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Fünfter Band. T.
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415-416
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415 Teukros (Deutungsversuche)

verstehen, macht hier nicht halt. Freilich dür-fen Deutungsversuche, die ihnen gewidmetsind, eben nur als Versuche gelten.

Beide Helden, die Teukros heißen, werdenvon der Überlieferung in einen direkten ver-wandtschaftlichen Zusammenhang gebracht;ein solcher besteht ja auch nach der wissen-schaftlichen Auffassung der Sage; nur ist erganz anderer Art, als der von der Dichtungaufgestellte Stammbaum vermuten läßt. Die 1Heldensage hat so nimmt man jetzt anden jüngeren Teukros früher geschaf-fen. Dieser ist, wie sein Bruder Aias , nichtauf der Insel Salamis zu Haus, wie es fürletzteren nach dem später entstandenen Schiffs-katalog ( B 557) scheint, sondern bei Homer heimatlos (Ed. Meyer, Gesch. d. Altert. IIS. 646); er stammt aber wohl aus dem opun-tischen Lokris, wo beide Aias aus einereinzigen Gestalt erwachsen sind (Gruppe, iMythol. 613; 310; Vürtheim 13 f.; 134; Beloch

1 2 , 185); oder der Telamonier ist eine gestei-gerte Nachbildung des Lokrers (P. Cauer, llb.Jahrb. 1905, S. 11 f.). Der Uraias ist ein Gigant

i (i Vürtheim 87 f.).i Die ursprüngliche Einheit der 'beiden Ai'avrs wirkt noch darin nach, daß siebei Homer meist gemeinsam auftreten undvereint kämpfen (Vürtheim a. a. 0.); Teukros ferner, der sich hier oft zu ihnen gesellt (s. o.Sp. 407), ist gleichfalls aus jenem opuntischen ;Dämon hervorgegangen; als Bogenschütze würdeer sich überdies besonders zum Führer der mitBogen bewaffneten Lokrer eignen (II. NI 16 f.);wird doch sogar sein Name abgeleitet vonrvx-, treffen (Vürtheim 24; s. u,). Telamon(s. d.) ist noch gar kein Held der älteren Sage;weder bei Homer noch in Hesiods Katalogenwird er erwähnt; auch darf man ihn wohl garnicht als den Vater der homerischen Brüderauffassen, sondern er ist identisch mit einem <Giganten, der sonst auch als Atlas, Tantalosoder Prometheus erscheint (s. d. Art. TelamonSp. 230 u. Hegen 58). Nicht weil die beidenBrüder seine Söhne sind, sondern weil sieunter seinem Schutze stehen, heißen sie TeXa-jiavioi (P.Girdrd, Aiaxfils de Telamon, BevuedesEtudes Grecques 1905, S. 1 f.; Vürtheim 52 f.);später erst ist dieses Adjektiv patronymischaufgefaßt und dann weiterhin so verwendetworden (Soph. Ai. 134: Tslutimvis rtai. Quint, lSmyrn. 4, 227: TsXafimviog vios- Vgl. Ov. Met.

13, 194). Mit Kolonisten sollen die Sagenge-stalten des Aias und des Teukros in den Pelo-ponnes und nach dem Saronischen Golfgelangt sein (Gruppe 613; Vürtheim 25. 52.130). Während nun bei den Lokrern der GigantAias in dem kleinen Aias fortlebt, faßt dergroße auf der Insel Salamis festen Fuß; undwie dem Lokrer ein natürlicher Halbbruderin Medon (s. d. und Vürtheim 25) beigegeben iwird, so tritt neben den andern Aias derBastard Teukros; zur Erklärung des Namensbenutzt sogar Moritz Schmidt die Glosse desHesychios (4,149): tivxqos' aäeltpbg&o s(s. u.). Seine uneheliche Geburt wird aber nunerst durch Einführung einer ausländischen,nicht vollbiirtigen, weil kriegsgefangenen Muttererhärtet. Damit taucht Hesione (s. d.) als

