Band 
Fünfter Band. T.
Seite
1289-1290
JPEG-Download
 

Turiacus

1289

Turiacus, Name eines einheimischen Gottesauf einem Weihdenkmal in bester, großer Schriftdes 1. Jhdts. n. Chr., gefunden in Santo Thyrso,südwestlich von Braga = Bracara Augusta inder hispanischen Landschaft Callaecia, CIL 2,5551 ( Suppl. p. 891) = Dessau, Inscr. Lat. sei.4511: L. Valerius Silvanus, miles leg(ionis) VIVict(ricis), Turiaco [v(otum)\ s(olvit) Ißbens)m(erito). Während frühere Gewährsmänner ab-weichende Lesungen des Namens botenreira·. IVRIACO, Andrade: NVRIACO; Cardoso,auf welchen CIL 2, 2.174 zurückgeht, hat über-haupt keinen Namen des Gottes), ist die LesungTVRIACO durch Sarmento und Photographiegesichert (der Rest von 0, den Sarmento vordem Namen zu erkennen glaubte als Über-bleibsel von deo , ist wohl kein Buchstabe): s.Hübner zur Inschrift. Fundort S. Thyrso s.Kiepert, CIL 2, Suppl., Tab. I, Fbc und Son-derkärtchen Sb. Den Namen T. führt Holder, s' Alteelt. Sprachschatz 2, Sp. 1997 nach A. Coelhoals keltisch auf, dagegen Hübner, Mon. ling.Iber. p. CX und p. 253 als iberisch, wohl zu-treffend, denn hier liegt nicht die keltische,für Grundstückbezeichnungen beliebte Endung-acus vor, sondern das gleichfalls adjektivischeiberische, neben -agus, -aegus, -egus, -aecus,-aicus u. ä. vorkommende Anhängsel, vgl. zumArtikel Tiauranceaieus . Die Legio VI Victrixlag bis zum Zeitalter des Vespasianus in His- a' panien und zwar, vornehmlich unter Augustus,im nördlichen Teil der Halbinsel nach Besie-gung der Cantabri, der sie den BeinamenVictrix verdankte. [Keune.]

Turibriga, Turobrlga, Turubriga s. Turo-brigensis.

Turmasgad oder Turmazgad, syrischer Bei-, name des Iuppiter, also einer der nach ihrerKultstätte in Syrien benannten Ba' alim, derenVerehrung auch im Westen des Römerreiches 4Fuß gefaßt hatte und von welchen besondersder Baal von Doliche, Iuppiter Dolichenus ,aber auch andere bekannt sind {Aust o. Bd. 2,

1, Sp. 752. Thulin in Pauly-Wissowa-Kroll,

\ Beal-Encyclopädie für cl. Altertumswissenschaftj Bd. 10, 1, Sp. 1139f. § 16 und Cumont, ebd. 2,2,

I Sp. 2649 f. Toutain, Les cultespa'iens dans lEm-j pire roni. 1, 2, les cultes orientaux 1911, p. 33ff.).

! T. ist bis jetzt belegt durch fünf Inschrif-ten, von w-elchen drei (13) zweifellos, zwei 5(4. 6) sehr wahrscheinlich diesen Namen nennen,j dreimal als Beinamen des Iuppiter (OptiuiusMaximus); drei der Weihungen (24) sind ini den Provinzen Daciae, eine zu Rom (1), eine! bei Trier (5) gefunden. Der syrische Name istsowohl mit s (1.2. 5) wie mit z (3. 4) geschrie-ben, vgl. die Schreibungen Sabasius neben Sa-. bazios, -us, auch Zmyrna Smyrna u. a. {Des-! sau, Inscr. Lat. sei. vol. 3, p. 839). Der Dativj ist entweder nach griechischer Weise auf -a 6(von einem Nominativ -as) gebildet (2) oderauf -e (1) oder latinisiert -i (3, von einem No-minativ auf -es). Das Wort ist aramäisch (sy-risch) und setzt sich zusammen aus tour-\-masgad, d. h. Berg der Anbetung (Mont dulieu dadoration) [sgad = anbeten; von masgadleitet sich das Wort 'Moschee her], s. Brustonan Toutain, Bull, de la Soc. des antiq. de Fr.

Boschkr, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. V.

Turmasgad 1290

1912, p. 196 (vgl. auch ebd. 1911, p. 200 u. 211).

