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Sechster Band. U - Z und Nachträge.
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Unterwelt

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Stadt und stürzen den Frevler am KolonosHippios, der Gerichtsstätte, in die Unterwelt(s. u. nr. 20). Diese Sage hat ein athenischerDichter umgestaltet; der Rachezug der Diosku-ren blieb zwar bestehen, aber Athen wurdenicht erobert, und Theseus stieg vor dem Ein-fall der Feinde, der eben dadurch ermöglichtwurde, freiwillig als treuer Freund des Peiri-thoos in die Unterwelt. So ungefähr mag dieSage etwa im Anfang des 6. Jahrh.s in derMinyas (fr. 1 bei Pütts. 10, 28, 2) und in einemdem Hesiod zugeschriebenen Gedichte darge-stellt gewesen sein. Beide Gedichte enthieltenwahrscheinlich ausführliche Beschreibungen derU. Ob Theseus in diesen altathenischen Sagen-fassungen aus eigener Kraft wieder heraufkamoder, wie Pfister, Der Reliquienkult im Alter-tum 1,198if. nachzuweisen sucht, in ihr dau-ernd verbleiben mußte oder endlich durch He-rakles befreit wurde, gestattet die Überliefe-rung, soviel ich sehe, nicht zu entscheiden.

10. Über Orpheus 'Hadesfahrt ist aus-führlich o. Bd. 3, Sp. 1124, 9 if., über ihre (wahr-scheinlich irrige) Gleichsetzung mit der Minyasebd. Sp. 1130, 44 tf. gehandelt worden. Daß τά«spl Θεαπρωτών des Musaios, die nach Cletn.Al. Strom. 6, 25, 2, S. 751 P. Eugammon in dieTelegonie aufgenommen haben soll, eine Hades-fahrt enthielten, vermutet Vürtheim, De Aiac.origine, cultu, patria 210 m. E. nicht mit Rechtaus Plut. Thes. 31, Paus. 1,17,4.

11. Die Tragödie des 5. Jahrh.s läßtzwar nicht selten Geister beschwören, erwähntauch einigemal die in der älteren Dichtunggegebenen Abstiege, führt aber, was allerdingsauch z. T. durch die Bühnenschwierigkeit ver-ursacht sein kann, den Hades selbst nur seltenvor. So spielten Aischylos Ψυχαγωγοί, die desOdysseus Abstieg vielleicht an den See vonStymphalos , oder wie Hartmann, Unters, überdie Sagen vom Tod des Odysseus, im Vorwortund S. 109 mit Verweisung auf frg. 276, Max.Tyr. 14, 2 , Str. 6 , 244 zu zeigen verspricht, anden Avernersee verlegten, und, wenigstens zurHälfte (vgl. v.Wilamoioitz, S.-B. B. A. W. 1907,7), der dem Euripides oder Kritias zugeschrie-bene Πειρί&ους in der Unterwelt.

12. Dagegen bemächtigten sich jetzt dieKomödie (vgl. Ettig a. a. O. 296ff.; Pascal,Cred. di Oltratomba 2,13 ff.; W. Hoff mann, Adantiquae Atticae com. symbola, Diss. Berlin 1910, 25) und vielleicht das Satyrspiel (überAisch. Σίανφος όραπετης vgl. Dieterich, Nek.77) des Stoffes, der für sie um so dankbarerwar, weil der Widerspruch zwischen dem my-thischen Ort der Handlung und dem Bühnen-bild die erstrebte Stimmung nicht beein-trächtigte, sondern geradezu erhöhte. So wag-ten es, um nur einige zu nennen, Pherekratesin den Κραπαταλοί und den Μεταλλής,Aristophanes im Γηρντάό η g dem Zuschauer dieU. zu zeigen, und von Eupolis Αήμοι spieltwenigstens der erste Teil in ihr, B. Keil, G.G. N. 1912, 237 ff. Vgl. auch Aristoph. Άμφιά-ραος und Ταγηνιβ ταί. Auch die Βάτ ραχοιdes Aristophanes gehören hierher, obgleich Dio-nysos der eigentliche Held des Abstiegs ist;denn der Gott wird, wen auch immer der

