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Sechster Band. U - Z und Nachträge.
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Unterwelt

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könnten; Gruppe , Griech. Myth. u. Rel.-Gesch.761, 9. Diese Begehung ist für Athen und Rombezeugt, läßt sich aber für mehrere andereGemeinden erschließen und hat wahrscheinlichin noch weit größerem Umfang bestanden, dadie antiken Totenfeste, mittelbar also auchdie christlichen, sich aus ihr entwickelt habenoder wenigstens durch sie mitbestimmt wor-den sind. Nach den Blumen und Kränzen, denuralten Totenspenden (s. o. Bd. 2, Sp. 2322. 30),hieß das attische Fest Anthesteria (s. o. Bd. 2,Sp. 1148). Verwandt waren die römischen Ro-salia, die jedoch nicht mehr mit einer Öffnungdes Einganges zum Totenreich verbunden ge-wesen zu sein scheinen. Ebensowenig ist sol-ches für die andern römischen Totenfeste, dieLemuria und die Parentalia bezeugt, aber dochaus dem vermeintlichen Heraufströmen derSeelen zu erschließen. Um eine Verbindungmit den Manes handelt es sich nach AteiusCapito bei Fest. 154 b, 31 (vgl. 142 a, 22) undVarro bei Macrob. Hat. 1 , 16,18 auch bei derÖffnung des Mundus am 24. August, ö. Oktoberund 8. November; vgl. Wissowa, llel. der Rö-mer* 234. Doch finden sich daneben anschei-nend Spuren einer andern Auffassung; vgl.War de Fowler, Journ. af Rom . Stud. 2 (1912),25 ff., Harrison und Cornford, Essays andStud. present, to Ridgeway 1913, 143 ff. 153.Über die Ihktoiyiu s. auch nr. 38.

Wir geben im folgenden eine Liste der wich-tigsten sicher bezeugten oder zu erschließendenU.-Eingänge.

20. Attika. Aus dem Kult der Semnai,des Pluton und der Ge und dem Oidipusgrab(Paus. 1,28,6; vgl. Val. Max. 6,3) wird mitRecht geschlossen, daß hier einst ein Eingangzur U. angenommen wurde; vgl. auch Eur.El. 1266 ff. Allerdings meint Robert, Oidip.1,38 ff., daß das 6. Jahrh. von dem Grabe desOidipus nichts wußte; doch sind seine Aus-führungen unannehmbar. Später blieb zwar derAreopag Stätte des Blutgerichts, aber, undzwar schwerlich erst nach der Erbauung derThemistokleischen Mauern, die Bluturteile wur-den auf dem Kolonos Hippios vollzogen, unddort zeigte man einen Hadeseingang, ein Oi-dipusgrab und eine Kultstätte der Erinyen.Erwähnt wird dies Grab zuerst in den 410aufgeführten Phoinissen (1707); aus der Nicht-erwähnung in der 67 Jahre älteren thebani-schen Trilogie des Aisehylos schließt Roberta. a. 0. mit Unrecht, daß es in der erstenHälfte des 5. Jahrh. wenigstens noch nichtallgemein anerkannt gewesen sei. Hier wurdeeine xar aßaeig eis "Aidov angenommen ( Apol-lod. im Schol. Soph. Oed. Col. 67), durch dieKore niedergefahren sei; Schol. Soph. Oed. Col.1693. Ferner sind hier die übrigen mit derHadespforte verknüpften Vorstellungen bezeugt,die eherne Schwelle (Soph. Oed. Col. 57), derSprungstein und der Zeugungszauber; Arch.f. Rel.-Wiss. 15 (1912), 359ff. Über das Ver-hältnis des Sophokleischen Stücks zu diesenTraditionen s. Pfister, Reliquienkult 1, 107ff.Daß eine Zeitlang die Bluturteile hier voll-streckt wurden, läßt sich aus der Sage vonTheseus (s. o. nr. 9) vermuten, der hier in die

Unterwelt hinabgestiegen sein soll (Paus. 1,30, 4); diese Überlieferung scheint bis in das6. Jahrh. hinaufzureichen und die patriotischeUmbiegung einer aus dem 7. Jahrh. stammen-den argivischen Sage zu sein, nach der dieDioskuren den Theseus, den Räuber ihrerSchwester, verfolgten, mit Hilfe des Hekade-mos besiegten und den Frevler auf der Stättedes Blutgerichts in die Unterwelt binabstießen.Der argivische Dichter seinerseits kam zuseiner Erfindung, weil damals schon auf demKolonos bei dem Hekademoshain, der Akade-mie, von Theseus erzählt wurde, der ja durchseine mythische Verknüpfung mit den Ama-zonen, mit Themiskyra, dem Felsen der The-mis und durch andere Züge als einer der ander Gerichtsstätte waltenden Dämonen oderHeroen wahrscheinlich gemacht wird.

Halimus besaß ein Heiligtum der DemeterThesmophoros (Paus. 1 , 31,1), wo nach Rohde,Kl. Sehr. 2, 358 die von Schol. Luc. dial. mer.mit der Niederfahrt der Kore begründetenSchweineopfer in tilyaga : versenkt wurden. Daßauch hier einmal Gerichtssitzungen stattfanden,lassen der Kultname Demeters und die Be-nennung des Hirten Eubuleus vermuten. Dochsind diese nicht sicher alt.

Eleusis rühmte sich später ebenfalls derStätte, durch die Kore entführt worden seinsollte; Paus. 1,38,6; Orph. hym. 18,12. DieseAnsetzung ist aber weder alt noch allgemeindurchgedrungen. Der für Eleusis spätestens insolonischer Zeit gedichtete fünfte homerischeHymnos läßt die Göttin an einer andern Stättegeraubt werden. Wahrscheinlich hat erst dieinfolge der Weltstellung Athens wachsendeBedeutung von Eleusis einen Dichter veranlaßt,die Stätte des berühmten Koremythos hierherzu verlegen. Mit den eleusinischen Weihen hatKores Raub überhaupt nichts zu tun; der My-thos war deshalb auch nicht geheim, er wirdvielmehr schon im homerischen Hymnos aus-führlich erzählt und damit den nicht zu nennen-den Weihen (v. 477 f.) entgegengesetzt. DieHöhle nördlich vom Telesterion, die gewöhn-lich als Plutonion gefaßt wird und wahrschein-lich auch im Altertum als Stätte von KoresNiederfahrt galt, war in ältester Zeit vermut-lich der Ort, wo in der Weihenacht von denEpopten das Hochfest, die Geburt des Heilan-des (Hippol. 6,8 S. 164,14; vgl. Orph. Arg. 17)gefeiert wurde. Weil dieser Plutos oder Plutonhieß, ist dieser Name im 5. Jahrh., als dieEnge des vor der Höhle zur Verfügung stehen-den Raumes die Menge nicht mehr faßte undzu einer Verlegung der höchsten Weihe nö-tigte, von attischen Schriftstellern auf Hades,der nun von der Stätte Besitz ergriff, bezogenworden. Wie diese Höhle ist vielleicht auchder nach dem wilden Feigenbaum genannteErineos, den Paus. 1 , 38, 5 als Stätte der Nieder-fahrt bezeichnet, für einen Hadeseingang ge-halten worden. Endlich ist auch das Kataba-sion, wo nach Aster, bei Migne , Patr. Gr. 40,324 der Hierophant mit der Priesterin zu-sammenkam, um, wie der christliche Schrift-steller glauben machen möchte, Unzucht zutreiben, wahrscheinlich erst infolge der An-