Phoin. 840. παί.αιος 9axo ς δρνι&οαχόπος Soph.Ant. 999), also einen zu diesem Zwecke ge-eigneten Ort neben dem Tempel des Ammonund der Tyche (vgl. Soph. Ant. 1012. Dionys.Halic. 1, 86. Stengel, Griech. Kultusaltert.40), der noch in historischen Zeiten gezeigtwurde ( Bursian, Geogr. v. Griechen! 1, 228).Diese Stelle muß äußerst günstig gewesen sein;denn sie wird von Sophokles {Ant. 1000) παντόςοιωνού λιμήν genannt. Ebenso wie er den Flugder Vögel, natürlich auch durch die Augenvon anderen, z. B. von Manto und dem ihnbegleitenden Knaben, beobachtete ( Eur. Phoin.848. Soph, Ant. 1012), so hörte er auch aufihr Schreien und das Rauschen der Fittiche(Soph. Ant. 1001 ff., 1004, 1021. Eur. Phoin.845. Schol. Aischyl. Sept. 24f. Apolloä. 3, 6, 7).Soph. Ant. 1000 ff. beschäftigt er sich damitzu untersuchen, was das Schreien der Vögelzu bedeuten hab e (Bouche-Leclercq 1, 135). MitUnrecht bestreitet Stengel S. 41, daß überhauptaus dem Schreien der Vögel geweissagt wordensei, und setzt sich in Widerspruch mit Apollod.a. a. 0 . Soph. Oid. Tyr. v. 310, 395). Für seineTätigkeit als Vogelschauer hatte T. den Bei-namen οΐωνόμαντις (Eur. Phoin. 767) erhalten,ja bei Plin. ( N. H. 7, 56) heißt er sogar derErfinder der Auspizien. Daneben übte er auchdie am häufigsten vorkommende Art des Wahr-sagens, die Hieroskopie (Soph. Ant. 1005 ff.) ausund verstand auch die Kunst, die Sterne zudeuten, trotz seiner Blindheit (Luc. astrol. 11);denn sein Name bedeutet Zeichendeuter imweitesten Sinne, besonders aber Deuter derGestirne, da er mit τέρας und τεϊρος (s. o.) zu-sammenhängt, also auch mit ά-βτηρ und a-οτράπτω (Curtius a. a. 0 .). Endlich wird nochseine besondere Befähigung gerühmt nebenden Vogelzeichen Flammenzeichen und andereZeichen zu verstehen (Soph. Ant. 1005: τα .έμπυρα). Aischylos freilich fügt an der Stelle,wo er von der Vogelbeobachtung des T. spricht,hinzu, daß er ohne Feuer geweissagt habe(Sept. adv. Theb. ed. Bitschi v. 25). AnscheinendI haben die Tragiker die Weissagekunst des T.
\ immer mehr verallgemeinert, so daß er auf alleni Gebieten dieser Kunst erprobt erschien. Es| muß aber außer den erwähnten noch andereMittel gegeben haben, den Willen der Götterzu erforschen, wie man aus Soph. Ant. 1003 .schließen kann (vgl. Stengel a. a. 0 . 46). Auchder Lose scheint er sich zur Erforschung derZukunft bedient zu haben; denn Eur. Phoin.841 sagt er zur Tochter:
κλήρους τέ μοι qpvXaaes παρ&ένω χτρί, ους έλαβονοίωνίοματ όρνίϋων μα&ών ίϊ'άν.οΐΰιν έν ίεροΐ-
οιν κτλ.
Wir sehen also hier die Lose mit der Vogel-schau angewandt (vgl. K. F. Hermann a. a. Ο. <§ 39, 16). Für seine Tüchtigkeit als Prophethat Pindar (Kem. 1, 60; 61) seinen berühmtenLandsmann mit dem Beinamen όρ&όμαντιςgeehrt und (Isth. 6 (7), 8) seinen scharfen Ver-stand gerühmt.
