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Fünfter Band. T.
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229-230
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229 Telamon (Name und Wesen;

Telamon (in der Kunst) 230

Preller, Gr. Myth. 2 S , 402. Doch sind die Er-klärer des Namens meist lieber bei der eigent-lichen, konkreten Bedeutung des Wortesstehen geblieben, die freilich wieder verschie-dener Art ist. G-. Hermann (Opuse . 2, 192 f.),der das Nomen xsXagmv von dem (mit r Xustammverwandten) Verbum xiXXsiv = tollereahleitet, erklärt es mit sustentaculum undversteht darunter den Mastbaum, an dem dieSegel aufgehängt sind. Alag ist ihm das Se-gelwerk, abzuleiten von itaesiv. Auch erinnerter an die Telamonen oder Atlanten (s. u.).Andere halten sich an eine zweite, häufigereBedeutung von xsXagthv: Band oder Riemenzum Tragen von Schwert oder Schild,vgl. Etym. Magn. 750, 25. Nach v. Wilamo-uiitz (Homer . Unters. 246) ist Tslafimv demAlag so zum Vater gegeben, wie dieser späterden EvQveccHrjs zum Sohne erhalten hat. 'Trä-ger (Tragriemen) der eine, 'Breitschild derandere. Beide sind nur um des Aias willenda, ohne selbständige sagenhafte Existenz.In denselben Bahnen bewegt sich auch dieDeutung von Finsler, Homer 1 (1914) S. 13. 70.Danach hat Aias in der Ilias noch keine geo-graphische Heimat, da die beiden Stellen, dieihn in Salamis lokalisieren ( B 657; H 199),erst im sechsten Jahrhundert von den Athenerneingefügt worden sind; aber, genau besehen,auch keinen in der Sage wurzelnden Vater.Denn dessen Name 'Schildriemen ist erst nachdem traditionellen Waffenstück des Aias, demgroßen mykenischen Schild, gefertigt. Indeswird die Herleitung des Namens Telamon vomSchildriemen des Aias neuerlich von zwei Ge-lehrten energisch bestritten, ohne daß freilichbeide in ihren positiven Aufstellungen über-einstimmen. _P. Girard (Aiax fils de Telamon,Revue des Etudes Grecques 1905, S. lf.) faßttsXccgmv in der Bedeutung Träger, Säule .und erklärt mit Hilfe mehrerer kretischer Bild-werke der minoischen Zeit den TelamonierAias für le dieu ou lesprit du Pilier (S. 41),oder le Seigneur du Pilier (S. 67), d. h. einensäulenbewohnenden Genius, der ihm alsein Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Reich-tums gilt (S. 58). Dadurch würde freilich Te-lamon selbst die eigene mythologische Existenzganz verlieren und sein Name als bloßes Ap-pellativum nur der umschreibenden Benennung ;des Aias dienen. Auch Vürtheim (de Aiacisorigine cultu patria, Leiden 1907, s. o.) be-kämpft zwar entschieden die Herleitung desNamens Telamon vom Schildriemen des Aias,verwirft aber ebenso bestimmt die Gleichsetzungvon TsXagmv = avrjXrj, columna (S. 74 f.); viel-mehr ist ihm xsXccymv, wofür er inschriftlicheBelege aus Herwerdens Lexikon s. v. anführt,eine marmorne oder eherne Inschrifttafel(titulus). Diese Annahme mag auf sich be- <ruhen; wichtiger ist, daß Vürtheim den Tela-mon schließlich als einen Meergott auffaßt, ausdessen Liebschaft mit der Nymphe Theaneira(schol. Lykophr. 467, s. o.) ein Sprößling (Teu-kros) hervorgegangen sei. Auf den verschlun-genen Pfaden dieser Beweisführung begegnetaber auch die schon von G. Hermann (Opuse.2, 193, s. o.) angedeutete, ungleich wichtigere

