225 Telamon (u. Teukros)
zelten Bruchstücke -werden einigermaßen er-gänzt durch erhaltene oder wenigstens leichterrekonstruierbare Dramen. Schon hei Euripi-des klagt Teukros in Ägypten der Helena seinLeid (Hel. 68f.), wie er, vom Yater Telamon,weil er nicht mit Aias gestorben sei, aus derHeimat verwiesen, auf Apollons Geheiß nach'Cypern auswandern müsse (v. 87f.; 104; 147f.).Weit ergiebiger sind die Fragmente von En-nius' Aiax uud Telamo, Pacuvius ’ Armorum iu-dicium und Teucer, Accius’ Armorum iudiciumund Eurysaces. Eine sehr wirkungsvolle Cha-rakterschilderung Telamons bot namentlichEnnius in dem nach jenem benannten Stücke(s. o.). Auf Grund ungenauer Kunde wähnt deralte Held, beide Söhne seien im Kriege um-gekommen, und flucht aller Seherkunst, die ihmdoch deren Rückkehr verheißen hatte (fr. 316*Vahlen ; Ribbeck, R. Tr. 133 f.). Teucers un-verhofftes Erscheinen lenkt des Vaters Verdachtauf ihn, er habe in eigennütziger Absicht donTod des Bruders verschuldet (vgl. Soph. Ai.1015f.; s. o.); seine Verteidigung schützt ihnnicht vor Telamons Verbannungsspruch. —Furchtbar war auch der Empfang bei Pacu-vius , wo sich Teucer, in der eigentlichenGlanzszene dieses noch zu Ciceros Zeit mithohem Beifall aufgeführten Dramas, vergeblichzu rechtfertigen suchte, daß ihm Eurysaces ab-handen gekommen sei (Ribbeck, R. Tr. 223 f.;
226 f.). Hesiones Eingreifen zugunsten desungerecht beschuldigten Sohnes führte einenAufstand gegen den eigensinnigen König her-bei, für den jedoch der pietätvolle Teucer ge-gen die eigenen Freunde eintrat; hier war seinAbschied von der heimatlichen Insel also wohlein freiwilliger (Ribbeck, R. Tr. 229 f.; Rom .Dichtung 1 ! , 168 f.). — Sonst geschieht der Ver-bannung des Teukros durch Telamon, einesechtpopulären Stoffes, häufig Erwähnung; soFind. Nem. 4, 46 mit schol.; Strab. 14, 682;Pausan. 8, 15, 3; Lykophr. 447f. mit schol.;Eustath.il. p. 285, 14; Cic.d.or. 2, 193; Tusc.5, 108; Verg. Aen. 1, 619f. und Servius z. St..;Hör. C. 1, 7, 21 f.; Ov. Met. 14, 698. 760; Tac.Arm. 3, 62; lustin. 44, 3, 2; Dict. Cret. 6, 2.Im Peiraieus zeigte man die Bucht Phreattysals die Stelle, wo sich, wie später die schoneinmal freigesprochenen Angeklagten, so zu-erst Teukros vor Telamon habe verteidigenmüssen ( Pausan. 1 , 28, 12). — Der KyprierNikokles, des Königs Euagoras Sohn, an denIsokrates eine Rede richtete, galt für einenNachkommen des nach Cypern eingewandertenTeukros und demnach auch seines Vaters Te-lamon (Isokr. 2, argum.). — Einen weiterenFortschritt in der Entwickelung der Sage be-zeichnen Accius’ Tragödien; zwar nur wenigAusbeute für Telamons Lebensgeschichte bietetdas Armorum iudicium; vielleicht berief sichhier (wenn nicht vielmehr im Aiax des Ennius;vgl. Ribbeck, R. Tr. 375) Teukros, als ihnOdysseus der Tötung des eigenen Bruders be-schuldigte, auf seine Verwandtschaft mit Lao-medon und Priamos ; ohne Rücksicht auf sie,ja ihr zum Trotz habe ihn sein Vater Telamonin den Krieg gegen Hion geschickt (Aristot.Rhet. 3, 15 p. 1416b 1). Im Eurysaces , einem
