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Unterwelt
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Arist. p. 198 K. — 20 Pf. — Auf die Ähnlich-keit der Cyriakus-Erzählung mit Ps.-Kqll. 3,17hat Stocks schon hingewiesen. Beide gehen inletzter Linie auf eine gemeinsame Quelle zu-rück, die vom Gilgamesch-Epos beeinflußt ist.In dieser Quelle war aber jene Stätte wohl alsa&QOiGuu bezeichnet; denn die einzige Hand-schrift des Ps.-Kall., die dieses Stück über-liefert, bietet ySgoieya, wofür Müller vägsvuain den Text setzte, da Jul. Val. aquationem\bietet.] Hades heißt ’AyfjBavSqog, ’AyißiXag,&yj]aiX<xog , fjySBiXaog, ijyrioiXtvg, xoivog, vsxqo-äeyycov, ndyxoivog, Ttayxoixag, nävSoxog, noXv-ätyycov, tioX väixxiqg, itoXvxoivog, noXvlgevog usw.,s. auch Gruppe, Handb. 400, 2. Die Totenpfor-ten heißen ebenfalls noXvfevcu ( Soph. Oed. Kol.1670), die Toten tcoXvclvSoioi und sehr häufignXfoveg, plures; Gruppe 1. c.
Mit ihrem Eintritt in die U. sind die To-ten nach der homerischen Auffassung von jedemVerkehr mit dem Diesseits abgeschlossen; sieempfangen nach dem Ende der Feuerbestattung,die ihnen den Hades erschließt, keine Opfer vonden Hinterbliebenen und können auch ihrer-seits nicht mit diesen in Verbindung treten,wenn nicht ein Sterblicher zu ihnen vordringtund sie ihrem gewöhnlichen Dämmerzustandentreißt. Von einem Totengericht oder einerAufnahmeförmlichkeit wird nicht gesprochen;auch hat der Mensch im Leben keine Möglich-keit, sich durch religiöse Maßregeln ein besse-res Los im Jenseits zu verschaffen. Daß Mene-laos in das Elysion eingehen wird (Od. S 663),und daß Minos unter den Toten Hecht spricht,steht damit äußerlich nicht im Widerspruch,denn jener soll überhaupt nicht sterben, alsoauch nicht in den Hades eingehen, sonderndurch die Gnade der Götter in das ElyBionversetzt werden, und Minos richtet nicht überdie Taten der Lebenden, sondern setzt nur wieOrion seine oberirdische Tätigkeit fort. Inner-lich muß freilich schon hier ein Widerspruchgegenüber der sonst herrschenden Auffassunganerkannt werden, denn es hatte keinen Zweck,sich eine Stätte der Seligen auszudenken, wennsie nicht für die gerecht Befundenen bestimmtsein sollte, und die Rechtsprechung des Minosläßt sich weder mit seiner und der übrigenToten Bewußtlosigkeit vereinen, noch kann sieursprünglich etwas anderes gewesen sein alsdie Beurteilung der im Leben verübten Taten.Noch deutlicher wird der Widerspruch bei derBestrafung der Frevler, die sowohl Bewußtseinder Leidenden als auch ein Gericht über dasLeben zur Voraussetzung hat. Diese steht aberauch in innerem Widerspruch zu der Anschau-ung, daß die Teilnahme an gewissen Kultenein besseres Los im Jenseits verbürge. Dennwenn auch die Teilnehmer an solchen, die My-sten, wie sie sich später nannten, sich natür-lich gern als frömmer und sittlich besser hin-stellten als die Nichtgeweihten, so mußte esdie Bedeutung der Mysterien nicht erhöhen,sondern geradezu herabdrücken, wenn nichtdie Unterlassung der Weihe ihre Bestrafungherbeiführte. Davon ist aber bei Homer keineRede, der einen Grund der Strafe überhauptnur bei Tityos angibt, und zwar ihn für die
Beleidigung Letos (Od. X 680), also für eineSchuld büßen läßt, die mit irgendwelchenWeihen in Zusammenhang zu denken wir kei-nen Anlaß haben. Nun könnte freilich Homeroder einer seiner Vorgänger die Begründungder Strafe verändert oder verschwiegen haben,aber auch die Durchmusterung der großen Zahlsonst überlieferter Büßer führt in keinem Falldarauf, daß sie als &yvr\xoi büßen. Es habensich also einmal drei Jenseitsanschauungengegenüber gestanden; nach der ersten, die wirdie epische nennen dürfen, weil sie bei Homer denbeiden anderen übergeordnet ist und von ihnennur Reste übrig gelassen hat, ist außer derBestattung, die für die Aufnahme in die Unter-welt erfordert wird, eine Verbesserung des Lo-ses im Jenseits durch religiöse Veranstaltungenweder des Lebenden noeb seiner Hinterbliebe-nen möglich, und ebensowenig können diese oderandere Lebende durch ihn beraten oder unter-stützt werden. Nach der zweiten Auffassung,die wir die mystische nennen können, gehendie Geweihten in das Land der Seligen ein.Die dritte Anschauungsweise ist moralisch, siebestimmt das Los der Toten nach den Tatendes Lebenden. AUe drei Vorstellungsweisenhaben während des ganzen Altertums bestan-den, und zwar überwogen später in den Krei-sen, die am Volksglauben festhielten, die zweiteund die dritte, die sich allenfalls ausgleiclienließen; darum dürfen sie aber nicht gegen-über der epischen als jünger betrachtet wer-den. Die Annahme, daß die sie enthaltendenStücke der Odyssee nachträglich hinzugedich-tet seien, hat sich als unwahrscheinlich er-geben ; rührt aber die ganze Beschreibung derÜ. von demselben Dichter her, so beweisen dieÄnderungen, die er oder ein Vorgänger vor-genommen hat, um die Vorstellungen vomLande der Seligen und vom Totengericht wenig-stens äußerlich einigermaßen seiner Grundvor-stellung anzupassen, daß er jene bereits vor-gefunden hat. Grund der Veränderung könntez. B. der Glaube gewesen sein, daß die Wei-hen zur Zeit der epischen Handlung noch nichtbestanden: Die Unterdrückung aller mit ihnenzusammenhängenden Vorstellungen wäre danndas Ergebnis einer zielbewußten Stilisierung.Vermutlich hat diese wirklich dazu beigetragen,den Prozeß so weit zu führen. Allein, da nichtabsehbar ist, woraus der spätere Ursprung derMysterien erschlossen werden konnte, so istdas Stilgefühl schwerlich der erste Anlaß fürdie Schaffung des epischen Jenseitsglaubensgewesen. Gewöhnlich nimmt man an, daß dieionischen Dichter und die Edelen, an die siesich wendeten, sich gegenüber den Kreisen,die noch voll Bangigkeit an das Schicksal imJenseits dachten, die Toten beschworen undihnen lange nach der Bestattung Opfer dar-brachten, als die Aufgeklärteren fühlten. Aberes war wohl nicht vorzugsweise und jedenfallsnicht ausschließlich religiöser Freisinn, der denUmschwung herbeiführte. Eine ähnliche Ent-wickelung hat ja das Judentum durchgemacht,dessen Literatur nicht durch einen aufgeklär-ten Ritteradel die Richtung erhielt. Es wer-den also vielmehr staatliche Maßnahmen ge-