207 Teiresias (Bildwerke)
3. Nicht erhalten ist
a) das berühmte Gemälde Polygnots, dieganze Unterwelt darstellend, ans der delphischenLesche, die zweite große delphische Komposi-tion des Meisters (Arch. Ztg. 1877, 120ff.; 1884,270f.). Davon können wir uns nach der Schil-derung des Pausanias (10, 28, 1; 29, 8) eineVorstellung davon machen. Der Schatten desT. steigt eben auf, um aus der Grube Blut zutrinken, während Odysseus das Schwert über ldie Grube haltend, dort kauert, um alle Schattenfernzuhalten, bis T. vom Blute getrunken hatund ihm das Bewußtsein zurückgekehrt ist.Der Künstler hatte bei seinem Werke nichtnur die Begegnung des T. und Odysseus sichzum Vorwurf genommen, sondern nach Dich-tungen und Überlieferungen der Späteren undauch nach Mythen der Demetermysterien dieganze Unterwelt zur Darstellung gebracht (Prel-ler-Robert 829 f. O.Jahn, Kieler Philol. Stud. 21841, 81—154. Welcher, Abh. Perl. Akad. d. W.1847, B. 1849, 81—151. Welcher, Kl. Sehr. 5.63—139. Rh. Mus. 26, 354 ff. Art. Odysseus 3,1, Sp. 671. Baumeister, Denkm. 1040f.). Ausder ganzen Anlage und Auffassung des Ge-mäldes ergibt sich, daß eB dem Vasenbildeunter 2 a) nicht als Vorlage gedient haben kann.
b) Das von Nikias im folgenden Jahrhun-dert mit reicheren Kunstmitteln gemalte Bildvon der Unterwelt. Es führte den Namen Ne- skromantia ( Plin. N. H. 35, 132) oder Nsxvia
(. Plut. Non posse suav. vivi sec. Epie. 11, 2.1093 F. Anthol. Pal. 9, 792) und galt für einsehr berühmtes Bild; wollte es doch der Maleran den König Ptolemaios nicht einmal für 60Talente verkaufen. Nach Anthol. Pal. 9, 792war es in Übereinstimmung mit Homers Berichtüber die Begegnung des T. und Odysseus ge-arbeitet; es ist also nicht ausgeschlossen, daßdie Darstellung des Vasenbildes (vgl. Art. <Odysseus 3, 1, 671 f. Baumeister, Denkm. 1041)sich an dieses berühmte Bild angelehnt hat.
[Buslepp.]
Teiresiai (Teigsaiai) werden ( Aelian de nat.anim. 8, 5) Seher genannt, die ebenso berühmtgewesen sind wie Teiresias (s. diesen). [Buslepp.]
Teisamenos s. Tisamenos.
Teisaudros (TsiaaväQog). 1) Nach v. Wilamo-witz, Hermes 33 (1898), 519 ist der von Find.Nem. 11, 33 genannte neiaavägog (s. d. nr. 6)= TsieavÖQo s = Tsißagevog (vgl. v. Wilamo-witz, Lectiones epigr. 14), Sohn des Orestes . —2) Jüngster Sohn des Jason und der Medeia ,von der Mutter, um sich an ihrem Gatten zurächen (daher wohl auch der Name TeiaaväQog)samt seinem Bruder Alkimenes getötet, wäh-rend der dritte Bruder, Thessalos, entkommt,Diod. 4, 54. [Höfer.]
