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Fünfter Band. T.
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1295-1296
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Turnus

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Turobrigen(sis)

Roms, S. 85); zu seiner Schwester machte man,vielleicht in Rücksicht auf die Ähnlichkeit desNamens und die gemeinsame Heimat Ardea-Lavinium, die Quellgöttin Juturna (o. Bd. 2Sp. 7(53, 56).

Die älteste uns erreichbare Form der Tur-nussage bieten die bei Servius zu Verg. Aen.erhaltenen Bruchstücke aus den Origines desCato , dessen Darstellung wahrscheinlich aufTimaios beruht ( Mommsen, R. G. I 7 , 466 f. ioF. Cauer, Jdhrl·. f. Philol. Suppl. 15 S. 95 ff.

E. Aust o. Bd. 2, Sp. 1905f.) Nach der Lan-dung des Aeneas an der Küste von Latium und dessen Vermählung mit Lavinia , der Toch-ter des Latinus, schließt dieser wegen dervertragswidrigen Plünderung seines Gebietsdurch die Trojaner ein Bündnis mit dem Ru-tulerfürsten Turnus, beide werden aber in derSchlacht bei Laurolavinium geschlagen undLatinus wird getötet. Turnus flüchtet zu König joMezentius von Caere, erhält von diesem gegendas Versprechen eines Weinzinses Hilfe ( Macrob.Sat. 3, 5, 10. Peter fr.h.R. S. 45, 12), fälltdann aber während einer in Verbindung mitihm dem Aeneas gelieferten zweiten Schlacht,vielleicht durch dessen Hand ( Serv. V. Ae. 1,267. 4, 620. 9, 742. Peter, Hist. Rom. fr. S. 44f.

9. 10; zu Serv. 6, 760; s. o. Bd. 2 Sp. 1907, 4 u.vgl. 2943 t'.).

Die weiter ausgebildete Sage hat Varro 30zusammengefaßt, dessen Darstellung bei Dion.Hai. erhalten ist ( Cauer a. a. 0. S. 154ff.). Beider Ankunft des Aeneas war Latinus in einenKrieg mit den Rutulern verwickelt, brach diesenaber ab, um zunächst dem auswärtigen Feindeentgegenzutreten. Doch bald schlagen beideals Bundesgenossen vereinigt die Rutuler undgründen Lavinium. Des Latinus Tochter La-vinia wird die Gattin des Aeneas . Da sie aberauf Betreiben ihrer Mutter Amita (Dion. Hai.

1, 64, 2; amita = matertera Tante des Turnus;vgl. Aasigct Schwägerin in der Kultsage vonBleusis) oder Amata (s. d. und Roßbach beiPauly-Wissowa s. v.) bereits mit deren NeffenTurnus verlobt gewesen war, geht dieser zuden Rutulern über und wird von ihnen zumFührer gemacht. Br erhebt sich gegen dieVerbündeten und fällt im Zweikampf mitseinem Oheim (s. o. Bd. 2, Sp. 1907f. 2945).

Der Bericht des Livius (1, 2, 1 ff.) verbindet 6odie beiden älteren Darstellungen. Die Rutulerwerden in dieser Schlacht zwar besiegt, Turnusaber flieht zu Mezentius, findet bei ihm Unter-stützung, und beide unterliegen dann den La-tinern, doch wird der Tod des Turnus nichterwähnt.

Da Turnus bei Dion. Hai. Tv$qi jvog ge-nannt wird und nach Cato und Livius mit demEtruskerfürsten Mezentius (s. d.) verbündet ist,darf er wohl als ein eponymer Vertreter der 60einst in Mittelitalien mächtigen Etruskerkolo-nien betrachtet werden (s. o. Bd. 2, Sp. 2952, 38),obwohl sich dies nicht sicher erweisen läßt(Klausen , Aen. u. d. Penat. S. 1212 ff. Wörnero. Bd. 2 Sp. 2952). Jedenfalls ist die griechischeNamensform eine auf solcher Vermutung be-ruhende Umbildung.

