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Fünfter Band. T.
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185-186
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185 Teiresias (Tod)

etwas Gewöhnliches und frühzeitig auch inNordeuropa verbreitet gewesen. Auch der Ner-thusmythus ( Tac. Germ. 40) scheint in diesenZusammenhang zu gehören (Mannhardt , Wald-und Feldkulte 1, 580), und sogar die christ-liche Kirche hat den Ritus anscheinend nach-geahmt ( Usener, Eeligionsgesch. Unters. 1, 14.Gruppe 821 A. 2). Es trat demnach T., dervielerfahrene Seher, der zu Tilphossion verehrtwurde, zur Athene Alalkomeneis, der Göttinder Weisheit, in die Beziehung, daß er vonihr geblendet wurde; denn der Seher mußteder Göttin der Weisheit unterliegen. Schell

S. 97 ist der Ansicht, daß die Blendung aufirgendein Mysterium zurückzuführen sei unddemnach eine symbolische Bedeutung habe.Durch nichts läßt sich die Annahme Gerhards(Gr. Myth. § 267, 1 d; 268, 5b) beweisen, T. seifür neugieriges Belauschen der Göttin geblendetworden; und ein fernerer Irrtum Gerhards istes, wenn er T. von Athena durch wechselndesGeschlecht prüfen läßt. Mit dem Wechsel desGeschlechts hat Athena gar nichts zu tun, trotzder Bemerkung Tzetz. Schol. Lycophr. 683; dennhier liegt anscheinend ein Versehen vor, wiees auch nur ein Versehen sein kann (Fustath.Schol. Hom. x 494 p. 1665, v. 45), daß T. dieArtemis unbekleidet im Bade geschaut unddafür das Augenlicht verloren habe. Wie seinhohes Alter Lucil. d. M. v. 1108; 226) so mußauch seine Blindheit sprichwörtlich gewordensein, da bei luven, sat. 13, 249 Tiresias fürcaecus steht, also beide Begriffe identisch er-scheinen.

Der Tod des T. hängt zusammen mit derBelagerung und Eroberung Thebens durch dieEpigonen. Nach der einen Passung nämlichlieferten sie in der Umgegend von Theben denThebanern eine für diese verlustreiche Schlacht.Daraufhin flohen die Thebaner in die Stadt,und T. gab ihnen den Rat, mit den FeindenFriedensunterhandlungen anzuknüpfen und in-zwischen zu fliehen. Dies geschah; die The-baner entgingen so ihrer völligen Ausrottungund gelangten in der Nacht bis zu der QuelleTilp hu s a (Apollod. 3,7,3. Biod. 4,66). Während-dem drangen die Argiver in die Stadt einund weihten die hier gefangene Tochter des

T. , Manto, nach Delphi auf Grund ihres Gelüb-des (Biod. 4, 66: nennt sie Daphne): Paus. 7,3, 1. Apollod. 3, 7, 4. Gruppe 539 A. 11. Schol.Ap. Eh. Arg. 1 , 308. Panofka, Arch. Ztg. 3, 56 f.Wie nun T., infolge der Flucht von Durst ge-quält, aus der Quelle trank, verschied er; dieEiskälte des Wassers griff ihn bei seinem Alterso an, daß er starb (Biod. a. a. 0. Apollod. 3,7, 3. Paus. 9, 33, 1 . Strab. 9, 36 p. 413. Athen .2, 41 e. Eustath. Schol. Hom. 1362, v. 27.K. O. Müller, Orch. 47). Nach der andern Versionwurde T. selbst von den Feinden gefangen ge-nommen und sollte zusammen mit seiner Toch-ter nach Delphi geweiht werden, starb aberunterwegs an der genannten Quelle (Paus. 9,33, 1 . Bethe, Gen. Gott . 50 hält dies für einenIrrtum des Paus. ; vgl. Gruppe 543, A. 3; 4), alsoals Gefangener der Argiver, während Mantoals Hierodule nach Delphi gelangte. Nicht imWiderspruch zu dieser Fassung steht die An-

