1307 Tuthel
heit ergibt sich aus den mannigfaltigen An-lässen, aus denen man sich nach dem Zeugnisseder Inschriften mit Gelöbnissen und Darbrin-gungen an sie wandte, z. B. ob honorem sevi-ratus sui ( CIL 2, 4056 = Dessau 3730), ob le-gationes in concilio p(rovinciae) H(ispaniae)c(iterioris) aput An[toniJnum Aug(ustum) pro-spere gestas (CIL 2,4055 — - Dessau 3729 = 6925),quod aedificium duarum officinarum salvos recteperegit et aedem ( Dessau 9255), pro saluteFusci fili sui ( Gagnat-Besnier , L’annee epigr.1908 nr. 5) u. a. Die wiederholt vorkommendeWeihung Deo Tutelae ( CIL 2, 3021. 3377. 4092[--.■Dessau 5276J. 13,246) möchte Toutain, Lescultes paiens dans l’empire Bomain 1, 8.443, 5nicht mit Hübner (zu CIL 2, 3021) und Wissowa(Bclig. u. Kultus d. Böml S. 178) von deus tu-telae, sondern von deus Tutela herleiten; aberwenn man das allenfalls im Hinblicke auf dieWeihungen deae Tutdae ( CIL 13, 159. 439)für möglich (nicht für wahrscheinlich) haltenkönnte, so verbietet sich für CIL 2, 2991 =Dessau 3667 Genio tutelae horreorum die An-setzung des Nominativs Genius Tutela schonmit Rücksicht auf Ammian . Marc. 21, 14,2genius quidam tutelae salutis appositus, undebensowenig wird man an einen Panlheus Tu-tela (CIL 2, 4055 Dessau 3729 = 6925) glau-ben wollen. Sonstige Denkmäler der Tutelaaus diesen Provinzen mit bedeutungslosen In-schriften: CIL 2,2538. 3031. 3226. 5618. 5816.6076 13,57. 328. 411. 686. 917. 955. Es istkein Zufall, daß auf der römischen ReichsmünzeTutela zuerst unter dem älteren Tetricus er-scheint (Cohen, Med. imperl 6, 110 nr. 176TVTELA, stehende Frau mit Opferschale undLanze), der als Statthalter von Aquitanien inBurdigala zum Kaiser ausgerufen wurde; nach-her findet sich ihr Bild nur noch einmal aufMünzen des Carausius ( Cohen a. a. 0. 7, 36nr. 353—363), als stehende Göttin mit den At-tributen des Genius, Füllhorn und Opferschale.Wenn J. de Witte ( Gazette archeol. 6 [1879J, S. 4)und E. de Chanot (ebd. S. 211 f.) verschiedeneDarstellungen einer mit der Mauerkrone ge-schmückten Göttin (a. a. 0. pl. 2 und 29) alsdie Tutela Roms haben deuten wollen, so hatsich der erstere den Weg zu dieser Erklärungdurch ein drolliges Mißverständnis der obenangeführten Hieronymusstelle geschaffen, ausder er eine Verehrung der Roma als Tutelaauf den Inseln (!) und in den Provinzen desReiches herausliest. Der Aufsatz von Ch. Bo-bert, Le culte de Tutela, Mem. de la societearcheol. de Bordeaux 4,1—8 war mir unzugäng-lich. Im allgemeinen vgl. H. L. Axteil, Dei-fication of abstract ideas in Boman literatureand inscriptions (Chicago 1907) S. 40 ff.
[Wissowa.]
Tuthel ( Tov&rii.) , Name eines schützendenEngels der Rinder und Schafe in einem grie-chischen Gebet bei F. Pradel, Griechische u.südital. Gebete {Bel. Vers. u. Vorarb. 4, 2) 18, 4u. 57. Pradel denkt an Zusammenhang mittutela oder Tutela, erinnert aber auch an dashebr. iSTT, Tuthi El. [Preisendanz.]
Tutilina s. Indigitamenta.
