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Fünfter Band. T.
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22 7 Telamon (Charakter)

auch sein Grab bei Pheneos in Arkadien gewesen zu sein (Paus. 8, 15, 6; s. o.).

So verschieden auch nach Zeit, Art undWert die Bestandteile sind, aus denen sichTelamons Lebensgeschichte zusammensetzt, soergibt sich doch im allgemeinen ein ziemlichdeutliches Charakterbild. Eine einheitlicheAbrundung desselben wird man freilich nichterwarten bei einem Helden, für den die Über-lieferung beispielsweise zwischen drei Vätern(Aktaios Aktor Aiakos) und drei Müt-tern (Glauke Endeis· Aigina) hin undher schwankt (s. o.). Die Vornehmheit seinesGeschlechts wird durch seine mehrfach be-richtete Herkunft von Zeus verbürgt. Daßdessen Sohn und erklärter Schützling Aiakos ,nachmals berühmt als Richter in der Unter-welt, der Vater des Telamon ist, verschafftdiesem schon von Haus aus Ansehen, in demvielbegehrten Unterricht bei dem weisen Chei-ron tritt er zugleich in Verkehr mit künftigenHelden und Kriegsgefährten. Bei der Neube-völkerung der verödeten heimatlichen Inseldurch Ameisen wie bei dem Kriegszug gegenKreta (s. o.) erscheint der Jüngling mit demVater, namentlich aber mit dem leiblichenBruder Peleus in bestem Einvernehmen. Letz-terem ist er ein treuer Genosse im Waffen-handwerk wie im Wettspiel; besonders ist ihmhier der Diskuswurf vertraut ( schol. Eur. Andr.687; Apollod. 3, 12, 6, 11; Hygin. fab. 273;Philostr. Gymn. 3; Quint. Smyrn. 4, 450 f.).Seine Körperstärke ist sprichwörtlich (s. u.).Das Mißverhältnis zum Stiefbruder Phokos führtzu dessen gewaltsamem Tode; Telamon fälltdie Haupt- oder eine Mitschuld zur Last, wennauch vereinzelte Stimmen (Apoll. Phod. 1 , 93,vgl. Eiodor 4, 72, 6f.) ihn ganz freisprechen.Überhaupt hat er von dem Vater, dem frömm-sten Manne der Heroenzeit (Plut. Thes. 10),gerade die Frömmigkeit am wenigsten geerbt(Ennius fr. 316 2 Vahlen; Pibbeck, P. Tr. 133f.;anders Soph. Ai. 763f.); über das Beiwort piuss. o. Die Verbannung aus der Heimat trenntihn vorläufig von dem Bruder, macht ihn aberdurch Verheiratung zum Erben der Königs-herrschaft über Salamis; doch erst durch diezweite Ehe mit Eriboia erlangt er selbst Nach-kommenschaft. Kriegszüge führen ihn wiedermit Peleus zusammen; besonders aber wird erdabei ein treuer Genosse des Herakles (schol.Apoll. Phod. 1, 1289). Zwar erscheint er beiden Heerfahrten und Abenteuern ^ls Begleiterder Haupthelden meist in zweiter Linie, trägtjedoch auch mit eigenen Taten erheblich zumGelingen der Unternehmungen bei und erwirbtsich oftmals durch besondere Leistungen Beuteund Ruhm. Ein hervorstechender Charakter-zug ist hierbei neben seiner echt kriegerischenGesinnung sein leidenschaftliches Ungestüm(Apoll. Phod. 1, 1289f.; Valer. Flacc. 3, 637f.;vgl. Apoll. Phod. 3, 382 f. 515; Apollodor 2, 6,4f.), das ihn und das ganze Unternehmen zeit-weilig gefährdet. Doch ist er nach einem er-bitterten Zerwürfnis keineswegs versöhnlicherGesinnung bar (Apoll. Phod. 1 , 1330 f.), undweit entfernt, blinder Draufgänger zu sein,zeigt er gelegentlich mitten in der Gefahr

