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Unterwelt
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kian, von denen einige den Menippos als Mit-unterredner einführen. Von Hadesvorstelt ungenbieten diese Gespräche nicht viel; noch weni-ger Lukians dXrj&'Tjg laxogia, deren Beschrei-bung der Insel der Seligen großenteils Zügeaus dem Märchen vom Schlaraffenland einmengtoder auch auf freier Erfindung des Schrift-stellers beruht. [Solche Züge sind auch in denUtopien von Platon, Jambulos, Euemeros , Theo-pompos u. a. verwendet worden. Diese habeneine, meist politische, philosophische oder re-ligiöse Tendenz, und die Farben für die Schil-derung der äußeren Zustände entnehmen sieder Sagen- und Märchenüberlieferung von dreier-lei Art: erstens den Sagen von einem glück-lichen Zustand in der fernen Vergangenheit,im goldenen Zeitalter, zweitens den Vorstel-lungen vom Leben der Seligen nach ihremTode und drittens den Märchen vom Schlaraf-fenland und den Anschauungen von glücklichenVölkern der Gegenwart an den Grenzen derWelt. So bieten auch diese Utopien für unsMaterial, um die antiken Vorstellungen vomLeben der Seligen, wovüber u. nr. 66 ft., kennenzu lernen.]
14. Scherzhaft gewendet ist, wenigstens derHaupterfindung nach, das Gedicht Culex, daswahrscheinlich Virgil , jedoch in sehr jugend-lichem Alter, und zwar, wie jetzt gewöhnlichauf Grund von freilich unsicheren Spuren an-genommen wird, nach einer griechischen Vor-lage verfaßt hat. Hier erzählt eine von einemHirten erschlagene Mücke diesem in nächt-licher Traumerscheinung die Zustände des Ha-des; auffallenderweise wird aber der in demGegensatz zwischen der Erzählerin und demGegenstand liegende Widerspruch gar nicht zukomischen Wirkungen benutzt oder auch nurhervorgehoben und eine parodistische Spitze,die vielleicht einst vorhanden war, ist jetztnicht erkennbar. — In reiferen Jahren hatVergil zwei ernste Hadesschilderungen gegeben,von denen die kürzere {Georg. 4, 466) den Ab-stieg des Orpheus, die andere den des Aeneas(Aen. 6; herausgeg. zuletzt von Norden ! 1916)ausführlich erzählt. Den Aeneas führt die Si-bylle^ die zugleich Priesterin des Apollon aufder Burg von Kyme und der Hekate am Aor-nossee ist. Diese doppelte Stellung der Sibylle hat in neuerer Zeit Anstoß erregt und zuverschiedenen Vermutungen geführt. Gercke,Entsteh, d. Aen. 1761}’. nimmt an, daß Aeneas nach dem ursprünglichen Plan des Dichtersnur das Apollinische Losorakel befragte, unddaß der Dichter nachträglich die ekstatischeWeissagung der Si bylle, noch später das Toten-orakel am Avernus und zwar zunächst in derWeise hinzufügte, daß der Dichter die künfti-gen Helden Roms im Traume sah, während ererst zuletzt den Aeneas bis zum Elysion ge-angen ließ. Nach Corssen, Sohr. 2 (1913) 1 ff.hatte bereits Naevius den Helden zum Avernusgeführt, wo ibm die kimmerische Sibylle denDeist des Vaters zeigt; mit dieser soll Vergilje Rumänische Sibylle , die allgemein für dielomigche galt, verschmolzen haben. Eine Ver-tuschung von Überlieferungen, die zu ver-schiedenen Zeiten oder an verschiedenen Orten
entstanden waren, ist in der Tat wohl anzu-nehmen·, ob aber erst Vergil das, was er aufverschiedenen Entwickelungsstufen seiner Dich-tung schaffen wollte, nachträglich vereinigte,oder ob er bereits Überlieferungen vorfand, dieseinem Plane widerstrebten, die er aber dochnicht ganz verwerfen wollte, wird sich schwer-lich entscheiden lassen. Nur das kann als sichergelten, daß Vergil direkt oder mittelbar auchio örtliche Überlieferungen benutzte. Vielleichtwar schon in der Lokalsage der Apollonkultmit dem Nekyomanteion am Avernus verbunden.Aber die Hauptanregung empfing der Dichtersehr wahrscheinlich durch literarische Vorbil-der, und zwar weniger durch Alexandriner alsdurch das alte Epos, besonders durch dieOdyssee. Dies ist auch hegreiflich, da die rö-mische Kunst des augusteischen Zeitalters beistarker Abhängigkeit von den Alexandrinern20 doch zugleich die älteren griechischen Werkenachgeahmt und bis zu einem gewissen Gradeerneuert hat. Wie Homer beginnt Vergil miteinem Opfer und einer Totenbeschwörung; unddiese Übereinstimmungen, bei denen der spä-tere Dichter sein Vorbild nicht nur nachzu-ahmen, sondern auch zu überbieten versucht,ließen sich leicht durch die ganze Hadesfahrtverfolgen, doch würde allerdings die Möglich-keit selten ausgeschlossen werden können, daß30 zwischen Vergil und seiner Vorlage Mittel-quellen lagen, die seine Neuerungen ganz oderteilweise vorweggenommen hatten. — Aber dasVorbild der Nekyia in der Odyssee oder ande-ren älteren griechischen Heldengedichten hatVergil nur die Form gegeben; die Gedanken,die er in diese Form gegossen hat, sind keineanderen als die, welche seine Zeit und ihnselbst bewegten. Abgesehen von der Verherr-lichung der römischen Geschichte, in der seine40 Schilderung gipfelt (7ö6 ff.), ist es namentlichdie Vorstellung von derSeelenwanderung(724ff.),von der Rückkehr der Seelen auf die Erdeund ihrem endlichen Wiederaufstig zum Him-mel, die hier neu erscheint. Nachdem manfrüher diesen Teil der nerpHischen Darstellungvon der Eschatologie Platons (Hol. 10,621;vgl. Schmekel, I)e Ovidiana Pyth. doctr. adumbr.59f.) oder von Zenon abgeleitet hatte, wirdjetzt fast allgemein (z. B. von Schmekel, Philos.50 d. mittl. Stoa S. 461 ff., Norden a. a. O.; s. da-gegen Pascal, Cred. d’Oltretomba 2,164 ff., derhier Anklänge an Ennius zu erkennen glaubt)als Quelle Poseidonios betrachtet, in dem dieneuere Forschung, immer eine Vermutung aufdie andere bauend, den Begründer fast derganzen späteren wissenschaftlich religiösenWeltanschauung sehen möchte. Die Gründescheinen mir trügerisch. Bekanntlich habendie alten Vergil - ebenso wie die Homerausleger60 alle möglichen physikalischen oder religiösenIdeen in ihren Dichter hineingelesen, und sobezieht Serv. zu Verg. Aen. 6, 887 die Angabeaerts in campis auf die Mondsphäre, unbe-kümmert darum, wie Aeneas von Cumae, woer hinabgestiegen ist, an die Grenze der Atmo-sphäre gelangen konnte; aus Prob. Ecl. 6,31,S. 334,6 bei Thilo-Hagen ergibt Bich sogar,daß aus diesem Grunde das überlieferte lalis