36B Tenes, Tennes
Teiles, Tennes (Τένης, Τέννης. Über dieSchreibung des Namens s. B. Wagner, EpitomeVaticana 193, 1, nach welchem Τέννης die rich-tigere ist), Eponymos von Tenedos , das früherLeukophrys hieß, und dessen Name s. v. w.Τενούεδος (d. i. Τένον έ'δος) bedeuten soll,Steph. Byz. s. v. Τένεδος. Nach Fick, Vorgriech.Ortsnamen 64 ist der Name Tenedos wie derder gleichnamigen lykischen Stadt, wie derOrtsname Lebeclos (Lydien ) oder Sebeda (Ly- ikien) vorgriechisch, und der Name des epony-men Heros Tennes, der für Τένδης eingetretensein kann, ist erst aus dem Namen der Inselabgeleitet.
Die hauptsächlichsten Quellen (vgl. TJ.Hoefer,Konon 3311'. Usener, Sintflutsagen, — Beligions-geschiclitl. Untersuchungen III S. 90 ff.) für denTenesmytlios sind: Aristoteles fr gm. 593 p. 3G2f.Bose (= F. H. G. ‘2, 157 fr gm. 170) in derΤενεδιων πολιτεία bei Steph. liyz. s. v. Τένεδος ; 2vgl. Straho 8, 380. Phot, und Suid. s. v. Τενέ-διος αννηγορος. Apostol. 16, 26. Auf Aristoteles geht nach K. Giesen, Philologus 00 (1901),409 ff. der Bericht bei Plut. Quaest. Gr. 28 undHeraklid. Pont. frgm. 7 ( F. Π. G. 2,213) zurjielj:. ,Ferner: Paus. 9,14,1 ff. Diod. 5,83,4. Konon,Narr. 28. Apollod. Epit. 3, 23 ff. Schol. undTzetz. zu Lykophr. 232 ff. (p. 105 If. Seheer).Schol. Hom. II. 1, 38. Phot. Suid. s. v. Τενέδιοςίίν9ρωπος. Zenoh. 0,9. Über die angebliche 3Tragödie Τέννης des Euripides s. Welcher, Oiegricch. Trag. 499 f'.
Tenes ist Sohn des Kyknos ■— Über Apollo als Vater s. unten Sp. 365,44 von Kolonai in derTroas und der Prokleia (Paus. Apollod. Tzetz.Lyk. p. 105, 32 ff.). Irrtümlich wird statt Pro-kleia als seine Mutter Skamandrodike genannt,Schol. BLT Hom. II. 1,38, die vielmehr dieMutter seines Vaters Kyknos, also seine Groß-mutter ist, Usener 91,1. (Straho 13, 004 nennt 4den Kyknos zwar König von Kolonai, abereinen Thraker.) Des Tenes Schwester ist He-mithea; diesen Namen bieten fast alle Quellen;nur Schol. Al) Hom. 1, 38 nennt sie Λευκοθέα,Steph. Byz. Άμφι&έα ηΠμι&έα. Nach dem Todeder Mutter erhalten die Geschwister eine Stief-mutter, die, wo ihr Name genannt wird, ge-wöhnlich Phylonome heißt (die Stellen s. unterPhilonome, wo Z. 46 zu lesen ist: 'zweiteGattin des Kyknos’. Nach E. Maaß, Jahreshefte 51des Österreich , arch. Inst. 9 [1908], 23 Anm. 60wäre statt Φνλονόμη vielmehr Φνλλονόη zuschreiben). Polyboia heißt die Stiefmutter imSchol. AH Hom. II. 1, 38. Eust. ad Hom. II.33, 26, Kalyke im Schol. BLT Hom. Von Liebezu dem herangewachsenen Stiefsohn ergriffen,von diesem aber zurückgewiesen, verleumdetPhylonome den Sohn beim Vater (vgl. auchServ. ad Verg. Aen. 2, 21. Myth. Lat . 2, 186.Isidor. Orig. 14, 6, 23), indem sie sich des 6falschen Zeugnisses eines von ihr gewonne-nen Flötenspielers — Ενμολπο s nennt ihnApollod., Moli ros Plut. u. Tzetz. p. 106, 5. 107,13.27 — bedient. Kyknos glaubt der Verleum-dung, läßt den Sohn und nach fast allenQuellen auch die Hemithea in eine Truhe(λάρναξ) schließen und ins Meer werfen. DieTruhe wird — &εων τίνος προνοία Hioä.·, das
