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Unterwelt
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sammenhängen, ist z. T. noch vollkommen un-klar, obgleich die sachliche Übereinstimmungziemlich groß ist. [Am sichersten läßt sich bisjetzt der Zusammenhang der antiken Traditionmit dem assyrischen Epos bei den späterenFassungen des Alexanderromans dartun. AufEinzelheiten hat u. a. Greßmann a. a. 0. hin-gewiesen. Außer den bekannten Fassungen desPs.-Kall. ist dabei auch auf abgelegenere Stückezu achten, wie etwa das im Münch. Mas. f iPhilol. des M.-A.'s 1 (1912), 263 !f. publizierte la-teinische Stück, mit dem die Reise in der Ma-karioslegende große Ähnlichkeit hat; vgl. Theol.Lit.-Xtg. 1912, 572f.; s. auch/. Friedländer, DieChadhirlegende und der Alexanlerroman 1913;Pfister, Perl. phil. Wschr. .1913, 912 tf.; Rhein .Mus. 66 (1911), 458 ff — Über andere orienta-lische Hadesfahrten und U.-Vorstellungen s.jetzt auch Greßmann, Vom reichen Mann undarmen Lazarus, Abh. der P.A. W. 1918, 7; über 2die hinduistischen Vorstellungen F. Abegg , DerPretakalpa des Garuda-Puränn 1921 mit inter-essanter Textpublikation; dazu W. Kirfel, DieKosmographie der Inder 1920, wo sich vieleParallelen zu den im folgenden besprochenenantiken Vorstellungen finden.]
5. Gleich dem assyrischen Heldenlied be-dient sich das griechische der Hadesfahrt, teilsum die Teilnahme für den Mann, der das furcht-bare Wagnis unternommen hat, zu steigern und sden Hörer zu erschüttern, teils auch, weil dieSchilderung Gelegenheit bot, von den Heldenvergangener Zeiten zu erzählen und Zukünf-tiges weissagen zu lassen. Andere griechischeDichter berichten freilich in ganz anderer Ab-sicht von einem Abstieg in die Unterwelt.Die religiös-philosophische Spekulation hatihre Lehren von dem S ;hicksal der Seelenach dem Tode Jahrhunderte lang durch einenerfundenen Abstieg in die U. zu beglau- 4bigen versucht; die Unterhaltungsliteratur, dieKomödie und die Parodie haben in gleicherWeise sich des wirksamen Mittels in ausführ-lichsten Dichtungen und noch häufiger in kur-zen Andeutungen zunutze gemacht. Alle dieseWerke aufzuzählen kann an dieser Stelle nichtversucht werden; selbst die umfangreiche Un-tersuchung von Ettig, Acheruntica, Leipz. Stud.13. 2. 1891 muß sich an vielen Stellen mit An-deutungen begnügen. [Dazu jetzt auch Gan- 5ischinietz a. a. 0.] Aber mehrere für die Ge-schichte derHadesvorstelluugenwichtige Punktewerden am deutlichsten hervortreten, wenn sieim Anschluß an bestimmte Schriftdenkmälerzur Sprache kommen. Es gilt vor allem, dieVoraussetzungen, Bedingungen und Ziele derWerke darzuiegen, in denen die Hadesvorstel-lungen entstanden sind; aber diese Werke sindmeist nicht die, welche jetzt vorliegen. Diesehaben vielmehr gewöhnlich schon eine lange 6iÜberlieferung vor sich.
6. Die älteste uns erreichbare Hadesfahrtwar die in dem Liede von den zwölf oder zehnKämpfen des Herakles, das in der Blütezeitder argivischen Kultur gedichtet ist. Soweitsich der Verlauf dieses Teils der Dichtung ausden dürftigen Resten wiederherstellen läßt(vgl. Paulg-Kroll 3 Suppl. 1077f.), war erzählt.
daß Herakles, nachdem er die Äpfel der Hespe-riden geholt hatte (ebd. 1027, 35 ff.), schließlichden Auftrag erhielt, den Höllenhund auf dieOberwelt zu schaffen. [S. jetzt auch P. Schweit-zer, Herakles 1922, 135 tf. mit z. T. unsicherenVermutungen.] Wie weit der Hades selbst ge-schildert war, läßt sich weder aus den ältestenliterarischen Zeugnissen noch aus den archai-schen Kunstdenkinälern ersehen; die Gesprächemit den Heroen, von denen namentlich dasmit Meleagros berühmt war, und die Befreiungdes Theseus sind nachträglich hinzugefügt.Den Eintritt in den Hades_ verschafften demHelden wahrscheinlich die Äpfel der Hesperi-den, den Kerberos band er mit eigener Kraft,nicht, wie es die Vasenbilder darstellen, unterdem Schutze der Athene und des Hermes. DerAufstieg erfolgte, wie es scheint, in Troizen,wo Eurystheus herrschte, und dieser wurde
o schließlich durch den Hund zerrissen ( Paulg -Kroll 1028, 8 ff.).
7. Daß in den Nostoi die Unterwelt ein-gehend geschildert war, ergibt sich aus Paus.10, 28, 7; nach Dümmler, Kl. Sehr. 2, 388 ff. warhier aber nicht die Hadesfahrt eines Lebenden,sondern die Ankunft des ermordeten Agamem-non in der Unterwelt geschildert. Allein derVergleich mit der kleinen Nekyia der Odgssee(ml ff.), die nach Dümmler von den Nosten
o 'stark beeinflußt’ ist, trifft nicht zu; denn esist unwahrscheinlich, daß sich eine ausführ-liche Beschreibung des Hades an die Ankunfteines Toten daselbst schloß. Es ist daher auchfür die Nosten der Abstieg eines Lebenden an-zunehmen, von dem allerdings der Auszug desProklos nichts meldet; deshalb kann auch nichtfestgestellt werden, welcher der Helden hin-untergeführt wurde. Welcher, Ep. Cycl. 1 , 281(anders 2, 297) und Sliehlke, Philol. 8(1853), 69
» dachten an Neoptolemos, Kirchhoff, Odyssl 354an Odysseus ; mir scheint wegen der Bedeutungder Atreiden in den Nostoi erwägenswert, obOrestes vor dem Muttermord den Geist desVaters befragte. [Nach Kern,N.Jbb. 26,1(1923),64 schlossen die Nosten mit der Entrückungdes Menelaos in die olysischen Gefilde.]
8. Die große Nekyia der Odyssee (l) ist nichtein der Dichtung ursprünglich fremdes Stück;sie entspricht vielmehr so vollkommen den
) künstlerischen Absichten des Dichters, der dieihm vorliegenden Sagen von Odysseus ver-einigt, ausgeglichen und zu einem Epos geformthat, daß ihr Fehlen die Vermutung einer Lückein der Dichtung aufdrängen würde. Es sollenin Begebenheiten, die sich über wenige Tageerstrecken, das ganze Leben, das ganze Wesendes Helden dargestellt werden. Wenn die Ju-gend und die Kämpfe vor Troia durch gelegent-liche Episoden angedeutet werden und der Be-
) rieht dos Odysseus bei den Phaiaken ausführ-liche Kunde von den Irrfahrten gibt, so ver-langt der Hörer auch Aufschluß über das weitereSchicksal des Helden. Diesen hätte freilich auchKirke geben können, die p 38 die Heimfahrtbeschreibt, aber erstens gehörte ein Abstiegdes Helden in den Hades wahrscheinlich schondamals zu den beliebten Kunstmitteln des Epos,sodann gestaltete es die Darstellung mannig-