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T. auf der Flucht vor ihren Todfeinden befan-den, von denen sie um so weniger zur Bestat-tung einen Waffenstillstand erlangen konnten,als sie eben einen Vertrag verletzt hatten, undsie überhaupt eine Zeitlang in der Fremde lebenmußten ( Gruppe 540). So bleiben eben nur diegöttlichen Ehren bestehen, über die wir untenmehr hören werden. Man zeigte aber noch einanderes Grab des T. — denn nichts andereskann dieses monimentum Tiresiae ( Plin. N. H.37,180) gewesen sein — in Makedonien , ohnedaß sieh feststellen ließe, welche einzeln ste-hende Überlieferung dazu den Anstoß gegebenhaben mag; natürlich ist der makedonischeSagenkreis von Böotien stark beeinflußt ( Gruppe210f.).
Homer , dem wir die älteste Überlieferungverdanken, berichtet nun von ihm, daß T. alleinim Hades sein ungeschwächtes Bewußtseinweiter besitze (x 493) und Persephones Gnadeihm auch im Tode die Befähigung weiter ge-währt habe, daß sein Geist noch wahrnimmt;ja sogar seine Sehergabe hat er noch unterden flatternden Schatten weiter bewahrt (Homer ■x 495. Plat. Men. 42. Paus. 9, 33, 2). Er stehtalso dem Aithalides, dem Sohne des Hermes,nahe, dessen Seele auch nach dem Tode un-vergänglich bleibt (Ap. Bh. 1, 043 ff. Schol. Ap.Eh. 1, 645; vgl. Fr. H. Gr. 1, 88 A. 06. Bolide,Psyche s 2, 167 A. 1). Sein Leib zwar war auf-gelöst; darum heißt auch er ausdrücklichxe&vscos (Horn. % 494) wie die übrigen Bewohnerdes Hades; nur ist schwer auszudenken, wiedie qpgsveg ohne den Leib bestehen sollen(Bolide 1, 117 A. 2). Im Widerspruch dazusteht nun freilich Hom. % 527 f., die Stelle, anwelcher wir erfahren, daß Odysseus in derUnterwelt sein Opfer bringt, um durch denGenuß des Blutes den Seelen das Bewußtseinwiederzugeben. Da ja das Bewußtsein des T. <unversehrt ist, kann es sich bei ihm also nichtum dieses handeln, sondern höchstens um dieGabe des vorausschauenden Seherblickes (BohdeL, 56). — War nun T. im Leben ein Sehergewesen, so war dadurch nach seinem Todedie Grundlage gegeben, daß man ihn auchjetzt noch befragen konnte, und daß Orakel-stätten entstanden (K. Fr. Hermann, Lehrh.gottesdienstl. Altert, d. Gr. § 41, 11), aus denenheraus er noch Sprüche erteilte. Es erging ihm salso wie dem Amphiaraos und Trophonios(Strab. 16, 38 p. 762). Als Seher führte er inder Unterwelt auch noch den goldenen Stab(Hom. X 91) und übte auch dort noch seinenBeruf als Seher weiter aus (Hom. r. 490 ff., X90 ff. Plat. Men. 100a. Paus. 10, 28, 1. 10,29,2.Luc. astrol. 24. Anth. 12, 175. D. Chrys. or.13, 221. Horat. sat. 2, 5, lff.).
Gingen nun die Sagen von der Verwand-lung, der Blindheit des T. und von seinem eAufenthalte in der Unterwelt auf alte Nach-richten zurück, auf Berichte des Homer, Hesiod ,Pherekydes, so steht es anders, wenn von derTätigkeit des Sehers auf der Ober-welt zu reden ist. Denn hier zeigt sich inhervorragender Weise der Einfluß der großenTragiker auf die Sagenbildung, und für dieältere Sage lassen sich ihre Werke natürlich
nur mit Vorsicht benutzen; denn die Gestaltender ältesten Sage waren ihrem Zeitalter schondunkel und unverständlich geworden (Gruppe502ff.). Während seiner Tätigkeit als Sehererscheint T. stets als Greis, als geblendet, derschon mehrere Menschenalter gesehen hat(Schol. Lycophr. 682). In den packenden Schil-derungen von dem furchtbaren Geschick derLabdakiden, in das er oft eingreift, ist sein) Charakter mit Hoheit und Würde ausgestattet,die über die menschlichen Leidenschaften er-haben ist. Nicht genug kann seine tiefe Er-kenntnis aller verborgenen Dinge und seineMacht über die Natur gerühmt werden (vgl.Preller-Plew 3 2, 478). ln seiner Erhabenheitüber Furcht und kleinliche Interessen erfüllter eine übernatürliche Mission im Verkehrzwischen Göttern und Menschen, wie er inseiner Geringschätzung der Drohungen undBeleidigungen eines Oidipus und Kreon diehöchste Ruhe an den Tag legt in seinem un-erschütterlichen, felsenfesten Vertrauen auf diegeheimnisvoll waltende Macht der göttlichenVorsehung (vgl. Bouche-Leclercq 2, 31).
Nach allgemeiner Anschauung gaben dieGötter der Griechen den Menschen ihren Willendurch Zeichen kund. Viele davon konnte jeder-mann deuten; andere wieder waren nur demKundigen Vorbehalten. Demnach gab es einekunstlose und eine kunstmäßige Mantik (Cic.de div. 1, 6, 11. 2, 11, 26). Diese kann natür-lich durch ernste Naturbeobachtung erlerntwerden; doch setzt sie eine besondere Begabungvoraus, die nur als eine Gnade der Götter sichdarstellt. Auch T. hat sich der besonderenGunst der Götter erfreut und heißt deswegendsoitQOTtos (Nonn. 44, 88), wie von Kalchas(Hom. B 322) gesagt wird: ö-songonitav ayÖQSvsv.In erster Linie ist er der Prophet des Zeus gewesen (Pind. Nem. 1 , 60: Aios vijiiexov kqo-tprjxr,s), und alle seine Weissagung war eineGabe dieses Gottes. Dies hat der Mythus auchdamit deutlich ausgesprochen, daß Zeus demTeiresias für die Blendung durch Hera dieGabe der Prophetie verleiht. Da nun der Glaubeallgemein herrschte, daß alle Weissagung inihrem Ursprung auf Zeus zurückgehe (Preller-Bobert, Gr. Myth. 142. Gerhard, Gr. Myth.g 744), so galt er für einen Seher von ganzbesonderer Würde. Hinzu kommt noch, daßihm als dem Sohne einer Nymphe diese Kunstgewissermaßen schon angeboren war. In derältesten Sage hat anscheinend aber auch nochdie Anschauung geherrscht, daß Athena ihnmit göttlicher Seherkraft erleuchtet habe.Unter dem Einflüsse der delphischen Priester-schaft und durch die vieles umgestaltendeMythopoiie der attischen Tragiker ist die ge-waltige Prophetengestalt der Vorzeit, die dochursprünglich fast ebenbürtig neben dem Apollon gestanden hat, zu seinem Diener umgestaltetworden, und er erschien als solcher mit demLorbeerkranze (Nonn. 45, 70: creipavgqpbpos).
Der göttliche Wille offenbarte sich dem T.,der natürlich von Zeus erleuchtet zu denkenist, in erster Linie durch Vogelbeobachtung.Er besaß nämlich zu Theben seinen Vogelherd(olavoaxonslov, Paus. 9, 16, 1 . Schol. Für.