und überzeugendere Zusammenstellung vonTsXagmv mitÄxXag (S. 68). DiebeidenAp-pellativa als Kunstausdrücke der Architekturlassen sich im Griechischen allerdings nichtgleichsetzen; denn wie Vürtheim richtig be-merkt (S. 74), bedeutet xsXctywv nicht Säuleoder Tragbalken; es muß bewenden bei Vitruv .6, 7, 6: si qua virili figura signa mutulosaut coronas sustinent, nostri telamones ap-) pellant, Graeci vero eos axXotvxag vocitant;vgl. G. Hermann a. a. 0. Wohl aber ist fürdie Heldensage die Gleichung Telamon =Atlas unanfechtbar; sie wird direkt unterstütztdurch Ennius (fr. ine. 43 3 Vahlen) hei Serv.Aen. 1 , 741, vgl. 4, 246; schol. Lucan. 10, 215;Wernicke bei Pauly-Wissoiva, Art. Atlas, 2,2125; Gruppe, Gr. Myth. 95; 493 A. 5; Degena. a. 0. S. 58. Darnach 'wird der boiotischeAtlas nach Lokris übernommen, wo man ihn) auch Telamon nennt (Gruppe). In der arka-dischen Stadt Pheneos ferner, wo Telamon imKampfe mit den Eleern gefallen sein soll (s. o.),erzählt man nicht nur von ihm, sondern auchvon Atlas (Gruppe 95 A. 9). Einen Schritt wei-ter noch führt uns endlich schol. Eur. Phoen.1129: Hesione, die wir als Telamons Gattinkennen, wird hier das Weib des Atlas genannt;vgl. auch Dict. Cret. 1, 9; Degen a. a. 0.; Vürt-heim S. 69. Sie heißt aber auch Prometheusi Gattin, und so ergibt sich mit Wahrscheinlich-keit, daß Telamon mit Atlas, mit Prometheus ,endlich auch mit Tantalos eine und dieselbeSagengestalt ist; vgl. Max Mayer, Gigantenund Titanen 88 f.; Gruppe 382 f.; 419 A. 7;1308 A. 4; 1314 A. 10; Degen a. a. 0. Atlasund Tantalos findet man identifiziert bei Preller-Robert, Gr. Myth. 1, 561 A. 8; v. Wilamowitz ,Eur. Herakl. 2 3 ,96. Vielleicht zielt dahin schoneine Bemerkung bei Gerhard, Gr. Mythol. § 875,wonach in den Namen Peleus und Telamon einHinweis auf Erde und Himmel enthalten ist.Es leuchtet ein, daß eine solche Auffassung Te-lamons als eines gewaltigen Titanen, falls siedas Richtige trifft, ihm und seiner Sippe eineweit höhere selbständige Würde und mytholo-gische Bedeutung verleiht als jene andere, dieihn gewissermaßen zum Schildträger des Sohneserniedrigt. Indes zu entscheiden, ob ihm dieseProtagonistenrolle als Titane oder jene be-scheidenere Stellung als Schildhalter oder als'Säulenheiliger ursprünglich zukommt, istdieses Ortes nicht.

Die bildende Kunst bietet, wie sich er-warten läßt, für keine der beiden Deutungeneinen Anhalt, sondern faßt den Telamon ledig-lich als Glied und Bestandteil der Heroensageauf. Folgen wir auch hier dem biographischenPrinzip, so ist die Kalydonische Jagd daserste Ereignis, bei dem, soweit nachweisbar, derHeld veranschaulicht worden ist. In SkopasGiebelgruppe am Athenetempel zu Tegea warnämlich auch er dargestellt (Pausan. 8, 45, 6),und zwar, falls Ovid das Kunstwerk vorgeschwehthat (Metam. 8, 378 f.), wie er bei der Eberhetzean einer Baumwurzel strauchelt und vor demFalle durch seinen Bruder Peleus bewahrt wird;vgl. d. Art. Meleagros, Bd. 2, Sp. 2616. 2618;Surber, Die Meleagersage, Züricher Diss. 1880,