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reichbewegten und für Telamon sehr charak-teristischen Stücke, kehrte dieser, von demEnkel, der auf anderen Schiffen als Teurcenach Salamis gekommen und dann zur Herr-schaft gelangt war (Serv. Aen. 1 , 619), desLandes verwiesen, dorthin als armseliger Flücht-ling zurück ( Cic. Tusc . 3, 39) und ward end-lich nach rührender Wiedererkennung, derenEinzelheiten unsicher sind, nochmals in seineRechte eingesetzt (Ribbeck, R. Tr. 419 f.; Rom -Dichtung 1 *, 180; vgl. d. Art. Eurysakes, Bd. 1 ,Sp. 1430 f. u. Hiller v. Gärtringen bei Pauly-Wissowa 6, 1352). Einen vergeblichen Versuchzur Wiedergewinnung der heimatlichen Inselmacht Teucer vom cyprischen Salamis aus,aber erst während der Regierung des Eurysa-ces, als Telamon bereits tot ist (lustin. 44,3, 2: accepta opinione paternae mortis). Übersein Lebensende herrscht keine völlige Klar-heit. In einem Kampfe des Herakles mit denEleern, von dem Pindar (Ol. 10, 36 f.) singt,fallen nach schol. v. 39: Telamon, Chalkodonund Iphikles. Telamon liegt begraben inder Nähe des arkadischen Flusses Aro-anios, Chalkodon bei der Quelle Oinoe. Da-gegen trennt Pausanias , der dies berichtet (8,15, 6 f.), sowohl den Chalkodon von dem Eu-boier gleichen Namens, dessen Sohn Elephenorvor Troja die Abanten anführt (II. B 540), alsauch diesen Telamon von dem 'Aigineten’;denn Teukros, fügt er hinzu, sei erst bei seinerHeimkehr von dem Vater Telamon aus Salamis verbannt worden, der daher nicht schon alsHerakles’ Kriegsgefährte gefallen sein könne;vielmehr handle es sich hier um je zwei gleich-namige Helden. Doch ist die Identität diesesTelamon, zumal er Herakles’ Genosse ist, mitdem Vater des Teukros sehr wahrscheinlich,da es ja die Heldensage mit der Chronologienicht eben genau nimmt. Vgl. auch Gruppe,Gr. Myth. 95 Anm. 9; Friedr. Pfister, Reliquien-kult im Altertum 1, 127 f.
In der Unterwelt weilen an dem Sitze derSeligen auch die Aiakiden Peleus und Telamon(Telamonia virtus).· Das friedliche Walten ihresVaters Aiakos , des Totenrichters, gewährt auchihnen behagliche Ruhe, zumal Telamon stolzbeglückt ist durch die Gesellschaft seines SohnesAias , der seine Heldentaten aus dem Trojani-schen Kriege erzählt (Verg. Cul. 295 f.).
Einen Kultus der Aiakiden gab es auf Ai-gina und Salamis. Als während eines Kriegeszwischen Athenern und T^cbanern, 506 v. Chr.,letztere in Bedrängnis gerieten, erbaten sie sichvon den Aigineten ihre Stammheroen, die Aiaki-den, d. h. deren Kultbilder (Herod. 5, 80; Grote,Gr. Gesch. 2, 446 d. Übers.), die sich jedochnicht hilfreich zeigten und daher zurückge-schickt wurden. Gewiß sind hier Peleus undTelamon gemeint. Dieser wurde aber zugleichmit seinem älteren Sohne auch auf Salamisverehrt. Denn unmittelbar vor der dortigenberühmten Schlacht holten die Athener vonder nahen Insel die Bilder des Aias und desTelamon herbei (Herod. 8, 64: fx Ealaulvo;Ai'avtä rs ual TsXap&va htsKaXiovto, vgl. c. 83.84; Flut. Them. 15; Busolt, Gr. Gesch. 2*, 215.696). Eine Kultstätte für ihn scheint endlich
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