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Sechster Band. U - Z und Nachträge.
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Unterwelt

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faltiger, wenn der Dichter die Wegbeschrei-bnng und die Schicksalsverkündigung zwischenKirke und Teiresias teilte, wie er aus demselbenGrunde den Schluß der Irrfahrt von dem Apo-logos gesondert und in der dritten Person er-zählt hat; drittens fand der Dichter wahrschein-lich unter den vielen ihm vorliegenden Gedich-ten über seine Helden auch eines vor, das ihnzu Teiresias in Beziehung setzte. Bedenklichscheint dabei freilich * 639f., wo-Kirke dem 1Odysseus verheißt, Teiresias werde ihm «äovaal μίτρα hsXsv&ov νόστον ts verkünden, wäh-rend nicht der Seher, sondern Kirke selbstspäter diese Auskunft erteilt. Der Anstoß ließesich verhältnismäßig leicht durch eine Ände-rung des Textes beseitigen; aber wahrschein-lich liegt hier einer der vielen Fälle vor, welchedie irrige Vermutung von einer mosaikartigenZusammensetzung oder von Eindichtungen beiden homm'schen Epen hervorgerufen haben: swie alle großen Dichter setzen auch die derIlias und der Odyssee bei ihren Hörern einungewöhnliches künstlerisches Verständnis vor-,aus und lassen daher Begründungen aus, dieder heutige künstlerisch weniger gebildete oderweüigsteus an stärkeres Aufträgen der seeli-schen Begründung gewöhnte Leser nicht gleichversteht und die ihm, wenn sie ihm einfullen,leicht als gekünstelt erscheinen können. Kirke kann freilich dem Odysseus den Weg sagen, :aber dann hat sie ihn verloren; darum ver-heimlicht sie zunächst ihre Kenntnis und echicktihn zu Teiresias , in der stillen Hoffnung, ent-weder werde Odysseus durch den Auftrag, inden Hades hinabzusteigen, überhaupt von sei-nem Vorhaben, abzufahren, ahgeschreckt wer-den, oder Teiresias werde das ihm im Fall derRückfahrt drohende Schicksal so furchtbarschildern, daß er es vorziehen werde, zu ihrzurückzukehren. Aber so eng demnach dieHadesfahrt der Odyssee mit den Hauptzügender Dichtung verknüpft ist, so liegt doch der Ver-mutung, daß sie ganz oder wenigstens z. T.nachträglich eingeschoben sei, insofern einrichtiger Gedanke zugrunde, als in ihr Vorstel-lungen benutzt sind, die ganz anderen Gedan-kenkreisen entstammen müssen als der übrigeSagenstott des Epos. Der Dichter verstandzwar vielleicht noch den seinem Verzeichnisder Büßer (X 676 ft'.) zugrunde liegenden zurMystik des 6. Jahrh. führenden Gedanken, daßalles Begehren und alles Streben nicht zur Be-friedigung, sondern nur zu immer neuem Ver-langen und Hingen führen müsse (s. u. 64);er mag auch, um das Bild deutlicher zu machen,einzelne Züge hinzugefügt haben; aber dasGanze ist nicht seine Erfindung. Er beherrschtden ganzen geistigen Schatz seiner Zeit, ihnzu mehren und die Hörer an ihn zu erinnernbetrachtet er als eine dankbare Aufgabe, durchdie sein eigenes Werk neuen Glanz erhält.Wie er Agamemnon (405ff.) im Anschluß andie Nosten von seinem Schicksal, Odysseus demAchilleus von dessen Sohn (608ff.) nach derMeineii Ilias erzählen läßt, wie er nach frühe-ren Dichtungen den Frauenkatalog schafft, soentlehnt er zu sinnvoller Unterbrechung seinerErzählung einem älteren Werk den Gedanken,

daß der Mensch nach dem Tode offenbar dasleide, was er insgeheim schon lebend tragenmußte, worin doch fast schon der weitere liegt,daß das Leben ein geheimer Tod sei. Daßdieser Gedanke mit den sonst in der Nekyiavorgetragenen Voraussetzungen streitet, ist demDichter so wenig als ein Anstoß erschienenwie seinen Hörern, denen die Erinnerung aneine beliebte und eindrucksvolle Dichtung undvielleicht deren Fortführung Genuß bereitete. Eine bestimmte Stelle für den Abstieg sei-nes Helden hat der Dichter wahrscheinlichnicht im Auge gehabt. Einzelheiten erinnernan die südrussische Steppe, die, wie v. Wüa-moicitz, II. u. Horn. 494 hervorhebt, für denhellenischen Schiffer jenseits des großen Was-sers lag. Allein die Vorstellung, daß der Zu-gang zur U. durch ein Meer oder den Welten-strom von den Lebenden getrennt sei, war seituralter Zeit gegeben, und die oberflächlichenÄhnlichkeiten der Beschreibung sind kaumanderB zu beurteilen als die Anklänge an An-stalten zur Befragung von Toten, wie sie auchuoch Zeitgenossen des Dichters aufsuchten.An irgend etwas Tatsächliches muß auch diefreieste Einbildung anknüpfen. [S. jetzt auchden Aufsatz von Ganschinielz in den CharistrriaCasimiro de Morauslci oblata 1922, 31 ff., denich nur aus dem Referat von Klotz, PMl.Wschr.1923, 1033f. kenne, und Lehmann-Haupt beiVauly-Wissowa 11, 426ff.]

9. Die Hadesfahrt des Theseus scheintebenso wie die des Odysseus an eine in Le-genden gegebene Verbindung des Helden miteinem Unterweltseingang anzuknüpfen ( Gruppe,Gr. JUyth. u. Keliyiimsgesch. 684 ff.); vielleichtwar er ein alter liachedämon wie die Amazo-nen und Peirithoos 'der Überschnelle, mitdenen er jedenfalls früh verbunden worden ist.i Seine Aufgabe wird darin bestanden haben,den verurteilten Frevler vom Felsen (anvgog,asigos) des Gerichtes ('1 hemiskyra) zu stoßen,wie es die Skironsage vermuten läßt; wurdedagegen der Angeklagte vom Morde freigespro-chen und nur wegen Tötung verurteilt, zeit-weilig als 'Wolf in der Verbannung zu leben,so scheint nach einer eigentümlichen Rechts-symbolik der bei der Verhandlung anwesendgedachte Raehegeist ausgewiesen oder in diei Tiefe zurückgestoßen worden zu sein, worausdie Sagen von Lykos ( Tzetz. Lykophr. 373) undLykomedes (o. Bd. 2, Sp. 2179, 3ff.) geschöpftwurden. Denn drunten unter der Erde odernach der Legende solcher Gerichtsstätten, beidenen die Verurteilten ins Meer gestürzt wur-den, unter diesem dachte man sich den Wohn-sitz des Dämons, der deshalb auch geradezuUnterweltsgott werden und z. B. als Gatte oderLiebhaber, ursprünglich aber wahrscheinlich) als Entführer der lichten Aigle, Phaidra, Ariadne und Helena gelten konnte. Die zuletzt genannteLegende hat im 7. Jahrh. ein argiviBcher Dich-ter benutzt, um den Sieg seines Fürsten überAthen in der Sage widerzuspiegeln. Nachseiner Dichtung, die zugleich altargolischeÜberlieferungen verwertet, ziehen die Dioskurengegen Athen, das von Theseus , dem Räuberihrer Schwester·, beherrscht wird, erobern die