207
Venus
208
bonensis, Pannonien und Dacien sind sie spär-lich, zahlreich nur in Africa, Spanien undDalmatien . Ein Teil der hier gefundenen Wei-hungen rührt von Römern oder romanisiertenProvinzialen her und bewegt sich ganz im rö-mischen Vorstellungskreise, z. B. wenn in Apu-lum in Dacien (CJL 3, 1116 = Dessau 3174)ein haruspex col(oniae) der Venus Victrix prosal(ute) imperi et s(enatus) p(opuli)q(ue) B(o-mani) einen Altar weiht; ebenso sind zu be-urteilen die Weihungen an dieselbe Gottheitvon einem Veteranen in Napoca in Dacien,CJL 3,864 = 7663, und von einem vil(icux)hal(endarii) Septimiani in Savaria, CIL 3,4152= Dessau 7119. An anderen Stellen ist deut-lich die griechische Aphrodite gemeint, z. B.wenn auf der dalmatinischen Insel Schwarz-korkyra Signia Ursa Signi Symphor(i) f(ilia)templum Veneri Pelagiae a solo fecit et signumipsius deae posuiftj sae(erdote) L. CornificioSecundo Jc(alendis) Mais ( CIL 3,3066 = 10083= Dessau 3179). Aber in der großen Mehrzahlder Fälle tritt in den genannten Provinzen derName Venus offenbar als interpretatio Romanaeinheimischer Gottheiten auf. Am deutlichstenist das in Africa . Daß die Göttin, von der dienumidischen Städte Sicca und Rusicade ihreBenennung als colonia Veneria hernahmen, nichtdie römische, sondern eine orientalische ist,wurde oben Sp. 200 f. hervorgehoben. In dernumidischen Opferordnung von Aziz ben Tellisan der mauretanischen Grenze (CIL 8, 8246 f.= Dessau 4477. 4477a) erscheint Venus nebensicher einheimischen Gottheiten wie Saturnus,Nutrix und Testimonius mit dem Opfer eineragna oder (h)aedua; in Mactar in der Byza-cena. begegnet eine 80jährige sacerdos VenerisCIL 8,680. Wenn die Inschritt CIL 8, 16678zu Mustis in Africa proconsularis ein templumLiberi putris et Veneris bezeugt, so ist Venusvielleicht hier und anderswo dieselbe einhei-mische Göttin, die in der mauretanischen In-schrift CIL 8, 9016 als Libera neben dem Li-ber genannten, ebenfalls einheimischen Gottesteht (s. oben Bd. 2, Sp. 2029 f.); die Venus Ge-netrix aug(usta) der Inschrift bei Cagnat-Bes-nier, L’ann. epigr. 1911, nr. 11 ist wohl diedes stadtrömischen Tempels, ln Dalmatien wirddie Bezeichnung als Victrix bevorzugt, in Spa-nien heißt die Göttin vereinzelt domina ( CII ,2,1638L, lliturgicola in Baetica), häufig augusta.Wenn auf einem jetzt verstümmelten Reliefvon Italica (CIL 2, 1111) Venus (der Kopf er-halten) als eine Art Pronuba zwischen einemMädchen (Proftjis) und einem Jüngling (I'ufl-JIfijanus) erschien, so darf man es vielleichtdamit zusammenbringen, daß gerade in Spa-nien Martin von Bracara (f 580) in seiner Büß-predigt de correctione rusticorum unter anderenheidnisch-abergläubischen Bräuchen, vor denener seine christlichen Zuhörer warnt, auch dasVeneris diem in nuptiis observare nennt (c. 16).In Dacien tritt in den Bädern von Mehadia (ad Medias) Venus an die Seite des dort alsHeilgott verehrten Hercules (CJL 3, 1567). Eineigentümlicher Zufall, ater wohl nicht mehr,ist es, daß zweimal an ganz verschiedenen Or-ten Venus in Verbindung mit dem zslwviov,