In Vergils Aeneis (s. o. Bd. 2, Sp. 1909 ff.)

erscheint Turnus als der nach verschiedenenhomerischen Mustern ausgestaltete Hauptgegnerdes Helden Aeneas .

Nach dem Vorbilde des Hektor bestürmter das Lager der Trojaner, um ihre Schiffe zuverbrennen, während Aeneas bei Evander Un-terstützung erbittet (9, 70 ff.). Er erschlägtden Pandaros (s. d. nr. 3), Bitias (s. d.) undandere (9, 760ff.), muß aber schließlich vonder Übermacht umringt in den Tiber springenund flüchten (9, 789 ff.). Nachdem Aeneas mitHilfstruppen herbeigekommen ist, wird derKampf erneuert, und Turnus tötet den Sohndes Evander Pallas (s. d. nr. 3). Dann begehrter mit Aeneas selbst zu kämpfen, Juno locktihn aber bei der Verfolgung eines diesem glei-chenden Scheinbilds (vgl. Achilleus u. Apollon-Agenor, o. Bd. 1 Sp. 20) auf ein Schiff undentführt ihn aus der Schlacht nach Ardea, umihn so vor dem drohenden Untergang zu be-wahren (10, 621 ff.).

Von Drances (s. d.), ebnem Gegenbild desThersites, angestachelt, entschließt sich Turnusnun wirklich dem Aeneas selbst entgegenzu-treten (11, 440ff.); währeneil er ihn jedoch ineinem Hinterhalt erwartet, wird sein Heernach dem Fall der Camilla (s. d.) o-eschlagenund er gezwungen, die bedrohte StaRt Lauren-tum zu schützen (11, 896ff). Trotz der Bittendes Latinus und der Amata stellt < er sich amfolgenden Tage dem Aeneas zum iZweikampf(12, lff.); zunächst freilich wird avR den Ratder Juno von Juturna, welche die (Gestalt desFürsten Camers (s. d.) angenommen hat, durchVertragsbruch (vgl. den Pfeilschuß des Pan-daros, o. Bd. 3, Sp. 1504) noch einmal ein all-gemeines Handgemenge veranlaßt (12, 134ff.).Schließlich tritt Turnus aber doch, trotzdemihn seine Schwester abermals durch List vor40 dem Zusammentreffen mit Aeneas zu behütensucht, seinem übermächtigen Feinde gegenüber(12, 697 ff ). Nachdem sein Schwert auf desAeneas Helm zersprungen ist, wird er von ihmverfolgt (12, 728 ff.); aus der Hand der Juturnaerhält er zwar ein neues Schwert, auf JuppitersRatschluß aber nunmehr gelähmt, erliegt erdem mächtigen Speerwurf des troischen Heldenund wird von seinem Schwertstoß getötet (12,783 ff.; vgl. Hektors Tod).

Eine Abbildung des Kampfes, auf welcherder Leichnam des Turnus zu des Aeneas Füßenliegt, ist o. Bd. 2, Sp. 2948 geboten; die Dar-stellungen der pränestinischen Cista (o. Bd. 1Sp. 186. Bd. 2, Sp. 1915) sind wahrscheinlichgefälscht (Heydemann, Areh. Zeit. 29, 1872S. 122. Roßbach bei Pauly-Wissowa Bd. 1,S. 1018). [Steuding.]

Turobrigen(sis), Turibrig(ensis), Turubri-g(ensis), auch noch mehr abgekürzt: Turib.und bloß T. geschrieben, ist der inschriftlicheBeiname einer örtlichen Schutzgöttin in Lusi-tanien (entsprechend den im hispanisch-aqui-tanischen Nachbargebiet als Tutela bezeich-neten örtlichen Schutzgeistern), und zwar derGöttin der durch Inschriften (CIL 2, 964, auchwohl Fph. epigr. 9 p. 103 nr. 273, unwahrschein-lich CIL 2, 5033), außerdem aber nur durchPlin. not. hist. 3, 14 bezeugten Stadt Turobriga