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Nebengattin des Telamon auf. Dieser ist näm-lich gleichfalls auf die Wanderschaft gegangen,auf Aigina dem Aiakos angekindet wordenund, nach mancherlei Wechselfällen (s. d. Art.Sp. 216 f.), auf der Nachbarinsel Salamis zurHerrschaft gelangt (Busolt, Gr. Gesch. 2 2 , 215A. 1). Ein naheliegender, durch den athenischenNationalstolz bedingter Anachronismus ver-schafft diesem Eiland schon für das Helden-zeitalter die Zugehörigkeit zu Attika und machtso den Telamon samt seinen berühmten Söhnenzu Stammheroen auch für das attische Fest-land (II. B 558 mit Schol.; Soph. Ai. 202 u.861 mit Schol; Töpffer, Att. Geneal. 270 f.;274 f.). Jene Gattin aber, die später seines un-ebenbürtigen Sohnes Mutter werden soll, er-beutet er als Herakles Kriegskamerad aufeinem Zuge nach Asien ; denn Hesione heißtdieAsiatin (Hegen 65; Ed. Meyer I 2 2S. 659). Während demnach bereits das ältesteHeldenlied den Teukros mit seinem bedeuten-deren Bruder als Kämpfer vor Troja kenntund feiert, tritt erst nachträglich, gleichsamdem Parallelismus zuliebe, ihr Vater Telamonuuf dem Plan', um'durch die'erst'e EroberungIlions den Söhnen als Muster voranzuleuchten.Nach dem Trojanischen Kriege gelangt, wiederauf dem Wege der Kolonisation, Teukros Ruhmvon Salamis nach Rhodos und Kreta (Gruppe642,11; 269); zumal wegen seiner Schützen-kunst gilt er den Kretern als stammverwandtund ist ihnen vertraut (s. u.; vgl. auch Hör.C. 4, 9, 17). Iihodier bringen dann seinen Namennach Olbe in Kilikien (s. o. Sp. 413), wodieser sehr üblich wird (Kretschmer, Einl. ind. Gesch. d. griech. Spr. 190); und als vondort Ansiedler nach Cypern kommen und eineStadt Salamis vorfinden (Busolt l 2 , 321), schrei-ben sie deren Gründung ihrem auf der gleich-namigen Insel ansässigen Nationalhelden zu,dessen Name aus Kilikien bereits hierhergedrungen ist (Beloch l 2 , 97 A. 2). Seine Ver-bannung UDd sein rührender Auszug aus derHeimat wird dann erst von der Sage als Mittel-glied in seinen Erlebnissen gefühlvoll ergänzt.Mehrfach sind für die Weiterbildung solcherWanderungs und Gründungssagen Kulte maß-gebend, so der kilikische Zeuskult in Olbeund der cyprische in Salamis (s. o. Sp. 412 f.).

Bisher ist nur von dem jüngeren Teukros,dem Griechen, die Rede gewesen. Aus ihm hatsich, nimmt die moderne Forschung an, derTroer Teukros erst entwickelt (Hegen 64f.).Die Troer werden von den Späteren vielfachmit Kreta in Verbindung gesetzt, vor allemwegen des beiden gemeinsamen Idagebirges(Ed. Meyer I 2* S. 658); ferner wird der tro-janische Kybele- und Korybantenkultus ausKreta hergeleitet und mit jenem auch dasSmintheusheiligtum in Beziehung gebracht(Hegen 46). So landet denn Teukros in Troas (s. o,) und wird hier als siegreicher Erobererdes Landes nachmals der Königsliste einver-leibt. Da aber die Sage einen einheimischenHerrscher Ilions, das sich trotz seines zwei-maligen Falles auch in der Erinnerung derGriechen stets besonderen Ansehens erfreut,lieber sieht als einen zugewanderten Fremd-