Die Schilderungen von seiner Tätigkeitin Theben sind sämtlich in einer Zeit ent-standen, in der seine wahre Bedeutung ver-
Teiresias (als Seher b. d. Tragikern) 190
dunkelt war. Schon vor der dichterischen Aus-bildung des Mythus von den feindlichen Brüdernhaben wohl die Orakel des T. und Amphiaraos in ihren heiligen Legenden ihre Seher in denKreis der Helden verwoben und die Heiligtümermit dem thebanischen Mythus verknüpft, wo-durch die Sagen von dem Zuge der argivischenHelden eine Erweiterung erfuhren (K. O. Müller,Oreh. 227). Die Niederschläge dieser Sageni scheinen die kyklische Thebais und die Epi-gonen gewesen zu sein. Neue Momente be-gegnen uns dann in der Oidipodie und Melam-podie, bis schließlich die attischen Tragikerdurch Erfindung neuer Versionen und Änderungalter Mythen die Gestalt des T. als die einesgewaltigen Schicksalsdeuters im Dienste desApollon und wohlwollenden, aber mißverstande-nen Beraters der Labdakiden gebildet haben(vgl. Gerhard § 744). Reich sind die Tragödienan Beispielen seiner, wunderbaren Gabe undan daraus entsprungenen Verwicklungen undZusammenstößen mit der weltlichen Gewalt,der ja die Dichtung die Gewalt der Priesterund Propheten gern entgegenzusetzen pflegte.Insofern hat T. in seinem Verhältnis zu Oidi-pus und Kreon viel Verwandtes mit Kalchasin seiner Haltung gegenüber Agamemnon . InSoph· Oid. Tyr. enthüllt er dem Könige, derihn gegen seinen eigenen und des Gottes Willenzum Reden zwingen will und ihn des Hoch-verrates im Bunde mit Kreon beschuldigt,schonungslos seine Verhältnisse und sein Schick-sal (Oid. Tyr. v. 345—407; 447—462. Vgl.Muther, über die Teiresiasszene in Soph. K.Oed. Prg., Coburg 1890, 4 ff. Vetter, Über denCharakt. d. Königs Oed. Prg., Freiberg 1888,25 ff., 1899, 1 f. Völcker , Z. Kritik d. KönigsOed. Prg., Schweinfurt 1878, 31 ff Tieffenbach,Soph. König Oed. Prg., Königsberg i. Pr., 15.Klein, Prg., Eberswalde 1890, 3; 22ff. Weis-mann, Prg. Casimirianuin, Coburg 1869, 9.Becker, Die Überarbeitung d. ursprüngl. Oed.Prg., Kleve 1891, 10. E. Müller, Beiträge z.Erklärung d. Königs Oed., Progr. von Grimma 1882—1884, 10; 19 f. Bergenroth, Ist KönigOed. eine Schicksalstrag.? Prg., ,Thorn 1861,11 f.),in der Antigone desselben Dichters erschreckter durch seine furchtbaren Weissagungen (vgl.Peter Corssen , Die Ant. des Soph. Prg. d. Prinz-Heinr.-Gymn., Berlin 1898, 22f. Fr. Bempel,Soph. Ant., Hamm 1843, 24 f.) den kaltblütigenTyrannen Kreon so, daß dieser das Verbot derBestattung des Polyneikes rückgängig zu machenbereit ist, das schreckliche Verhängnis vonseinem Hause aber nicht mehr abzuwendenvermag, und stellt sich in diesen beiden Tragö-dien als hoheitsvolle Sehergestalt dar, wäh-rend er in Euripides ’ Phoimssen, in denen erden Sieg über die Argiver vom Opfertode desMenoikeus abhängig macht, geringere Zügezeigt. Endlich hat Seneca in seinem Oidipus,der inhaltlich dem Oid. Tyr. des Soph. ent-spricht, die thebanische Sage neu bearbeitet.Doch hat Seneca eine niedrige Auffassung vonder Seherkunst. Um sich des Auftrags desKönigs, den Mörder des Laios ausfindig zumachen, zu entledigen, versucht es T. zuerst mitder Haruspizin (Seneca Oed. 301—402. Braun,