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Schol. AD Hom. nennt als rettenden Gott denPoseidon, den Großvater des Tenes — an diegegenüberliegende Insel Leukophrys angetrie-ben und von den Einwohnern geöffnet, die denTenes zum König der Insel machten. DaßTenes allein in die λάρναξ eingeschlossen wor-den sei, berichten Diodor . Herakl. Pont. Schol.Al) Hom. Merkwürdig ist es, daß auch Hemi-thea das Schicksal ihres Bruders teilen muß;der Versuch einer Motivierung für diese Tat-sache ist vielleicht mit Usener 91, 5 bei Konon zu finden: δ πατήρ . . . Τέννκ\ν κατακλείει,αλλά καί την ' Ημι&έαν περιαλγονοαν τά-δελφον. Man kann auch auf Mythogr. Gr.Westermann 345, 12 = Paradoxogr. Westerm.219,4 (vgl.«. Wilamowitz , Analecta Euripidea161 Anm.) verweisen, wo unter den ’ φιλάόελφοι’Tennes und Hemithea genannt werden, so daßBruderliebe es war, die Hemithea vielleichtbestimmte, freiwillig das Los des Tenes zuteilen; (vgl. Suid. Phot. s. v. Τενέδιος αν&ρωπυς.Apostol. 10, 25: έλομένης δε τής Τίμι&έαςβυγκινδννεΰειν τω άδελφω ϊχατέρονς κατεπόν-τωβεν) oder ihre Klagen um den Bruder mögen<Jei^ qrzüri\te^ |vy)inps , bqstynipt, hjibqn,, siegleichfalls mit auszusetzen. Die Aussetzungdes Tenes und der Hemithea hat man aufeinem im Museum zu Neapel befindlichenVasengemälde ( Heydemann, Die Vasensamml.des Museo Nazionale zu Neapel 3140 S. 479 f.;abg. Mus. Borb. 2, 30, 4) zu erkennen geglaubt,Gerhard, Arch. Zeit. 2 (1844), 269 f. Panofka,Annali 19(1847), 227 Anm. 5 ff. O. Jahn, Arch.Zeit, 8 (1850), 192. Stichs. Ber. 1858, 10. Buhl,Arch. Zeit. 20 (1862), 337 f. Longperier, Bev.arch. N. S. 18 (1868), 165 Anm. 4. NachdemKyknos später seinen Irrtum erkannt, denFlötenspieler steinigen und sein Weib lebendighatte begraben lassen (Apollod .; vgl. Tzetz.zu Lyk. p. 106, 18), sucht er Versöhnung mitdem Sohne: er fährt nach Tenedos, macht dieTaue seines Schiffes an einem Felsen oderBaume fest und bittet den Scjhn um Ver-zeihung, aber Tenes in seineir Erbitterungkappt, zum Zeichen, daß er jede Gemeinschaftmit dem Vater ahlehne, die Taue; daher manspäter noch das Sprichwort Τενέδιος πέλεχνς(Τενέδιον βέλος, Hesych.) gebrauchte — έπϊτων άποτόμως τι καί καί ώμώς διαπραττομένωνMakar. 8, 7; vgl. Diod. u. Konon . Abweichendhiervon ist die Erzählung bei Tzetz. zu Lyk.p. 106, 18f.; Κύκνος . . ■ έλ&ών ΰννωκηβε τοίςπαιαϊν έν Τενέδω, nach der eine Aussöhnungstattgefunden haben muß. Seinen Tod fandTenes durch die Hand des Achilleus: er suchtedie Landung der Griechen auf Tenedos durchSteinwürfe zu hindern und erhält im Kampfemit Achilleus eine tödliche Brustwunde (Apollod.vgl. Diod.), zugleich mit Tenes fällt sein VaterKyknos (Tzetz. zu Lyk. p. 106, 21.26). Nachanderer Version fällt Tenes, als er seine vonAchilleus verfolgte schöne Schwester zu schützensucht und wird von diesem begraben an derStelle, wo sich später sein Tempel erhob (Plut.).Das Tempelgesetz untersagte in Erinnerungan die Verleumdungen des Flötenspielers jedemFlötenspieler den Zutritt zum Heiligtum desTenes (Herakl. Pont. Plut. Diod. O. Müller ,