Dichter mit ihm gemeint haben mag, als Menschgeschildert. Für die Geschichte der .Hadesvor-stellungen ist diese Dichtung von besondererBedeutung, weil sie zuerst mystische Gedankenausspricht oder wenigstens an deutet, welchedie damalige orphische Literatur bewegten undvon den Athenern auch in den eleusinischenWeihen gefunden wurden. Indessen bildet diesund überhaupt die ganze Verlegung des Schau-platzes in den Hades, die übrigens im Stückeselbst (v. 180 ) erfolgt und kaum durch dieBühneneinrichtungen erheblich angedeutet ge-wesen sein kann, nur ein Beiwerk in der Dich-tung, das freilich mit deren Hauptinhalt soeng zusammenhängt, daß es ale solches nichterscheint. fS. jetzt auch Ralermacher, Aristo-phanes Frösche, S.-B. IF. A. 198, 4, 1922.] S

13. Das Vorbild der älteren attischen Ko-mödie hat jahrhundertlang fortgewirkt. Wäh- jrend die bildende Kunst, namentlich die unter- >italische Vasenmalerei jetzt mit Vorliebe Un- ;terweltsdarstellungen gibt, enthält sich die 'ernste Dichtung des abgebrauchten ins Ko- ,

mische gezogenen Motivs fast ganz; wenigstenshat keine derartige Dichtung auf die Nachwelterheblichen Einfluß gewonnen. Euphorion istzwar lange gelesen worden, ob aber das Ge- (

dicht, das mit der Hinaufführung des Kerberos }

schloß ( Berl. Kl. Texte 5, S. 57 ff.) mit Hera - ;kies Hadesfahrt eine Schilderung der U. ver- j

band, ist zweifelhaft. Kallimachos (fr. 161) \

kann auf dasselbe Unternehmen gelegentlich {hingewiesen haben. Unerweislich scheint mir, jwas Cessi, Eran. Acta phil. Suec. 8 (1908), 138 ff. jüber ein mehrere Hadesfahrten, auch die des I

Odysseus (Stob. flor. 118,3; vgl. Hyg. f. 251), f

erzählendes Gedicht 'Ερμής des Philitas undMaaß, Orph. 278 ff. über ein von Verg. Georg.

4, 466 und auch im 6. Buch der Aeneis nach-geahmtes, auch die Hadesfahrt schilderndesGedichtΟρφενς desselben Dichters vermuten.

Aber um so eifriger bedienen sich die Posse,die Parodie und die Satire wie einst die atti-sche Komödie des Stoffes, der, wie Schiller mitRecht hervorhebt und in den Xenien auch prak-tisch gezeigt hat, für die Komik in der Tatsehr geeignet ist. Sotades (Suid.) schrieb eineκατάβαοις εΐςΆιδου, Sopatros (Athen . 4, 61,

160 c) eine Nekyia, in der er, wie es scheint,die Hadesfährt des Odysseus parodierte, die jαίλλοι des Phleiasiers Timon spielten, wieMeineke erkannt und C Wachsmuth, Corpuscul.poes. Graec. ludib. 2, S. 36 ff. ausgeführt hat,in der Unterwelt. Vielleicht die meiste Nach-wirkung hat die Nekyia des Menippos (Diog.Laert. 6,101) namentlich in der römischen Lite-ratur hinterlassen; in der griechischen scheintsie eine Zeit lang fast vergessen gewesen zusein, bis sie einem Geistesverwandten Menipps,Lukianos in die Hände fiel, der sie moderni-sierte (R. Helm, Lucian und Menipp, Leipzig -Berlin 1906) und auf sie den Ruhm mehrerer ;seiner bekanntesten Schriften (νεκνομαντεία,Wachsmuth a. a. O. 81; Helm a. a. 0. Kiff.;κατάπλους Helm 63ff; Χάρων , ebd. 166 ff.)jgründete. In Tendenz und Ton schließen sichan Menippos an und führen dessen Gedanken ;weiter auch die νεκρικοί διάλογοι des Lu-

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