239 Telchinen (Mythen, Verbreitung)
143 S. 165ff.) — In diesen Geschichten stecktnicht viel. Wichtig ist die Verbindung mitdem Meere und die Auswanderung, mit der esin Zusammenhang steht, daß die T. mehr wieeine Bevölkerungsschicht, als wie eine Dä-monenschar geschildert werden. Daß einernach Lykien geht, also Lykos heißt, ist will-kürliche Einflechtung eines fremden Motivs:rhodische Kolonisation in Lykien . — Mit derSage vom Abzug der Telchinen konkurrierteine andere, nach der sie von Apollon getötetwerden ( Eust. und Serv. Aen. 4, 377, unter denErklärungen des apollinischen Beinamens Av-%iog, . . . sive quod in lujii habitu Telchinasocciderit); eine dritte, Zeus habe sie wegenihrer Bosheit ins Meer versenkt ( Ovid . Met. 7,367 und Eust.)·, ähnlich auf Keos (s. u.), woZeus sie mit dem Blitz, Poseidon mit demDreizack vernichtet; eine vierte ( Lactant. adTheb. 2, 274): sie hätten sich nach der Affäremit dem Styxwasser aus Furcht fortgemachtund sich zu den Kyklopen begeben. (Diesesletzte ist offenbar dem Statiustexte zuliebe fin-giert.) Undeutlich ist die Nachricht, nach derdie Göttin Rhea darum ävralr, genannt wird,weil sie den Telchinen feindlich entgegentrat:Schol. Ap. Rh. 1, 1141 (vgl. Welcher, Aeschyl.Tril. 189 m ). Wichtig ist die Entstehung derT. aus den Hunden des Aktaion: Armenidasbei Sueton (vgl. v. Wilamowitz, Nachr. Gott .Ges. 1895 S. 243) wegen der Gleichungen: T.= Keren (s. d.) und Keren = ’AlSog itoal xvvsg( Rohde, Psyche 2 2 , 84). Vgl. Tzetzes Ghil. 7,128: ovtol d'h xcä &Xczazogsg sloixal TtccXauvcäoi.Bei Bahchylides (fr. 52 Bl. aus Tzetzes Theog.v. 81; die Namen der T. sind, wie besondersder Vergleich mit Tz. Chiliad. lehrt, nicht fürBakch. zu beanspruchen) waren die T. Kinderder Nemesis und des Tartaros. Und hier ist dieleider nur aus Tzetzes belegbare Nachricht an-zufügen, wonach aus dem Blut des Uranos zu-erst die Erinyen, dann die T. entstanden seien.Dazu vergleiche man die analogen Sagen vonder Entstehung der Sirenen und der Phaiakenaus Blutstropfen. Diese Spuren, die für dieT. auf Vorstellungen des Jenseits- undSeelenglaubens führen, scheinen ursprüng-licher als der Zusammenhang mit dem Meere,der vielleicht spezifisch rhodisch (insular) ist.(Ähnlich die Entwicklung bei Poseidon .)
