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Sechster Band. U - Z und Nachträge.
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Unterwelt

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pheus, Peirithoos und Theseus vermuten; auchdie Gräber der Heroen, die weissagen sollten,sind z. T. Unterweltseingange gewesen. AndereHeiligtümer lassen sich aus ihren Einrichtun-gen als früher zum Verkehr mit der U. be-stimmt erschließen. Ferner trugen die Natur-male, die einst einen Hadeseingang bezeich-neten, häufig wiederkehrende Namen; so hießz. B. ein Bach oder eine Quelle Acheron, Le-thaios, Styx, der Felsen, von dem gesprungen 10wurde, Leukas , ein Stein, auf den man sichbeim Zauber setzte, αγέλαστος πέτρα. GewisseBäume sollten am Eingang zur Unterweltwachsen, so Eiben, Buchsbäume, Platanen,Ulmen, Steineichen, Weiden, Cypressen, Pap-peln, Feigenbäume. Wo sich jene Namen oderBäume dieser Art von besonderer Heiligkeit,meist durch eine Legende verklärt (vgl. Pfister,Reliquienkult 1, 358 ff.), bei einer Kultstättefinden, liegt der Gedanke an einen früheren 20Zugang zum Keiche der Tiefe nahe. Auch beiVulkanen (vgl. Gruppe, Griech. Myth . und Rel.-Gesch. 809,1; jetzt auch A. Strahle, Die denAlten bekannten vulkanischen Gebiete, TübingerIHss. 1921) stand der Hades mit der Oberweltin Verbindung. Als ein weiteres Anzeichenfür einen U.-Eingang galt rote Erde; Pauly-Wissowa-Kroll, Suppl. 3, 1006, 12 ff. [s. auchdie rote Erde in deu zwei Legenden bei J. Fried-länder, Die Chadhirlegende 153 und 171 und 30im Münch. Mus. f. Phil, des 21.-A. 1 (1912),263. Aber auch weiße Felsen wie die Exeigm-vläeg πέτραι (Pfister a. a. O. l,21,203f.) beiMegara und der leukadisclie Felsen.] Ein Cha-ronion bei 'Ihymbria war ein αορνον σπήλαιον(Strabo 14,036 ), offenbar, weil die Vögel dergiftigen Dämpfe wegen die Höhle mieden; dergleichen Vorstellung begegnen wir bei demPlutonion von Nysa bei llierapolis (Sir. 13,629f.) und bei Kyme in Campanien, aber auch 40bei dem Blitzgrab des Amphiaraos und, wiePetersen, Burgtempel der Athena 77 aus Phi-hstr. Ap. Tyan. 2,10 wahrscheinlich mit liechtfolgert, beim Dreizackmal des Erechtheion,einem alten Blitzgrab. Auch mit solchen Blitz-gräbern war oft die Vorstellung verknüpft,daß an dieser Stelle der Schoß der Erde offenstehe; Eingänge zur U. galten gelegentlich alsvom Blitze geschlagen. Daher stand, wie beiEingängen zur U., ein Feigenbaum bei den 50Blitzgräbern auf dem Comitium ( Plin. 15, 77).Stellen, wo der Blitz eingeschlagen hatte, wur-den mit einer brunuenähnlichen Einfriedigungversehen; dem entspricht es, daß bisweilenBrunnen als Eingänge zur U. galten; Ducati,Rendic. R. Acc. dei Lincei Ser. 5,19, 1910,

°· 17*5 ff. Ferner galten auch Quellen, die ausder Tiefe der Erde hervorbrachen, manchmalals Eingänge zur U,, ebenso auch Seen. Auchmanche Heiligtümer der Ge, Themis oder Do- someter waren ursprünglich U.-Eingänge. Ausallen diesen freilich nicht unfehlbaren Kenn-zeichen läßt sich außer den vielen bezeugtenHadeseingängen noch eine weitere Anzahl mitmehr oder minderer Gewißheit erschließen.

17. Dazu kommen noch ein paar besondereVorstellungen, die mit den Hadeseingängenverknüpft waren. So war vor allem der Hades-

eingang Stätte des Gerichts. Denn mit denMächten des Jenseits war das Gerichtsverfahrender ältesten Zeit eng verbunden. Bei ihnenwurden die Eide abgelegt (s. Waser o. Bd. 4,Sp. 1666 ff.), bei denen der Schwörende sichselbst im Falle der Falschaussage oder derNichterfüllung seines Versprechens den Götternder Finsternis zu eigen gab. Ebenso wurdendiese angefleht, die Wahrheit ans Licht zubringen und die Richter mit gutem Rat zuerfüllen. Ihnen wurde, wenn die menschlicheEinsicht versagte, die Entscheidung in einerArt Gottesurteil überlassen, indem z. B. derAngeklagte durch einen gefährlichen Sprungin die Tiefe seine Unschuld dartun mußte.War das Urteil gesprochen, so wurde derSchuldige den höllischen Mächten überliefert,und bisweilen wurden diese durch vermummteMenschen dargestellt, die das Urteil vollstreck-ten. Andrerseits wurde derjenige, der unab-sichtlich Blut vergossen hatte, nach Ablaufder über ihn auch in diesem Fall verhängtenVerbannungszeit durch eine symbolische Hand-lung, die zugleich die rechtlichen wie die re-ligiösen Folgen seiner Schuld beseitigte, fürfrei erklärt. Bisweilen geschah diese Reini-gung durch einen dem zu Entsühnenden ge-reichten Trank. Floß an der Gerichtsstätteein Bach, so führte dieser öfters den Namendes U.-Flusses Lethaios; wer von dessen Wassertrank, dessen Schuld galt als vergessen. [S.jetzt auch V. Ehrenberg, Die Rechtsidee imfrühen Griechentum 1921, 33 ff. 46.]

18. Auch im Zauber spielten die U.-Ein-gänge eine Rolle. Zwar war das Erscheinender Toten, das in der griechischen und römi-schen Literatur sehr häufig erwähnt wird (Hub.Mende, De animarum in poesi ep. et drainut.ascensu, Brest . Dtss. 1913), nicht auf dieseStätten beschränkt. Am häufigsten wurde einsolches Institut aufgesucht, um ein Orakel zuerhalten. Die hier weissagenden Heroen wa-ren einst Höhlendämonen gewesen, deren Weis-sagungen jetzt, weil von verstorbenen Men-schen der Vorzeit gegeben, als aus der U.stammend angesehen wurden. Aber auch jedenandern Toteugeist konnte man in solchen spiri-tistischen Anstalten (venvogavtcia) beschwören.Daß sie im Besitz eines Hadeseingangs zu seinbehaupteten, war zwar nicht unbedingt er-forderlich, aber doch der Reklame wegen vor-teilhaft. Ferner wurden die vermeintlichenZutritte zum Totenreich beim Liebes- undZeugungszauber aufgesucht. Hoffnungslos Lie-bende wollten durch einen Sprang vom weißenFelsen am Lethestrom Vergessen ihrer Qualenerlangen, geschwächte Männer und kinderloseFrauen zeugungsfähig oder fruchtbar werden,indem sie sich auf den Stein setzten. Auchsonst hat sich ja der Aberglauben besondersan die Richtstätten angeknüpft; hier dachteman sich die ßiaio&dvaroi verweilend, derenHilfe beim Schadenzauber angerufen wurde.

19. Schließlich ist noch eines Ritus zu ge-denken, der auch für den öffentlichen Kultvon Bedeutung war: in größeren oder kleine-ren Zwischenräumen wurden die Hadesein-gänge geöffnet, damit die Toten emporsteigen