1317 Tyche
τύχης νεώς' τούτον μνημονεύει Λ. ίν τώ ττεπ'ιδ. και ετεροι) , haben wir bei den Rednern nir-gends einen Hinweis auf einen Kult der T.,wohl aber zahlreiche Äußerungen über dasWalten der τύχη genannten Schicksalsmacht.Vgl. H. Meuss, Die Vorstellungen von Gottheitund Schicksal hei den att. Rednern. Jahrb. f.kl. Phil. 139 (1889) 468ff. Er zeigt, wie derGlaube an die waltende Macht τύχη in der2. Hälfte des 4. Jahrhunderts recht lebendigwird, wofür Ijysias, besonders aber die letztenRedner Aischines, Demosthenes und Deinarchos reiches Material bieten. Die τύχη steht an derSeite der Götter (δαίμων, für diese Bedeu-tung bei den Rednern Aristot. Rhetor. 1398 a 15.Vgl. Meuss a a. 0. 470; Chr. Nägehbach, Nach-homerische Theologie 153; Leop. Schmidt, Ethikder a. Gr. 1, 54: 'bewußte Leitung der mensch-lichen Erlebnisse’ wird durch diese Zusammen-stellung ausgedrückt. Hierher gehören auchStellen wie Aristoph. Aves 544; Diagoras frg.' 1Bergk 4 : κατά δαίμονα καί τύχαν τά πάντα βρο-τοίαιν (κτεΧείται). So heißt es bei Lysias 13, 63von der Rettung Unschuldiger: ή δε τύχη καί6 δαίμων περιεποίηαε, bei Aischin. 3, 13 be-wirken diese beiden Gewalten die BestrafungGottloser. Demosth. 4, 45 verbindet το των&εών εύμενες καί το τής τύχης (ήμΐν ανταγωνί-ζεται) und stellt 14, 36 τύχη καί δα,μόνιον demPersorkönig als feindlich hin. Nach Lysias 12,80 übergibt sie die Schuldigen den Richternzur Bestrafung (.. . τής τύχης, ή τούτονς παρ-έδωκε τή πόΧει . . .); ähnliches Wirken derάγα&ή τύχη bei Deinarchos 1 , 29, wo sie deneinen Frevler verbannt, den anderen zur Hin-richtung ausliefert. Wenn Demosth. 4, 12 vonder τύχη behauptet, daß sie immer besser fürdie Stadt sorge wie die Athener selbst (vgl.Aristoph. Nub. 587, Eccl. 474), und 1, 10 beider Wiederkehr eines ähnlichen Gedankensstatt der τύχη die Götter nennt, so ersieht mandaraus, wie wenig Unterschied zwischen ihrund jenen im Bewußtsein gemacht wird. Diebesten Absichten und sorgfältigsten Vorberei-tungen können durch die Macht der τύχη ver-eitelt werden Demosth. 18, 303. In derselbenRede 306: man soll την τύχην κακίζειν τηνοντω τά πράγματα κρίναβαν. Sie wird gerade-zu Herrin genannt Aischin 2, 118: ή μίν τύχηκαί Φ. ηααν των έργων κύριοι. (Hier ist sieübrigens wie Isokr. 20, 8 mit Menschen zu-sammenwirkend gedacht.) Demosth. 18, 94:ούτε τής τύχης κύριος ήν, αΧΧ’ (κείνη των πάν-των, 8, 69: τύχη κυρία. Ihr Werk — nichtdas der Götter, wie man dort erwarten sollte— ist der Untergang der Phoker: Aischin. 2,131. Wohltätig waltet sie bei Lysias 18, 22.Demosth. 19, 55 heißt es sogar των παρά τήςτύχης εύεργεΰιών; άγα&ή wird sie Dein. 1 , 29und 98 genannt, weil sie die Missetäter derStrafe überliefert. Daß man der τύχη darumDank spendet, wie sonst nur den Göttern, istdann eine natürliche Folge: Demosth. 1 , 11 . . .μεγάΧην έχει τή τύχη χάριν. Von solchen An-schauungen bis zur völligen Personifizierungwar nur noch ein kleiner Schritt. Auch dasMerkmal des Unberechenbaren haftet derτύχη der Redner an. Man vergleiche noch