Teisiphone (Tsienpovq) — griechisch nichtTieap6vr\ (vgl. Gruppe, Gr. Myth. 763,10), wieTeißicpovq neben und V/ tyui ou der Dar-
stellung der drei ’Egeivvsig (so!) auf einem Re-lief aus Anazarba beigeschrieben ist ( Hicks,Journ. of hell. stud. 11, 239, 5. Heberdey undWilhelm, Reisen in Kilikien in Denkschriftend. Kais. Akad. d. Wiss. in Wien phil.-hist. Klasse44 [1896], VI S. 38 nr. 94; vgl. auch Le Bas1513. Ramsay, Journ. of philology 11, 169) —
Teisiphone 208
eine der Erinyen (s. d.), deren Name aus derVorstellung abgeleitet ist, daß diese Göttinnenden Mord strafen (vgl. Eur. Or. 323: μελά-χρω-χες Ευμενίδες . . . χινύμεναι φόνον), also von xi-νειν, χεΐβαι und φόνος, Cornut. de nat. deer. 10(p. 33 Osann). Eust. ad Horn. 12. 763, 42. Tzetz.Chiliad. 12, 829. Pyl, Mythol. Beiträge 1. 206.Pott, Kuhns Zeitschrift 5 (1856), 266 f. R. Förster,Jahrb. f. klass. Phil. 113 (1876), 810 Ann. 18.Bechtel-Fick, Die griech. Personennamen, 262(wo auch auf den nach der Erinys Teisiphonegebildeten Personennamen Τειοίφονος auf einerMünze von Pherai bei Mionnet 3, 309 hinge-wiesen wird). Eine ganz absurde Etymologievon Tisiphone, deren Name von φωνή abge-leitet wird, findet sich bei Fulgent. Myth . 1, 8p. 21 Helm (= Lactant. Plac. ad Stat. Theb. 1,477)und Expos. Virgil , continent. p. 100, 10 Hehn.Mythogr. Lat. 1,109. 2, 12. 3, 6, 23 p. 187, 23.Die Bemerkung von J. J. Eschenburg , Handbuchd. klass. Literatur 309 (423 2 ), Tisipbone werdebesonders zur Erregung ansteckender Seuchenabgesendet, bedarf starker Einschränkung.Der Name der Erinys Teisiphone begegnet, ob-wohl er gleich dem ihrer Schwestern wahr-scheinlich alt ist, in der Literatur verhältnis-mäßig spät. Nach Gruppe, Gr. Myth · 763, 19soll er sich zuerst bei Vergil finden; doch hatihn schon Lucilius bei Nonius p. 427,11 = Lu-cilius ed. Marx 1, 13 v. 169f. i ln d 2, 76 v. 169:Tisiphone ... Eumenidum sanctissima Erinys .Die Ergänzung einer Inschrift am Altarfriesvon Pergamon in [Τισι]φό[νη], Inschr. v. Perga-mon nr. 109 (andere Vorschläge sind ®0[(Jog]oder Φο[ίβη]) ist zu unsicher, wenngleich derGigantenname Άλληχχο[ς] (Inschr. v.Perg. nr.112)beweist, daß zu Beginn des 2. Jahrhundertsder Erinysname Αλ(λ)ηχχώ, und also wohl auchΤειαιφόνη und Μέγαιρα, bekannt war. Mitdiesen ihren zwei Schwesten Αλλ-ηχχώ und Μέ-γαιρα verbunden wird sie genannt bei Apollod.1,1,4. Tzetz. zu Lykophr.iOß. Hygin. fab.praef.10, 5 Schm. Cornut. a. a. 0. Orph. Argon. 982.Hymn. 69, 2. Schol. Hom. II. 9, 454. Suid. s. v.Ευμενίδες (p. 619, 11 Beruh.). Harpokrat. s. v.Ευμενίδες (p. 140, 16 Dindorf). Schol. Eur. Or.37. Schol. Eur. Troad. 457. Tzetz. Chil. 12, 818.Eudocia 351 (p. 263 Flach). Dracontius, Medea481 ff. (Poet. Lat. min. 5 p. 209). Schol. Lucan.i Pharsal. 6, 732 (p. 241 ed. Endt ). Papyrusfrag-ment aus Gizeh (römische Epoche) bei Th. Rei-nach, Papyrus grecs et demotiques p. 15 nr. 3.Codex Dresdensis Da 41 Fol. 1 (των ίρινννων:μέγαιρα: χιΰιφόνη xal αΧιχώ [so!]). Vgl. auchdie oben angeführte Inschrift aus Anazarba .Wo sie sonst vorkommt — und es geschiehtihrer sehr oft Erwähnung —, erscheint sie ent-sprechend der später von den Erinyen herr-schenden Vorstellung mit Schlangen um daso Haupt oder in den Händen (Verg. Aen. 6,570f.Ov. met. 4, 481. Propert. 3, 5, 40. Tibuil. 1, 3, 69.Verg. Culex 218. Seneca Here. f. 984. Hör. Sat.1, 8, 34. luven. 6, 29. Stat. Theb. 2, 2J3. 4, 485.7, 466. Val. Flacc. Arg. 4, 394. Clatdian. Deraptu Proserpinae 1, 40. Corippus , Iohann.3,111. 4,326) das Strafamt in der Unterwelt(als Schergin des Rhadamanthys , Terg. Aen.555ff. Lucian.Catapl. 23.25. E.Nordin, P.Ver-