dem Zollgebäude der Steuerpächter, erscheint,in der Africa proconsularis CIL 8, 12314 =Dessau 1664 Veneri aug(ustae) sac(rum). De-lius Abascanti Aug(usti) vil(ici) vic(arius) telo-neum a fundamentis sua impensa restituit et am-pliavit und in Halikarnaß, wo zwei actores {πραγ-ματενταί) eines Pächters {άρχώνης) der Quadra-gesima portuum Asiae το τελώνιον κα[1] abrαύτώ ατοάν ά[ττϋ | των θεμελίων κατεαχενααανxal την Αφροόίτην ίχρΰαωααν ( Dittenberger ,Or. gr. 626 = Dessau 8868). Zur Bezeichnungeiner syrischen Ba'alath ist Venus geworden inder Paarung mit Juppiter Ο. M. Heliopolitanusin Carnuntum {CIL 3, 11139 — Dessau 4286),meist in der Trias Juppiter Ο . M. Heliopolita-nus, Venus und Mercurius (über diese Trias s.P. Perdi izet, Compt. rendus de Vacadem. d. inscr.1901, S. 218 ff. L.Julabert, ebd. 19o6, S. 97 ff.),so in Athen CIL 3, 7280 Dessau 4284, Stock-stadt CIL 13, 6668 (aus dem J. 249 n. Chr.,von einem Cohortenpraefecten gesetzt; Venusführt den Beinamen Felix) und Nordafrica {Cagnat-Besnier, L'ann. eptgr. 1901, nr. 65).
Die von römischen Gelehrten versuchtenphysikalischen Deutungen der Göttin Venushaben durchweg ihre Identität mit der griechi-schen Aphrodite zur Voraussetzung und stützensich auf Kulttatsachen und Mythen der letz-teren. So hat Varro, wenn er im 16. Buche derAntiqu. rer. divin. ( frg . 62 Aguhd, Jahrb. f.Philol. Suppl. 24,219 aus Augustin, civ. dei 7,16) Venus mit dem Monde gleichsetzte, darinwenigstens für bestimmte Kultformen der Aphro-dite schon in Philochoros einen Vorgänger ge-habt (Macr. S. 3, 8, 3); eine andere Auffassungsah in ihr das Feuer verkörpert {Schol. Stat.Tlteb. 6, 66). Auf derselben Gleichsetzung be-ruht die Bezeichnung des Planeten Venus (z. B.CIL 6, 6056 unter den Planetenbasen vom Valdi Non bei Trient ) und des entsprechendenWochentages (die Zeugnisse bei G. Gunder-mann, /eitsehr. f. deutsche Wortforsch. 1 [1900],S. 183. W. Schürer, Zeitschr. f. neutestam. Wis-sensch. 6 [1905], S. 26 ff.), ebenso die Unterstel-lung des Monats Aprilis unter die tutela Ve-neris in den römischen Bauernkalendern (CIL1‘, p. 280 f. = 6, 2306 f. — Dessau 8746), welchedie Gleichsetzung der zwölf großen Götter mitden Zeichen des Tierkreises zur Voraussetzungbat(s. darüber Wissowa , Apophoreton der GraecaHulensis , 1903, S. 38ff.); an diese Verbindungder Venus mit dem Monat April knüpft dieEtymologie an, die Aprilis von άφρύς undAphrodite berleitet (oben Sp. 192). Griechischist wahrscheinlich auch die Benennung desbesten Wurfes im Astragalenspiel als Venusoder iactus Venerius (schon bei Plaut. Asin. 90 6hoc Venerium est; pueri, plaudite et mi ob iac-tum mulsum date·, vgl. Cic. de divin. 1, 23. 2, 48.121. Prop. 4,8,45. Horaz carm. 2,7,26. Suet.Aug. 71,2), obwohl der griechische Name Αφρο-δίτη erst bei Lucian {Amor. 16) belegt ist.Identifikationen der Venus mit anderen römi-schen Göttinnen, von denen Murcia , Cloacinaund Libitina bereits oben Sp. 187 f. erwähntsind, beruhen auf etymologischer Spielerei;so wenn man sie mit Venilia, einer alten Kult-genosein des Neptunus, gleicbsetztc ( Schol■