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Verticordia
Verticordia
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net ( Val. Max. a. a. O.; vgl. Plin. n. h. 7, 120= Solin . 1, 126, die den lieinamen Verticordianicht ausdrücklich nennen). Einen Tempel er-hielt dieselbe Göttin rund ein Jahrhundert spä-ter, ebenfalls auf Veranlassung der sibyllini-sclien Bücher, als im J. 640 = 114 ein be-sonders gräßliches Prodigium (die Tochter einesrömischen Ritters wird zu Pferde vom Blitzegetroffen und getötet vestimento deducto in-guinibus, exerta lingua, per inferiores locos ut iignis ad os emicuerit, Obseq. 37 [071; vgl. Oros.
5,15, 20 f.) auf schwere sittliche Verfehlungeneiniger Vestalinnen hinwies (Obseq. a. a. 0. Ooid.fast. 4,157 ff.). Daß der Stiftungstag dieses Tem-pels der 1. April war, darf man aus seiner Er-wähnung unter diesem Tage bei Ooid a. a. 0.schließen, wenn auch die übrigen Zeugen fürden Venusdienst dieses Tages, deren Angabenebenso wie die Ooids sämtlich auf VerriusFlaccus zurückgehen (vgl. H. Winther, De fa- sstis Verrii Flacci ab Ovidio adhibitis, Diss. lierol.1885, S. 21. 27), die Göttin nicht ausdrücklichals Verticordia bezeichnen. Der Tag, der indem Kalender des Philocalus den Namen Ve-neraha trägt und durch Spiele ausgezeichnetist (CIL 1*, p. 262), ist nach dem Zeugnisseder Steinkalender augusteischer Zeit ein diesfastus, gehörte also nicht zu den alten feriaepublicae, was zu der Angabe des Cincius defastis bei .1/ocr. S 1, 12, 12 stimmt, daß nullus sdies festus nullumque sacrificium insigne Veneriitn April von den Vorfahren eingesetzt sei,eine Angabe, die durch Verrius Flaccus ebd.
§ 15 dahin ergänzt wird: hoc die (nämlich am1. April) postea constitutum, nt matronae Ve-neri sacrum facerent Es liegt daher kein Grundvor, die Eestfeier des 1. April für älter zu hal-ten als die Gründung des Tempels der Verti-cordia, zumal die Pestbräuche zu der griechi-schen Herkunft der Verticordia stimmen. Nach 4Ooid (fast. 4, 133 ff ) wurde das Bild der Göttinvon den Prauen entkleidet und gebadet, dannwieder angekleidet und mit Blumen geschmückt;auch die Frauen selber badeten und bekränz-ten sich mit Myrten (vgl. Flut. Numa 19 xalταίρ χαΧάνδαιρ — nämlich des April — fcri-φανωμίναι al γνναϊχερ μνραίνη λούονται), auchtranken sie eine Mischung aus Milch, Mohn-saft und Honig (vgl. K. I Vyfi, Die Milch imKultus der Griechen und Hörner, RGW 15, 2, 5S. 12). Da die Myrte gewöhnlich aus etymo-logischen Gründen mit der (mit Venus identi-fizierten) Göttin Murcia zusammengobrachtwurde (Varro de I. I. 5, 154. Plin. n. h. 15, 121.Plut. Qu. Rom 20, vgl. Bd. 2, Sp. 3232, 54 ff.),haben die Feryi/scholien Murcia und Verticor-dia zusamraengeworfen und den Tempel derletzteren in die vallis Murcia , d h. in das Taldes Circus, versetzt, was keinen Glauben ver-dient, Sero. Dan. Aen. 8,036 (über die vallis 6Murcia ).. alii quod fanum Veneris Verticordiaeibi fuerit, circa quod nemus e murtetis fuisset,immutata littera Murciam appellatam. Für dieVenusfeier des 1. April ist es bedeutsam, daßdie Frauen außer der Venus auch der FortunaVirilis ein Weihrauchopfer (Ooid a a. 0. 145.150) darbringen, und zwar in den Bädern, dieFrauen niederer Stände und die Dirnen, die
