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τύχη κατορ&οί. Vgl. Aves 544. Daraus ergibtsich dann freilich eine Verschwommenheit derVorstellungen von der Weltleitung. Man kanndas ebenso bei den Rednern beobachten. Merk-würdig klingt frg. 974 των άγαν γάρ απτεται&εός, τα μικρά δ’είς τύχην άφείς ία. Es scheintfast ein Versuch, das Verhältnis beider Mächtezueinander zu regeln. Wenn diese τύχη nochnicht Gottheit ist, so konnte nach Meuss (13)der Grund dafür der sein, daß sich auf eine junpersönliche Macht alles, was von Willkürund Unbeständigkeit in der das Weltenschick-sal bewegenden Gewalt zu erkennen war, vielleichter zurückführen ließ als auf eine Gott-heit, indem man es so vermied, mit dem nochherrschenden geläuterten Gottesbegriff in Kon-flikt zu kommen, τύχη im Sinne von 'Glück’scheint nur an der einen Stelle Phoen. 897gebraucht zu sein. Hee. 785 sagt der Bote:φεν, φεν' τις οντω δνβτνχής ΐ'φν γυνή, worauf :Hekabe erwidert: ονκ ϊατιν, εί μη την τύχηναντήν λίγοις. Das erklärt Meuss (14) 'wie dasvorliegende, also mein Schicksal selbst’ undmeint, wir begegneten hier zum erstenmaleiner eigentümlichen Objektivierung des Ge-schicks eines Individuums, für die sonst derAusdruck δαίμων gebraucht wird, einer keim-artig vorhandenen Personaltyche, die dembekannten Personaldämon entspricht (E. Rohde ,Psyche 2 2, 316 Anm. 1). Bei den jüngerenRednern begegnen wir dieser Erscheinungöfters, und die nachher bei Aischines zu be-handelnde Stelle 3, 157 darf vielleicht zur Er-läuterung von Iph. A. 1136 herangezogen wer-den: ω πότνια μοίρα καί τύχη δαίμων τ’ίμός.Die Anschauungen, die uns bis jetzt bekanntgeworden sind, werden ergänzt durch einigeFragmente. Die allumfassende Macht derτύχη schildern Chaer. frg. 19 άπαντα νικά καίμεταατρέφει τύχη · frg. adesp. 506 πάντων τύ-ραννος η τύχη έατί των &εών, \ τά δ’αλλ’ ονό-ματα ταντα πρόβκειται μύτην \ μόνη διοικείγονν απαν&’ fj βονλεύεται. frg. adesp. 505 η τά&νητών καί τά &εΐα πάντ ίπιβκοπονβ’ fasi/καί νέμονβ’ ήμ&ν εκάβτφ την κατ’ αξίαν τύχη \[/τίριία]. Da ist sie nicht nur an Stelle derGötter als Weltherrscherin bezeichnet, sondernsogar als Herrin über die Götter selbst ge-stellt wie die alte Moira. Bemerkenswert ist,daß sie ihre Gaben nach Verdienst austeilt.frg. 169 bietet Schwierigkeiten ( Meuss 15). Dievon Chaer. frg. 2 geäußerte Ansicht τύχη τά9νητων πράγματ’, ονκ ενβονλία kehrt auchζ. Β. bei den Rednern wieder: Demosth. 2, 22.Ähnliche Stellen aus römischen Schriftstellernbei Nauck 2 a. a. 0. Für die alles umkeh-rende Laune der τύχη frg. adesp. 102: τομε'λίον ονδεις άβφαλώς ίπίβταται \ η γάρ τύχηβραχεΐαν έάν λάβη ροπήν, \ καί τους ταπει-νούς f/y, | καί τούς άφ’ νψονς εις ξόφον κατ-ήγαγεν. Derselbe Gedanke frg. adesp. 547, 13und frg. adesp. 179.
Die Unsicherheit des von der τύχη ver-liehenen Besitzes betont noch Moschion frg. 9.