Telamon (Beiwörter, Name) 228

schlaue Berechnung (schol. Lykophr. 469; Apol-lodor 2, 6, 4f.). Ais seine agiatsia, bei der erstreitbaren Mut mit kluger Besonnenheit ver-bindet, muß unbedingt der Zug gegen Troja gelten, von dem er als den ihm von Herakles gewährten Siegespreis die Königstochter He-sione heimbringt. Telamons Charakter spiegeltsich sodann in seinen Heldensöhnen wider,denen vor Ilion als Leitstern das Beispiel desVaters dient. Während dessen Zorn dem Aiasnoch im Sterben als Schreckbild vorschwebt,muß Teukros bei seiner Heimkehr die Strengedes unbeugsamen Greises kosten (Soph. Ai.433f., 1008fi, 1298f.; fr. inc. 808 Nck.'·, En-nius bei Pibbeck S. 133 f.; Pacuvius ebendaS. 223f., 226f.; Accius ebenda S. 375) und, wieder Vater einstmals, nunmehr selbst in dieFremde ziehen. Kommt bei solcher Härte, dieauch Odysseus auf seinem Heimzuge bitter er-fährt (Eiet. Cret. 6, 6), Telamons Vaterliebegegen Teukros zu kurz, so ist ihm doch nachreich bewegtem Leben und heldenmütigem Tode(schol. Find. Ol. 10, 39) die glückliche Gemein-schaft mit dem ihm ähnlicheren Erstgeborenenim Elysium (Verg. Cul. 295 f.) zu gönnen underscheint als der beste Lohn für seine Ver-dienste als Vater, König und Kriegsheld.

Von dichterischen Beiwörtern beziehtsich ayavog ( 11 P 284) auf seine erlauchteAbstammung; &yvfi(ov (Od. X 553), dyce-O-o?(Find, Pyth. 8, 100), (psgrarog (Isthm. 5, 58)und magnus (Stat. Theb. 1, 501) kennzeichnenihn lobend im allgemeinen; ccatsycpfjg gilt derFestigkeit Beines Charakters, pius (Valer. Flacc.3, 637. 715. 722, vgl. Stat. Theb. 9, 68) beson-ders der Treue gegen den Waffengefährten Hera-kles ; CiQrficp Llog (Apoll. Phod. 3, 1174) undivyiisXirig (1,1043) heben seinen kriegerischenSinn, iva&svyg (Quint. Smyrn. 5, 482. 580),evQva&eviig (Pind. Nem. 3, 36), %garai6g(ibid. 4, 25) und svgvßirig (Nonn. 37, 585) seinegewaltige Körperkraft hervor. Sprichwörtlichwaren nämlich die TsXaymvioi xovSvXoi(Hesych. s. v.; Aristophon bei Kock, Com. 2,277). Er war der Held volkstümlicher Gesänge:Ar. Lys. 1237; Skolia 17 u. 18 in Bergk, Lyr.3 4 , 649; Theopompos bei Kock, Com. 1, 750;Antiphanes bei Kock 2, 45; Hesych. s. Ts/.a-ycövog aSsiv.

DerName TsXaymv darf als echt grie-chisch gelten. Trotz buchstäblicher Überein-stimmung hat er mit dem Namen der etrus-kischen Stadt nichts zu tun, wenn schon dieArgonautensage deren Gründung auf den Hel-den zurückführt (Timaios bei Eiodor 4, 56, 6;s. o.); vielmehr ist der Name der etruskischenStadt eben selbst auch etruskisch; vgl. Wil-helm Schulze , Zur Geschichte lateinischer Eigen-namen, Abhandlungen der Gott . Gesellsch. d.Wissenseh. 1904, S. 245; 572 A. 8.

Sowenig es nun zweifelhaft sein kann, daßder Personenname TsXaymv ursprünglichAppellativum ist, so verschieden wird erdoch in seiner Anwendung auf den Helden er-klärt. Die Ableitung von rXa, tragen, istmit jener Auffassung gegeben. Vielleicht unterdem Einfluß von rtoXvxXag hat man nun auchTsXccyav bildlich als 'Dulder gefaßt, so

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