217 Telamon (Jugend, Verbannung)
gesuch abgewiesen, da sich Aiakos vielmehrzum Bündnis mit Attika verpflichtet fühlt(v. 476 f.). Wirklich erscheint gleich nachMinos’ Abfahrt als Abgesandter Athens Ke-phalos und wird als alter Freund von denSöhnen des Aiakos empfangen (v. 490 f.). Dieserentspricht der Bitte des Kephalos; nachdemTelamon und Peleus Streitkräfte für den Krieggesammelt haben (v. 669), zieht Aiakos , be-gleitet von diesen beiden älteren Söhnen undan der Spitze neuer Truppen, Athen zu Hilfe(v. 864 fl; 8, 4 fl). Phokos, der sich, vielleichtwegen seiner Jugend, an diesem Kriege nichtbeteiligt, wird später der eponyme Besiedlervon Phokis . Als dieser nach Jahren in seineHeimat Aigina zurückkehrt oder dort zu Be-such ist, wird er von einem seiner Halb-brüder oder von beiden ermordet. Diemeisten Berichte nennen als Hauptschuldigenoder sogar als alleinigen Täter den Peleus(s. d. Art. Bd. 3, Sp. 1829). Gemeinsam voll-führen jedoch Peleus und Telamon die Tatbei Pindar (Nein . 5, 25 fl), wo beider Schuldallgemein, aber deutlich bezeichnet wird; fernerin der Alkmaionis ( schol. Eur. Andr. 687;Kinkel, fr. epie. Gr. p. 76): Telamon verwun-det den Bruder mit dem Diskus am Kopfe,Peleus mit dem Beile tödlich im Nacken, undzwar aus Neid, weil er ihnen im Wettkampfüberlegen ist; aus demselben Beweggründeauch im schol. Lykophr. 901 (vgl. 175) und imschol. Find. Nem. 5, 25, wo jedoch umgekehrtTelamon das Schwert schwingt; ferner beiNikandros (Anton. Lib. 3, 8): wegen Bevor-zugung durch den Vater; dagegen bei Apoll.JRhod. 1, 93: aus Versehen ( acpgaäiy );ohne Angabe näherer Gründe und Umständeim schol. Ar. Nub. 1063 und bei Hygin. fab. 14.Unklar bleibt Telamons Beteiligung bei Eiodor4, 72, 6 fl, wo zwar nur Peleus den Stiefbru-der &K 0 V 6 lag durch einen Diskuswurf tötet(vgl. Apoll. Khod.), aber gleichwohl Telamonspäter mit in die Verbannung geht (s. u.). Da-gegen verübt die Tötung nurTelamon, wenn-schon im Einverständnis mit Peleus und durchdas Los bestimmt, beim Diskuswettspiel nachApollodor 3, 12, 6, 11, oder aus Haß auf derEberhetze mit dem Jagdspeer nach Eorotheos’Metam. 1 bei Pseudoplutarch. Paroli. 25. Un-bestimmte Andeutungen bei Ov. Met. 13, 145;vgl. 11, 267.
