7). In dieserForm der Sage verlautet nichts von der Ver-leihung der Sehergabe, demnach wohnte sieihm bereits wohl inne; sie war ihm angeborenals dem Sohne einer Nymphe, und diese Be-fähigung ist der natürliche Ausdruck der ge- 5heimnisvollen Macht, die die Nymphen be-sitzen (Bouche-Leclercq 2, 30). Es hat nun dieseBlindheit der Seher T. und Phineus, für dessenBlendung es drei Versionen gibt, und der SängerThamyris , Homer, Demodokos wahrscheinlichAH eine tiefere Bedeutung. Das körperliche Ge-sicht ist dem Lichte des Geistes geopfert. Dain höherem Alter das Auge stumpf zu werdenpflegt, so konnte das Erlöschen der Sehkraft,die Erblindung, einen Zustand des hohen Alters, <nämlich die Lebenserfahrung und Weisheit,bezeichnen; denn die Ältesten sind im Ratedie Weisesten, und mit vollem Rechte heißendieBerater der Spartaner Geronten(vgl. Schwencka. a. 0. 875). Über seinen unglückseligen Zu-stand äußert er niemals Unmut (Cic. Tuse. 5,39, 115), nur klagt er (Hes. fr. [ed. Goettling ]172), daß ihm ähnlich wie Kassandra seineSehergabe Herzeleid bringe, da er doch weitermenschlich fühle und denke (Preller-Plew s2, 479).
Nach der dritten Version hat Athena ihndes Augenlichtes beraubt, weil der Jünglinggegen seinen Willen die Göttin völlig unbe-kleidet im Bade erblickt hatte (Apollod. 3, 6,7. Kallim. h. 5, 78 ff.). Athena nahm nun demT. nicht das Leben, wie es Artemis in einemähnlichen Falle mit Aktaion tat, sondern be-rührte mit den Fingern seine Augen, die sichsodann für immer schlossen ( Apollod . a. a. 0.).Nach Kallim. a. a. 0. trat die Erblindung beieinem solchen Anblick ganz von selbst ein alsFolge uralter Gesetze (Kallim. h. 5, 99 f.). DieMutter Chariklo aber, die der Athena lieb undihre ständige Begleiterin war, bat die Göttin,ihm das Sehvermögen zurückzugeben. Da siejedoch das nicht vermochte, so schärfte sie ihmdas Gehör, so daß er die Stimmen der Vögel
verstehen konnte, verlieh ihm die Sehergabeund ein langes Leben und schenkte ihm zurErleichterung der Blindheit einen Stab, andem er wie ein Sehender gehen konnte (Apollod.3, 6, 7. Kallim. lavacr. Pall. — h. 5, 85 ff. Span-heim zu Kallim. v. 81—82; 121; 123; 127. Aelian .de not. anim. 2, 3. Propert. 4, 9, 57; vgl. Phere-kyd. ed. Sturz fr. 16 p. 202). Als besondereVergünstigung ist noch hinzugefügt worden,daß er nach dem Tode in der Unterwelt dasBewußtsein behalten und bei Hades in Ehrenstehen sollte (Kallim. 129f.). Der Stab, den ervon Athena erhielt, heißt bei Kallim. 127:βάχτρον. Es war natürlich kein gewöhnlicherStab, wie man nach diesem Ausdruck annehmenkönnte; denn er besaß ja die besondere Fähig-keit, den Blinden zu führen. Daher war er viel-mehr ein ράβδος, der zu dem Totenbeschwörerpaßt, z. B. zu Rhadamanthys (vgl. Gruppe 762,A, 1; 896, A. 3), und zu T. in den jüngerenSagen. Diesen Stab führte T. noch in der Unter-welt, wo es von ihm heißt, daß ein χρναεονακήπτρον seine Stütze bildete (Horn. 191). Gruppe896, Ä. 3 ist der Meinung, daß dieser Stab dieGabe zu verwandeln besessen und T. dies jaan sich selbst erfahren habe, als er durch dieBerührung der Schlangen aus einem Manne einWeib wurde. Dagegen ist einzuwenden, daß T.zur Zeit seiner Verwandlung den Stab nochgar nicht besessen, sondern ihn erst nachseiner Blendung bekommen hat. Denn die Zeitseiner Begegnung mit den Schlangen wird vordie seiner Erblindung gesetzt. Es tritt uns indieser Sage von Athena und dem jungen T.nach der Dichtung des Kallimachos der uraltereligiöse Gedanke, daß der sterbliche Menschnicht ohne die schlimmsten Folgen die ent-hüllten Reize der Gottheit schaut, in seinerursprünglichen Herbheit entgegen, derselbeGedanke liege auch dem Mythus von Aktaion(Ov. Met. 3, 138—252. Hygin f. 181) zugrunde(vgl. Gruppe 969, A. 5. Ziehen, Bonner Stud.184 f.). Obgleich die Sage zuerst bei Kallim.begegnet, ist sie natürlich doch sehr alt; denn,er leitet sie mit den Worten ein: uvd-og &’ oi>xέμ,ό s, &XX’ έτέρων, und verdankt sie wahrschein-lich dem Pherekydes, wie Sturz (Pherekyd. fr ..p. 189) und v. Wilamowitz (Homer . Unters. 146)nachgewiesen haben (vgl. Knaack, Herrn. 23,139).i Nun steht T. in enger Beziehung zum T i 1 p h o s -sion oberhalb Alalkomenai; denn da lag seinGrab. An Alalkomenai fließt aber der nach derTritogeneia heißende Tritonbach vorüber, andem Athena geboren sein sollte (Gruppe 77). Zu-grunde liegt der Sage von der Blendung des T..durch Athena die Tatsache, daß in diesem Bacheein festliches Bad der Göttin stattfand, ähnlichwie an den Plynterien zu Athen durch die Pra-xiergiden (Flut. Alk. 34. Mommsen, Feste d.d Stadt Athen 491 ff.), oder wie es zu Ehren derAphrodite in Argos (Paus. 2, 10, 4) gefeiertworden ist. Anläßlich dieser f'eier benutzte manwohl in alten Zeiten jenes alte Holzbild derGöttin, das später nach Theben versetzt wordenist und dort nach Aelian . de nat. an. 12, 57kurz vor der Zerstörung der Stadt durch Alex-ander verbrannte (Puckert, Dienst der Athene S. 64). Diese Sitte, Kultbilder zu baden, ist