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Sechster Band. U - Z und Nachträge.
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Venus

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Venerii tunt; in Pompei CIL 4,1146 = Dessau6406b Daquium d(uovirum) iture) d(icundo)Veneri [d. i. Vtnerii] rogant) erwähnten in Si-zilien ; ein Vtn(tris) ser(vus) in Sicca, CIL 8,16946, ein deae Veneris actor ebd. 16894. Beider cirtensischen Kolonie Rusicade dürfen wiraus dem Namen colonia Veneria lhisieade {CIL4,7960 = Dessau 5077) vielleicht auf ähnlicheVerhältnisse schließen (s. auch unt. Sp. 207).

Die enge Verbindung des Venuskultes mitder regierenden Dynastie fand mit dem Er-löschen des iulischen Hauses ihr Ende, abermit dem Gedanken an den römischen Staatund seine Anfänge war die Göttin so unlös-lich verbunden, daß, als Hadrian die gött-liche Personifikation der Keichshauptstadt un-ter die Staatsgötter erhob und der Roma einenprächtigen Tempel auf der Höhe der Velia er-baute (s. F. Richter oben Bd. 4, Sp. 188ff.), erdieser als Haus- und Kultgenossin die Venusz.ugesellte. Der als templum Romae et Ve-neris {Mommsen, Chron. min. 1, 146. 2, 142.Notit. urh. reg. 4. Rrudent. c. Sy mm. 1, 221 f.atque Urbis Venerisque pari se culmine tollunttempla. Cass. Dio 69, 4, 3 τον τής 'Αφροδίτης τήςτε 'Ρώμης ναόν ; 71, 31, 1 ϊν τε τω Άφροόιαίω τωτε 'Ρωμαίω ) bezeichnete Doppeltempel wurdeam 21. April (dem Palilienfeste) 121 n. Chr. ein-geweiht (so richtig J. Dürr, Reisen Hadrians S. 25 ff. und W. Weber. Untersuch, z. Gesch. d.Kaisers Hadrianus S. 104, A. 348, während Hül-sen, Das Forum Romanum* S. 218 und F. Rich-ter a. a. O. Sp. 134 mit Unrecht der unzuver-lässigen Angabe des Cassiodor Chron. min. 2,142 folgen und das Jahr 135 annebmen). Vonden beiden mit den Rückseiten aneinander-stoßenden Gellen (s. über den Tempel Hülsena. a. 0. 218 ff. und IJühen-Jordan, Topogr. 1, 3,N. 17ff.) gehörte der Venus die östliche, nachdem Kolosseum zu gelegene. Die Statuen bei-der Göttinnen waren Sitzbilder {Cass. Dio 69,

4, 5) und einander entsprechend gebildet, beidewaren lang bekleidet und durch das Zepterausgezeichnet, Koma trug nach Ausweis derMünzen auf der ausgestreckten Hand eine Vic-toria, Venus in gleicher Weise einen Amor;Nachbildungen der letzteren finden sich aufMünzen Hadrians ( Wissowa a. a. 0. S. 60 f.) undauf den Rhea-Silvia-Sarkophagen (erkannt vonC. Robert, Die antiken Sarkophagreliefs 3, 2,

5. 230 ff.). Die Vereinigung derselben beidenGöttinnen begegnet auch in einer Inschrift ausCirta CIL 8,6966 = Dessau 3181 Veneri Aug(u-stae) L. Julius L(ucii) f(ilius) ()(uirina) Mar-tialis IHvir, aed(ilis) et q(uaestoriae) potfesta-tis) simulacrum aereum Veneris cum aede suaet Cupidinibus ex hberalitate L. Juli Martialis patris sui, super aliam liberalitatim Romaeaeternae, quam Victoris fratris / su/i posuisset,dedit, dec(urionum) dec(reto).