Beide Brüder werden von Aiakos wegendes Mordes aus Aigina verbannt. WährendPeleus in den meisten Quellenberichten sichnach Thessalien begibt und dort König vonPhthia wird, geht Telamon allen Zeugnissenzufolge nach der benachbarten Insel Sala-mis ; er sucht sich aber von da aus vor demVater zu rechtfertigen (Pausan. 2, 29, 9. 10).Obwohl nun ein von ihm entsendeter Heroldin seinem Namen die Teilnahme an der Tatableugnet, läßt doch Aiakos ihn selbst Aiginanicht wieder betreten; nur von einem Dammeaus, den er erst im Meere aufwerfen muß, darfer sich verteidigen. Bei Nacht baut er denDamm (der noch zu Pausanias ’ Zeit gezeigtwurde), wird aber trotz seiner Rede schuldiggesprochen und segelt nun zum zweiten Male
nach Salamis . Der dortige König Kychreus(s. d.), ein Sohn des Poseidon und der Salamis,einer Tochter des Flußgottes Asopos ( Bakchyl.8, 39fl Blaß), hat selbst keine Söhne undhinterläßt daher bei seinem Tode dem Tela-mon, der seine Tochter Glauke geheiratet hat(Eiodor. Sic. 4, 72, 7; schol. Lykophr. 110.451),die Herrschaft. Uber eine Glauke, die (nachPherekydes fr. 15) von Aktaios (oder Aktor)vielmehr Telamons Mutter ist, s. o. So ist ernun König von Salamis (Soph. Ai. 202; Herod.8, 64; Eur. Troad. 799; Pausan. 3, 12, 7;Skymn. 558). Nach Glaukes Tode wird seinezweite Gattin: Eriboia (’Eglßoia, Pind. Isthm.5, 45; Bakchyl. 12, 102 Blaß; Soph. Ai. 569;Eiodor. Sie. 4, 72, 7, oder ’Hsgißoia, schol. II.n 14) oder Periboia (Ilsgißoia, Xen. Kyneg.1, 9; Apollodor 3, 12, 7, 2; Plut. Thes. 29;Pausan. 1 , 42, 4; Verg. Cul. 300 nach Schrä-ders Lesart), die Tochter des Alkathoos(s. d.),des Königs von Megaris, eines Sohnes desPelops und der Hippodameia. Mit ihr zeugter den Aias, der, zum Unterschied von demgleichnamigen O'ileussohne, der große, weitöfter jedoch nach dem Vater der Telamoniergenannt wird (s. o.). Mag auch Aias’ MutterPhereboia (s. d.) mit vorgenannter Periboiaidentisch sein, so kann sie doch, weil unterdiesem Namen mit Theseus , nicht mit Telamonvermählt, hier außer Betracht bleiben; dasselbegilt von Aias’ Mutter Meliboia (Istros beiAthen . 13, 557 a, fr. hist. Gr. 1, 420). Ein selt-samer Bericht, wie Telamon zu Eriboia ge-kommen sei, findet sich in einem verstümmel-ten Fragment des Aretades v. Knidos (Müller,fr. hist. Gr. 4, 316), wo ihr Name zwar aus-gefallen, aber als selbstverständlich zu ergänzenist: Telamon kommt nach Euboia , verführtdort das Mädchen und entflieht dann bei Nacht.Der Vater merkt die Schwangerschaft der Toch-ter und übergibt sie einem Leibwächter zumErtränken; doch dieser verkauft sie aus Mit-leid nach auswärts; in Salamis , wohin sie ge-langt, wird sie von Telamon gekauft und ge-biert nunmehr den Aias in seines leiblichenVaters Hause. — Nach einer dritten Über-lieferung holt sich Telamon seine Gattin ausAthen (Eiodor 4, 72, 7), was zusammenhängtmit der nachträglichen künstlichen Verknüpfungvon Telamon und Aias mit Salamis und Attika;vgl. v. Wilamowitz, Homer . Unters. 244 fl;Töpffer, Att. Geneal. 271 fl; 274; Busolt, Gr.Gesch. 2 ! , 215.
An den großen Abenteuern und Unterneh-mungen der Heroenzeit ist Telamon ausgiebigbeteiligt. Bereits vor seiner Verbannung ausSalamis, also noch von Aigina aus, erfolgt seinAufbruch zur Kalydonischen Jagd; frei-lich nur nach schol. II. U 14; erst nachdemer dabei unabsichtlich einen Jagdgenossen imWalde getötet hat, gelangt er als Flüchtlingnach Salamis , vielleicht um vor den Verfolgernseine heimatliche Spur zu verwischen. Nachandern Zeugnissen zieht er erst von dem spä-teren Wohnort Salamis auf dieses Abenteueraus. In Euripides ’ Meleagros (fr. 530 Nck , 2 ) wirder unter den Jägern beschrieben: den Schildgeschmückt mit dem Bilde eines goldenen
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