Verbreitung. Die Hauptmasse der Tra-dition führt nach Rhodos ; dorthin auch dieEpiklesen TsX%lvlog, TsX%ivicc (s. d.). Danebenstehen aber Beziehungen zu andern Gegen-den. 1) Zu Teumessos in Boiotien gabes ein Heiligtum der Athena TsX%ivia ohneAgalrna. (Dies ist wichtig, weil sich derBeiname also nicht, wie man denken könnte,an das Kultbild heftet.) Paus. 9, 19. Vgl.Preller-Robert, Griech. Myth . 221 *. Eine Sagevon T. gab es dort nicht, Paus, vermutet, sieseien aus Kypros nach Boiotien gekommen.Soll man die Aktaion-Geschichte (s. o.) heran-ziehen? — 2) Kreta . Die Insel heißt Tel-chinia (Suet. Steph. Byz. s. v. TsX%lg. Et. M.s. v. TeX%iv.). Strab. 472 läßt neun T. ausRhodos nach Kreta ziehen. Sie folgen demZeus und als xovQotgoqjrißavzsg werden sie
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Kureten genannt. Das geht dem späten Syn-kretismus dieser ursprünglich verschiedenenDämonenkreise an. (Vgl. darüber Lobeck,Aglaoph. 1199.) Aber die Benennung der Inselnscheint (im Verein mit den folgenden Tradi-tionen) zu zeigen, daß wirklich der Telchinen -glaube nach Kreta Übergriff. In andererWeisenennen Strdbon 654 und Nikol. Dam. fr. 116Kreta als ursprünglichen Sitz der T., die vondort aus nach Kypros und Rhodos gegangenwären. Ähnlich muß auch Simmias (bei Sueton )berichtet haben. — 3) Kypros wird bei Niko-laos, Strdbon und Pausanias als Wohnsitz derT. bezeichnet. Näheres ist nicht bekannt. —4) Steph. Byz. s. v. Tsl%Lg erwähnt eine Stadtdieses Namens in Aithiopien nach Lydien zu.Als Ethnikon nennt er TsX%izr]g. Daß dieserOrt mit den T. etwas zu tun habe, ist sehrunwahrscheinlich. — 5) Wichtig ist für dieT. Sikyon. Diese Stadt führt wie Rhodos und Kreta den Beinamen TsX%iviu ( St. B. TsX-%ig und Tkuvcav). In der sikyonischen Königs-liste stehen Tsljus (s. d.) und QsX^Uov (zwischenihnen Apis. Gehört auch die KaX^wla dazu?):Paus. 2, 5, 6. 7. Nach Apollod. 2, 2 wird Apis,der Sohn des Phoroneus, von Telchis und Tel-xion getötet. Damit stimmen die Chrono-graphen. Euseb. 2, 16 und 18 Sch. (vgl. Orosius1, 7): die T. (und Karyaten) kämpfen gegenPhoroneus und die Parrhasier. Die T. werdenbesiegt und gehen nach Ophiussa (= Rhodos ).Die Einzelheiten dieser Kämpfe entgehen uns.Wahrscheinlich ist der Zug der T. von Sikyon nach Rhodos späte Kombination. Daß aberSikyon wirklich mit T. etwas zu tun hat, lehren(außer dem Beinamen) die Personen der Königs-liste. — 6) Keos. Hier knüpft das mächtigeGeschlecht der Euxantiden (Ev^avziäa v&aovnennt Bahchylides die Insel) seinen AhnherrnEuxantios an die T. an. MythographischerBericht im Schol. Ovid Ibis 475 (vgl. 469), alsalt erwiesen, ergänzt und teilweise korrigiertdurch Pindar , Paian 4 ( Oxyr. Pap. 5 nr. 841= Pindari carm. ed. Schroeder ed. minor p. 278= Diehl, Supplem. lyricum 27 ff.), Bahchylides1, Kallimachos Aitia (Kydippe ) V. 64 ff. (Oxyr.Pap. 7 nr. 1011), der nach eigenem Zeugnisaus der alten Chronik des Xenomedes von Keos schöpft; Nonnos Dionys. 18, 35. Vgl. Ellis,Class. Rev. 1898, 66; v. Wilamowitz , Gött. Gel.Anz. 1898, 126 f.; Jebb, Bakchylides 444; Bahchylides ed. Blaß 2 p. LIV; p. LIX. Die Tel-chinen, offenbar auf Keos gedacht, haben zumKönig den greisen Demonax (so Kallimachos V. 66; Dämon in den Ibisscholien ist schwer-lich Kurzname, eher Korruptel), dessen Gattin(Kallim.) Makelo ist (Macedo steht in den Ibis-scholien, MuneXco Kallim. V. 67, MaxsXXm Nonnos18, 35 ... eXco Bakchyl. 1, 73 Bl.). Als Gattinscheint sie auch bei Ovid vorzukommen (Ibis 475ut Macelo rapidis icta est cum coniuge flammis ),|während es im Ibisscholion eine von mehreren jiTöchtern ist. Nun kommt Zeus (Ibisscholion)oder Zeus und Apollon (Nonnos) nach Keos, ver-jmutlich in unkenntlicher Gestalt um Aufnahmebittend. Später vernichtet Zeus die Telchinen,weil sie mit ihrem bösen Blick den Ertrag derFelder schädigen (corrumpentes invidia successus
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