Unter den Verehrern ist eine Truppe, dienach ihrem vornehmlichen Aushebungsbezirkin Syrien , Commagene, benannt war (3), außer-dem noch zwei Soldaten (4. 5) und ein kaiser-licher Freigelassener, dessen griechischer NameOrthius ('Ogfi-ios) seine östliche Heimat verrät (1).

Zwei Weihinschriften sind mit Bildwerk ge-schmückt, welches im wesentlichen iiberein-

i stimmt (1. 2).

1. CIL 6, 4, 2 (Additam.), p 3036 nr. 30950 a= Dessau, Inscr. Lat. sei. 4073, Altärchen ausMarmor, gefunden zu Rom in der Via Nazio-nale (Fortsetzung: Corso Vittorio Emanuele ) inder Gegend des Palazzo della Cancelleria {Bae-deker, Mittel-Italien Born, Plan II15/14), jetztim Museo Capitolino {H. Stuart Jones, A Cata-logue of... the sculptures of the Museo Capito-lino 1912, p. 60 nr. 27 mit Tafelabbildung Plate11,27): I(ovi) Ofptimo) M(aximo) [Bildwerk:'aquila rostro caput cervinum (vel caprinum l)petens'] Turmasgade Orthius Augfusti) lib(ertus)tabfularius) v(otum) s(olvit).

2. CIL 3 Suppl. 1 p. 1422 nr. 8027 == Dessau 4074, gefunden zu Resca (nicht Recka) Ro-mula [CIL 3 Suppl. (2) Tab. IV Eik u. V Khi]in der Dacia Malvensis, nahe dem die Grenzegegen Moesia inferior bildenden Fluß Alutus(Oltu, Alt) [Andree, Handatlas 7 136/137 D 5] inder kleinen Walachei, jetzt im Museum zu Bu-karest : [Bildwerk: ' Cervus fugiens ab aquilaadprehensus] Turmasgada Max. Maximinus etlulianus Maximinus ex voto pos(uerunt).

3. Dessau 9273 (Addenda, Vol. 3 p. CVI1I),mit berichtigter Deutung aus Österreich . Jahres-heft. 5 (1902), Beiblatt Sp. 121 f. nr. 3 [= Bevuearcheoll 1 (1903, 1) p. 331], zu Deva in Sieben-bürgen oder Transsilvanien [CIL 3 Suppl. (2),Tab. V Eef u. Jl. Andree 1 79/80 I 6]: [I]omTurmazgadi [c]oh(ors) II Fl(avia) [Cojmma-g(enorum) eq(uitata) s[ag(ittariorum),cui] pr(ae-est) M. Ärru[ntiu]s Agrippinufs], v(otum) s(ol-vit) Ifibens) m(erito). Über die Cohors IIFl. Commagenorum s. Cichorius in Pauly-Wis-sowa, Beal-Encyclopädie 4, 1, Sp. 274. DieseKohorte hatte ihr Standlager in Micia = Veczel,von Deva den Fluß Maros (Marisia) abwärts[CIL 3 Suppl. (2), Tab. V Ee u. Jk], in DaciaApulensis. Das Steindenkmal war vielleichtvon seinem Fundort Veczel = Micia nach Devaverschleppt.

4. CIL 3, 1338 {Dessau 4074a), zu Deva (s.nr. 3) in Privatbesitz , jetzt im Museum zu Deva[ CIL 3, Suppl. 1 p. 1402]: G. T. Maz. Aure-(lius) Dionisius cur(ator) pos(uit ). G. = Ge-nio ? Dessau hat mit Recht im folgenden T.Maz. den Namen des Gottes T. erkannt. DieserName ist abgekürzt unter Zerteilung in seinezwei Bestandteile; vgl. z. B . plfum)b(arius) CIL13, 5330a und Korr.-Bl. Westd. Ztschr. 15, 1896,Sp. 61. Zur Abkürzung G genius vgl. z. B.CIL 12 p. 946. Zu Genius Turmasgades oderGtv. -is vgl. den Art. Tiauranceaieus. Momrn-sen hatte G(enio) t(urmae) Maz. vermutet [ebensowie in nr. 3 ergänzt -worden war: t.urfma) Maz-gadi-, vgl. auch Mommsen, Eph, epigr. 2, p. 320nr. 449 zu o. nr. 2, gegen Hirschfelds richtigeDeutung]; Hübner dagegen hatte G(enio) t(ur-

42