Tyche 1318
Demosth. 8, 69, 18, 300; Deinarchos 1, 32: οντωκατέατρεψεν ή τύχη ταντα. ωατ έναντία γενέ-α&αι τοίς προαδοκωμένοις. Bei Demosth. 18,207wird ήμαρτηκέναι entgegengesetzt τή τής τύχηςαγνωμοσύνη τά συμβάντα πα&εϊν. Pseudodem.ep. 2, 5 αγνώμονος τύχης ονχ ως δίκαιον ην,άΧΧ’ ώς (βούΧετο, κρινάαης. Von der Wahldurchs Los sagt Demosth. 21, 14 το ουμβάναπ'ο τής τύχης, Dein. 3, 16 ... ή τύχη καί δκΧήρος . . . (πέτρειρεν. — Von den weiterent-wickelten Vorstellungen interessiert uns end-lich noch die τύχη (und der δαίμων) einzelnerPersonen und des ganzen Staates bei denRednern. Aischin. 3. 157 mahnt, τον δαίμονακαί την τύχην την παρακοΧονϋΌϋσαν τώ αν-ίΧρώπω φυΧάξασ&αι. Demosth. 18, 256 f. ver-gleicht seine τύχη mit der des Aischinesund 258 heißt es dann: εγώ μεν δή τοιαύτησυμβεβίωκα τύχη. 266 . . . άγα&ή γ’, ονχ όράς-,τύχη σνμβεβιωκώς τής (μής ώς φαύΧης κατηγο-ρείς. An anderen Stellen mahnt Meuss a. a. O.474 zur Vorsicht. Zugrunde liegt die Bedeu-tung 'Lage’, auf die Dauer des ganzen Lebensausgedehnt. Wenn man weiter an einer Stellewie Demosth. 18,254(vgl. 271)liest: rö μεν τοίνυνπροεΧέσ&αι τά κάΧΧιστα καί το των οιη&έντων'Ελ-Χήνων, εί πρόοιντο ημάς, ίν ευδαιμονία διάξειν.τούτων αυτών αμεινον πράττειν τής άγα&ήςτύχης τής πόΧεως είναι τί&ημι (kurz nach-her . . . τής των άΧΧων ανθρώπων τύχης . . .),so wird man unwillkürlich an die Τύχη πόΧεωςerinnert. — Hier sei eingeschaltet, daß dasWort τύχη, das uns verschiedentlich in demSinn einer gerecht waltenden Vorsehung ent-gegengetreten war, auch bei anderen Schrift-stellern der göttlichen Vorsehung bisweilen sowenig entgegengesetzt ist, daß es geradezunumen bedeutet: Pind. Nem. 6, 24 ϋ-εοϋ τύχα,Pseudodem. ίρωτ. 14, 32; Pausanias , der dieTyche die größte Göttin ίν τοίς άν&ρωπίνοιςπράγμααι nennt (4, 30, 5), gebraucht auch (v.τον Όεο®, ίκ των &εών τύχαι 4, 7. 12; s.Nägelsbach Ν. Th. 154; Gruppe, Gr. R.-G. u.M. 1498 Anm. 7, Leop. Schmidt, Ethik 1, 55.Hierher gehört μεγάΧη ή τύχη των &εων Σω-τήρων (Askl. u. Hyg.) und μεγάΧη ή τύχη τήςΝεμέαεως Le Blant, Mem. de l’Acad. des inscr.et de b. I. 36, 80 nr. 209 u. 210. Das beiWelcher, Gr. Götterlehre 2, 806 aus Ionic. antiqu.1, 27 angeführte άγα&ή τύχη ΆπόΧΧωνος Αιδν-μίως läßt sich ebenso erklären.
Bei Sophokles und besonders Euripides warbereits von τύχη als dem Zufall die Rede.Die hierfür in Betracht kommenden Stellen ausden Frgm. d. Vorsokr. zusammengestellt imIndex des Dielsscheu Werkes, 2. Aufl. Bemer-kenswert z. B. Empedokles 1 p. 202 nr. 103:τήιδε μεν ovv ίότητι Τύχης πεφρόνηκεν άπαντα ;Demokrites 1 ρ. 407 nr. 118 Ζ. 14 nach Dio-nysios: πάντα γενέα&αι κατ’ αυτήν (την τ.),andrerseits τ. αβέβαιος ρ. 417 nr. 176 und βαιάφρονήσει τ. μάχεται: ρ. 407 nr. 119. Nun hatteGrieche für den Zufall noch das besondere derWort αυτόματον (nach Plut. Tim. 36 errichteteTimoleon in seinem Hause der Automatia einHeiligtum). Das Verhältnis dieses αντ. zu τ.wird zuerst von Aristoteles in den Kapp. 4—6des 2. Buches der Physik ausführlich untersucht.
io
20
30
40
50
60