Sonstige stadtrömische Heiligtümersind nach Alter und Bedeutung nicht näher zubestimmen, so der alte, nach dem Berichte desJulius Obsequens 8 [62] im J. 576 = 178 bei einerdie Eorumsgegend heiniBUchenden Feuersbrunstvollkommen niedergebrannte {sine ullo vestigiocremata) Tempel, ferner aus späterer Zeit dasbei Gelegenheit der Vermählung des Septimius

Severus mit Iulia Domna erwähnteAtpgoäioiovrd nara TO HaXaTiov {Cass. Dio 74,3,1), umvon dem apokryphen Zeugnisse Hist. aug. tyr.trig. 32, 5 Calpurnia . . ., cuius statuam intemplo Ventris adhuc vidimus acrolifham sedauratam abzusehen. Von einer Kapelle odereinem Bilde trug eine Straße der 12. Regionden Namen vicus Jenem almae {CIL 6, 976 =Dessau 6073; über die Lage Hülsen-Jordan,i lopogr. 1, 3, S. 198, 39; für das häufige Beiwortulma die Zeugnisse im Thesaur. I. I. 1 , 1703).Unter den Tempeln von Ostia , die im 2. Jahrh.n. Chr. P. Lucilius Gamala erbaute oder wieder-herstellte, befand sich auch einer der Venus,und zwar wird er unmittelbar neben dem desStadtgottes Volcanus genannt {CJIj 14, 3761.= Dessau 6147 [ijdem aedem Volcani sua pe-cunia restituit, [ijdem a/dtm Veneris sua pecu-nia constituit), stand also zu diesem wohl ini Kultbeziehung. Ein Tempel der Venus Ob-sequens ist 1894 auf dem Monte S. Angelo bei Terracina aufgefunden worden, gesichertdurch die Inschrift Kotiz. d. Scavi 1894, S. 102= Dessau 3169 a Dexter Veneri Obsequenti l.m. don. (vgl. auch ebd. S. 103 Carpinatia J'br-tuna a Veneri v. s. I. m.), wodurch nicht nurdie bisher verdächtigte tiburtinische InschriftCIL 14, 3569 Julia L. f. [G]ratil[l]a VeneriObsequenti d, s. I. m., sondern auch die unterdie / alsae von Terracina verwiesene CIL 10,866* ad Venere(m) Obsequente(m) ihre Recht-fertigung erhalten. Das Beiwort ist offenbardahin zu verstehen, daß Venus die Geliebtedahin Lringen soll, den Wünschen des Lieben-den willfährig zu sein {obsequi). Zahlreicheim Tempel von Terracina gefundene Weihge-schenke, die den Charakter von Spielzeug tra-gen, führen zu der Vorstellung, daß die Mäd-chen dort vor der Hochzeit ihr Spielzeug zuweihen pflegten {Ilelbiy, Führer 3 'i, 218, nr. 1516;vgl. unten). Wenn das Behr schlechte Scholiondes Serv. Aen. 1, 720 auch die Venus des vonQ. Fabius Gurges 469 = 296 erbauten stadtrömi-schen Tempels (oben Sp. 187) als Obsequensbezeichnet, so hat sie diesen Namen besten-falls nur im Volksmunde geführt, denn derGründungsbericht bei l.ivius 10 , 31, 9 erwähntihn nicht.

Im privaten Gottesdienste der Kai-serzeit spielt Venus eine verhältuismäßig be-scheidene Rolle. Wenn Trimalchio bei Petro»29, 8 in einem großen Heiligenschrein ( arma-rium) zwischen den silbernen Statuetten derLaren ein marmornes Venusbild aufgestellt hat,so heißt das doch wohl, daß er die Venus Ge-netrix des iulischen Hauses unter seinen Pe-naten verehrte. 1ersius 2, 70 erwähnt die derVenus geschenkten Puppen, und die Scholienergänzen das unter Berufung auf Varro dahin,daß die Mädchen bei der Verheiratung ihrePuppen der Venus zu weihen pflegten {Veneripupae, quas virgines nubentes donant; solebantenim virgines antequam nuberent quaedam vir-ginitatis suae dona Veneri consecrare, hoc etVarro scribit ); hier scheint Venus in jüngererZeit an dio Stelle der Herdgottheiten getretenzu sein, denen ursprünglich die Darbringungder Puppen galt (Schol. Cruq. zu Horaz sat. 1,