Tutimar (Tovriy.de), einer der Namen, bei
Tvami 1308
denen der Stern der Aphrodite beschworenwird (ΗρέτΙ, Λαβάμ , Σνάρ, Σατηρ, Tovtä, T.,Ριβφοδώμ, Σιρώφ, Καχέμ, Σετιάπ). Hygrom.Salom. cmgr 70, Cat. cod. astr. gr 8,2, 156.
Tlltiiius s Tutunus. [ Preisendanz.]
Tutor, Beiname des Iuppiter in der bei Ostia gefundenen Weihinschrift CIL 14, 25 = Dessau ,Inscr. Lat. sei. 3026 und des I(uppiter) 0(pti-mus) M(aximus) in einer unweit Nieaea inBithynia gefundenen Inschrift mit griechischerÜbersetzung φροντ[ιβτής], Dessau 9238 (Bd. 3,S. CII). — Herculi tutori domus Novellianalautet die Inschrift von Capua CIL 10, 3799= Dessau 3443 (mit auf Hercules bezüglichemBildwerk). — Als tutor Bacchi wird Silenusbezeichnet von Petronius 133 und als tutorfinium Silvanus von Horat. epod. 2, 22 (s. Carterim Supplement zu diesem Lexikon S. 92). — ZuCIL 10,3799 s. B. Peter o. Bd. 1,2, Sp. 2958.
I Keune.]
Tutunia lesen etliche Autoren als Zunameneiner etruskischen Göttin, andere lesen putu-nia. Ich habe es unter dieser Lesung be-handelt und verweise auf den Artikel.
[C. Pauli.]
Tutiiniis. Das antike Material über MutunusTutunus oben Bd. 2, 8p. 204 tf. (Peter). 2ur Ety-mologie s. noch Marx zu Lucil. 78; Walde,Etym . Wörterb.' 506; Bücheier, Arch. L. L. 2,118; Sonny ebd. 10,382 f.; Wissowa, Bel. 1 243,7.In beiden Namen steckt das membrum virile(mutto, titus), aber in beiden auch das γυναι-χιίον αΐδοΐον, vgl. Hesych μνττόρ' το γνναιχεΐο v,Photios τιτίς = γνν. αίδ. ... χοΛ ή χέρχος. So-nach kann man mit Wissou-a a. a. O. und Ges.Abhdl. 325 in Μ. T. einen Doppelnamen finden,der den Begriff einer über den Geschlechts-beziehungen waltenden Gottheit in polarer unddarum erschöpfender Fassung zum Ausdruckbringt. Die Funktion eines Hochzeit sgottes istalso durch den Namen ebe.nso wie durch dieBräuche ( Peter a. a. O.) amgezeiglt, s. auchUsener, Göttern. 327; Otto, Λ reh.L. L. 15, 188;Wissoiva 169, 6; 243. Zu dem Bräuchen Nihson,Griech. Feste 366 f.; Fehrle, MGVV 6,42; Ada-mantios Λαογραφία 3, 105. Wenn in dem beiFestus p. 143 Linds. (oben Bd. 2, Sp. 206) be-zeugten Ritus Usener 327 die togae praetextataeals Männerkleider versteht und Nilsson 372dazu auf den in Hochzeitsbräuchen häufigenKleidertausch verweist, so liegt da ein Irrtumvor. Gemeint ist die toga praetexta als Trachtder Mädchen bis zur Hochzeit ( Blümner, Böm.Privataltert. 3501; in ihr also brachten, vor derHochzeit, die Mädchen das Opfer an Μ. T. dar,s. Wissoiva 243,4; Samter, Geburt, Hochzeit,Tod 92, 3. Wie schon Frühere (Literatur obenBd. 2, Sp. 205) setzt Usener, KL Sehr. 4, 16A. 29, Göttern, a. a. O. Tutanus mit Tutunusgleich, wegen der schützenden Kraft des fasci-num. Doch wird man Μ. T. und Tutanus Re-diculus lieber trennen, s. oben Bd. 2, Sp. 218;227 (Peter) und Wissowa 55. [Weinreich.]
Tvami (tvami) oder nach seiner Schreibungtfami, las Gerhard die Beischrift zu der Personeines göttlichen Jünglings auf einem Bronze-spiegel. Näheres darüber s. unter tinthm.
[C. Pauli.]
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