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Karyst. 123 u. ö.), XctgmvHOv die Tür, durchwelche die Verurteilten zur Hinrichtung ab-geführt werden (Poll. 8,102; Diogenian. 8,68),ZUQmvioi xXiftay.es die Treppe, durch die imTheater die Toten heraufstiegen (Poll. 4,132).In Etrurien ist der Name Charun auf einenhäßlichen, krummnasigen, meist ganz mensch-lich gebildeten Todesgott, der auch als Seelen-geleiter und als Wächter an der Grabestürgilt (o. Bd. 1, Sp. 886,10), übergegangen. Dem-nach ist es nicht wahrscheinlich, daß Charon ursprünglich einen einzelnen tierisch gebildetenDämon der U. bezeichnete und Kurzform zuXuQonos oder zu XaQotp 'funkeläugig’ ist, wiejetzt meist angenommen wird. Daß einst einGott Charon hieß, machen die zahlreichen nachihm genannten Menschen wahrscheinlich; denndiese sind schwerlich nach einem Ungeheueroder dem Fährmann genannt, sondern heißen,wie das zu allen Zeiten häufig geschah, nacheinem verschollenen Gott, der eine zugleichfür Löwen, Hunde und andere Tiere und auchfür Erdschluchten passende Benennung trug.Darf aus den verschiedenen Verwendungen desNamens ein Schluß auf den ursprünglichenSinn gezogen werden, so empfiehlt sich 'Ver-schlinger’. Der Name ist dann wohl aber nichtindogermanisch, sondern der Sprache der Ur-bevölkerung entlehnt. Laphystios (zu Xaq>v<sa<o)ist vielleicht Übersetzung von Charon ; am La-phystion, wo Herakles den Kerberos herauf-holte, hieß Herakles Xagoty, Paus. 9,34,6.Charubd, griech. Charyhdis, kann von Charon wohl nicht getrennt werden; danach ist wahr-scheinlich mit volkstümlicher Andeutung derHeraklesbeiname gebildet.
46. Weniger Spuren als der Totenfergehaben die Dämonen hinterlassen, die denToten in die U. tragen sollten. So etwadie Harpyien (s. d.). Vielleicht hat auch Tha-natos, der bei Eur. Alk. 259 die Verstorbenein das Totenreich führt, in älterer Auffassungals Träger der Seelen gegolten. Die Darstel-lung des eine kleine Figur auf dem Rückentragenden Kabiros bezieht Furtwünglcr, Arch.f. Pel.-Wiss. 10 (1907), 329 unter Vergleichungdes Ptah, der den Toten den Weg weist, auf dieBeförderung der Seele in das Jenseits [s. dagegenjetzt Kern bei Pauly- Wissoua-Kroll 10,1448],
47. Hades als Entführer der Seelenerscheint im homerischen Hymnos auf Demeter .Auf die Entführung des Mädchens folgt ihreBefreiung während des dritten Teiles des Jahres.Allerdings ist dieser Mythos wie in neuererZeit so schon von den alten Gelehrten andersgedeutet und zwar meist auf das jährliche Ent-stehen und Vergehen der Vegetation und be-sonders des Getreides bezogen worden. DieseDeutung verstößt aber, wenn sie den unter-mischen Aufenthalt Korea auf die Zeit bezieht,wo das Samenkorn in der Erde liegt, gegendie Naturgeschichte, da die Körner keineswegswährend des Winters unten verborgen bleiben,sondern im Herbst bald nach der Aussaat anf-gehen, oder sie nötigt zu der unwahrschein-lichen Annahme, daß der Dichter die Scheune4er U. gleichgesetzt habe. Daß das Volks-empfinden in Persephone ein Bild der Seele
sah, zeigen zahlreiche Funeralinschriften undDenkmäler der Grabkunst, welche die Ent-führung des Toten in die U. ganz so darstellen,wie es für die der Kore üblich war. DieseSymbolik, mit der höchstens eine nachträglicheBeziehung auf die Wiederbelebung des Pflanzen-lebens im Frühjahr vereinbar ist, entsprichtso genau dem Inhalt des Mythos, daß sie weiteher ihm zugrunde zu liegen, als später inihn hineingelegt, zu sein scheint. Durch denEinfluß von Eleusis ist dieser Mythos weit ver-breitet worden und hat andere ähnliche Fas-sungen wie die ebenfalls attische von Echelosund Basile verdunkelt. Das ionische Eposnennt Hades und Persephone als Herrscherpaarin der U. und kennt den Mythos von der Be-freiung der Kore nicht oder will ihn nichtkennen. Beide Auffassungen haben währenddes ganzen Altertums nebeneinander gestan-den, obwohl im Grunde unvereinbar. Wahr-scheinlich hat ein ionischer Dichter nach Aus-scheidung des auf die Erlösung der Seele hin-weisenden Zuges Persephone , nachdem sie inder Legende als erste Erlöste Königin im Landeder Seligen geworden war, zur Königin der U.gemacht. Dann kann freilich der Mythos vomRaube Persephones in Eleusis , wo er zuerstbezeugt ist, nicht entstanden sein, da dieseKultstätte im 7. Jahrh. nur eine örtliche Be-deutung hatte; aber das ist auch deshalbwahrscheinlich, weil noch der homerische Hym-nos den Raub nicht, wie das bei einem inEleusis entstandenen Mythos natürlich gewesenwäre und später auch wirklich geschah, nachdieser Mysterienstätte verlegt, sondern Nvatov&y rteSiov (v. 17). Der Persephonemythos istvon vornherein (vielleicht in der Argolis) indem Sinne gedichtet, daß die Göttin erlöstwird. Wenn diese Befreiung in der nachge-bildeten eleusinischen Legende nur für einenTeil des Jahres gilt, so wird sich dies wie dieanoSrigiat der Götter bei andern Heiligtümern(s. zuletzt Pauly- Wissowa-Kroll Supjtl. 4, 302 f)aus dem eleusinischen Festkalender erklären.Der Befreier Persephones hieß wahrscheinlichin der ursprünglichen Legende mit einem viel-leicht vorgriechischen Namen Hermes. DasEpos, das von der Erlösung der Seelen sowenig wie von dem erlösenden Gott etwaswissen wollte, hat den Hermes dann zumGeleiter in die U., zum Tpv%onofiit6s, veyva-ytaydff, vsxQonofinos, ipvxoaroXos usw. ge-macht; s. o. Bd. 1, Sp. 2373ff. Daß dies einenachträgliche Umgestaltung ist und daß Her-mes ursprünglich die Seelen nicht in den Ha-des, sondern aus ihm herausführte, wie in demeleusinischen Hymnos (v. 377), ist nicht nurdeshalb wahrscheinlich, weil dem religiösenLied eher als der Heldensage das Festhaltenan dem ursprünglichen Sinn der Legende zu-zutrauen ist, sondern auch deshalb, weil Her-mes in mehreren verwandten Mythen Erlöserdes Mädchens ist, das die Seele bedeutete, z.B. in der losage (s. N. Jhb. 41 (1918), 300).Es ist ja auch wahrscheinlicher, daß Hermesgöttlicher Prototyp der Nekromanten wurde,weil er die Erlösten aus der U. emporholte,als der umgekehrte Bedeutungsübergang.