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gäbe, daß T. bei Haliartos: iv rrj AXiaqrict(Paus. 7, 3, 1. 9, 18, 4) den Tod gefunden habe;denn die Quelle liegt nur eine Stunde vondieser Stadt entfernt (Strab. 9, 27 p. 411. Bae-deker, Griechenl. 169), also im Gebiete vonHaliartos, wie Paus, ausdrücklich sagt. DieseQuelle strömt jetzt noch am Fuße einer steilaufragenden Felswand, die heute Petra heißt,im Altertum den Namen ro TiXepmaeiov führte;und gerade über der Quelle stand ein Tempeldes Apollon TiXcpcoeaiog (Strab. 9, 27 p. 411. 9,36 p. 413), der in Beziehung zu T. gestandenhaben muß. Ferner lag gleich in der Nähenach Westen zu der alte Tempel der Athena am Tritonbache (Strab. 9, 27 p. 411. Bursian,Geogr. v. Griechenl. 1 , 234). Der Name Tilphusasoll die spätere Form für AsXtpovecc sein, wiedie Quelle in Delphi heißt (K. 0. Müller, Orch .148. Meister, Gr. Bial. 2, 105. Kretschmer,Griech. Vaseninschr. 152), nach Tümpel (Phil.Jbb. Suppl. 11, 693j, Voigt (Leipz. St. 4, 305)und Bummler (Belph. 13) heißt sie TsXepovaawie die arkadische Stadt und gehört etymo-logisch zu AsXrpoi; Gruppe 744, A. 19 schreibtQtXnovBa, das eine andere Form für AsXepovelccsein soll (Androtion bei Steph. Byz. s. v. Asl.cpoi).So viel scheint aus dem Namen bervor/.ugehen,daß man im Altertum Beziehungen zwischender Quelle und dem delphischen Gotte gefundenhat. Seine letzte Ruhestätte fand der Seherin unmittelbarer Nähe der Quelle (Paus. 9, 18,4. 9, 33, 1. Biod. 4, 66), wo ihm auch einpvfiga errichtet wurde (Strab. 9, 27 p. 411; 36p. 413). Ausdrücklich wird betont (Paus. 9, 18,4), daß ihm in Theben an dem Wege nachChalkis nur ein Kenotaphion errichtet war.Nach einer dritten Version der Nosten (Fr.Ep. Gr. ed. Kinkel 1, p. 53. Phot. bibl. cod. 239)gelangten T. und Kalchas auf dem Rückwegevon Troja nach Klaros, und hier sollte T. ge-storben und bestattet worden sein (vgl. Buncker,Gesch. d. Altert. 5, 201). Bouche-Leclercq a. a. O.3, 250 sieht in dieser Form der Sage das auchsonst bekannte Bestreben der Logographen,den Ruhm der Heimstätten des T. zu ver-mindern, während Gruppe 641, A. 4 u. Immisch,Klaros S. 162, 2 mit Recht in ihr ein Versehenerblicken und der Ansicht sind, daß ursprüng-lich von einem Begräbnis des Kalchas (Tzetz.Lycophr. 427. Schol. Bionys. Perieg. 850) stattdes T. die Rede gewesen sei (vgl. v. Wilamo-witz, Homer. Unters. 179). Es wird nämlich(Strab. p. 642, wahrscheinlich aus den Eoeenoder dem Kataloge der Frauen) erzählt, daßMopsos, der Enkel des T., den Kalchas in Klarosim Weissagen übertroffen habe und Kalchasaus Gram darüber hier verschieden sei. Zu-grunde lag jedenfalls diesem Streit zwischender Familie des T. und Kalchas der Gegensatzzwischen den ionischen und rhodischen An-siedlern. in welchem der Ankömmling Kalchasunterlag (Gruppe a. a. O.; vgl. Immisch, Klaros§ 5 f.). Nach seinem Tode ehrten ihn dieThebaner durch ein ehrenvolles und prächtigesLeichenbegängnis und erwiesen ihm hinfortgöttliche Ehren (Biod. 4, 66). Im Widerspruchezu diesem Leichenbegängnis steht freilich dieTatsache, daß sie sich beim Hinscheiden des

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