In der Untersuchung von Meuss ist das Er-gebnis wichtig (S. 16), daß an der überwiegen-den Mehrzahl der Tragikerstellen (etwa neunZehnteln) die vox media 'Geschick’ vorliegt,
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während wir oben z. B. bei Pindar angemerkthatten, daß dort die Bedeutung 'Glück’ dievorherrschende war, und daß ferner eine sichereErwähnung der Glücksgöttin auf die wenigenStellen bei Aischylos und Sophokles beschränktbleibt. Dafür ist Euripides der Vertreter einerwichtigen Übergangsperiode, indem er zeigt,wie man neben oder auch über die Göttereine neue Macht setzt, Tyche. Sie ist zunächstkeine Gottheit, 'eine bloße Potenz, auf dieman alles Geschehen zurückführt, überall wir-kend, aber in diesen Wirkungen nie nachirgendwelchen sittlichen oder intellektuellenGesetzen zu berechnen, kaum etwas anderesals der blinde Zufall’ ( Meuss 17).
So ist sich Thukydides der Abhängigkeitdes Menschen von äußeren Umständen, die nichtin seiner Gewalt stehen, wohl bewußt. Diesittlichen und geistigen Kräfte bestimmen zwarin erster Linie die Geschicke des eignen Le-bens wie der Staaten ( Classen , Einltgf' 60 ff.),aber sie sind nicht immer imstande, das Zu-sammentreffen ungünstiger Zufälle auszuglei-chen. Da weist denn Th. auf die τύχη hin(Stellen bei Classen a. a. O. 68 f.). Sie ist auchihm kein irgendwie faßbares Wesen göttlicherArt, sondern nur das, was unerwartet, unbe-rechnet eintritt, 'ein mächtiges freilich, aberkeine Macht’ (H. Meuss, Th. und die religiöseAufklärung, Jahrb. f. kl. Phil 145 [1892] 232).Thuc. 1, 140, 1: ίνδέχεται γάρ τάς ξνμφοράςτων πραγμάτων ονχ ήοσον αμα&ώς χωρήοαι ήκαί τάς διανοίας τον άν&ρώπον διόπερ καίτην τύχην οαα αν παρά λόγον ξυμβήεΐώ&αμεν αίτιαα&αι. Insofern kann manauch nicht mit Classen a. a. 0. von einer nacheiner höheren Ordnung waltenden Macht reden[E. Rohde, Roman * 277 Anm. 2). Wie sehrman der τύχη Rechnung tragen muß, indemman nicht nach eignem Belieben den Lauf derEreignisse bestimmen kann: 5, 78, 2; vor einerUnternehmung soll man alle nach menschlicherVoraussicht nötigen Vorbereitungen treffen undnichts der τύχη anheim stellen: 6, 23, 3 (Nikias .vor der sizil. Expedition), vgl. 5, 16, 1. Durchdie τύχη wird im Kampf um Pylos ein völliger ·Umschwung der Verhältnisse herbeigeführt: 4, j12, 3. Für eine Art der späteren Personal- jtyche s. Classen zu 7, 68. Eine andere Be- !deutung hat die Erwähnung der τύχη in den jVerhandlungen der Athener und Melier, wenn ;diese 5, 104, 1 sagen όμως δε πιβτεύομεν τ f ■μίν τύχη ίκ τον &είον μη έλαΰοώΰεα&αι, ότι-όβιοι προς ον δικαίονς ίβτάμε&α und 5, 112, 2τήδε μέχρι τονδε βωξούβη τύχη ίκ τον &ειοναύτήν (nämlich την πόλιν) πιατεύοντες πειρα-βόμε&α βφξεβ&αι. Im Munde. der gläubigenMelier, die man hier beim Überwiegen derStellen mit anderer Auffassung der τύχη wohli nicht mit Allegre 66 als Repräsentanten derAnsicht des Thukydides, sondern als Vertreterfrommer Volkskreise ansehen muß, erscheintdemnach die τύχη als ein Ausfluß der gött-lichen Vorsehung, die der gerechten Sache zumSieg verhelfen wird
Außer der Angabe Harpokrations, daß einTempel der Άγα&ή Τύχη in Lykurgs Redeπερί διοικήβεως erwähnt war (s. v. άγα&ής