auch für gewöhnlich die Männerbäder benutz-ten, in diesen; nach Lyd. de mens. 4, 65 W. ταΐςτοίννν χαΧίνδαιρ ΆπριΧίαιρ al οεμναΐ γυναικώνύπίρ buovoiag xal βίον αώφρονος έτίμων τηνΑφροδίτην, al di τον πλήΙΙονρ γνναϊχερ iv τ olgτων άνδρών βαΧανείοιρ ίΧονοντο TTübg &ερα-πεί ιν αντήρ μνραίνη έοτεμμέναι hat Mommsen(CIL 1 ! , p. 314) mit Recht die Notiz der prä-nestinischen Fasten zum 1. April folgender-maßen ergänzt: frequenter muli<res supplicantζ honestiores Veneri Verticordiae,} FortunaeVirili humiliores, etiam in balineis, quod iniis ea parte corporfisj utique viri nudantur,qua feminarum gratia desideratur, nur hatteVerrius Flaccus es gewiß deutlicher hervor-gehoben, daß alle Frauen das Fest durch einrituelles Bad begingen, das aber nur die un-terste Klasse von ihnen im Männerbade suchte.Da das rituelle Bad ebenso wie die Bekrän-o zung mit Myrten sicher mit dem Gottesdiensteder Aphrodite Venus Zusammenhängen, hat dieAnnahme W. Wurde Fowlers. (The Roman festi-oals 8. 68), daß das Fest ursprünglich ganz derFortuna Virilis gehört habe und Venus Verti-cordia erst später an ihre Seite oder an ihreStelle getreten sei, nichts für sich, eher liegtdas Verhältnis umgekehrt, zumal es an Zeug-nissen für ein höheres Alter des Kultes derFortuna Virilis fehlt (denn daß Plutarch Qu. o Rom . 71 ihn wie die meisten Fortunendienstefür eine Schöpfung des Servius Tullius eiklärt,hat nichts zu bedeuten) und die verhältnis-mäßig junge Einrichtung öffentlicher Bäder esverbietet, an ein sehr hohes Alter des Braucheszu glauben; eher kann man ihn mit der Ver-ehrung der Fortuna balnearis, CIL 2, 2701(= Dessau 3719). 2763. 6, 30708(= Dessau 3720).13, 6552 (= Dessau 2605), die auch Frontop. 157 bezeugt, zusammenbringen, indem dieo im Männerbade badenden Dirnen ihr Gebetanstatt an Venus an Fortuna Virilis im Sinneder Fortuna balnei virilis richteten. Auf dieVerbindung von Fortuna Virilis und VenusVerticordia geht wohl auch das entstellte Zeug-nis des Plutarch de fort. Rom . 10 fort δε xalπαρά τον τήρ ’Αφροδίτηρ ΈπιταΧαρίον βωμδνVfnpEvos Τήχηρ ίδορ, denn eine Aphrodite 'aufdem Korbe’ ist weder bezeugt noch verständ-lich, es steckt wohl die Άποοτροφία (oder allen-Ό falls ΈπιβτροψΙα , wie in Megara, Puusan. 1,40,6) dahinter. Daß am 1. April die meretricesebenso von ihren Verehrern beschenkt zu wer-den pflegten, wie am 1. März die Ehefrauenvon ihren Gatten, folgt aus Orid a. a. 0. 405 f.sine dies suberit natalis, sive Kalendae, quasVenerem Marti continuasse iucat. Zeugnissefür das Fortlebeu des Kultes der Venus Verti-cordia besitzen wir nicht, ihr Name wird nurin den erwähnten Zusammenhängen genannto (vgl. auch Sero. Dan. Aen. 1,720 est et Verti-cordia, est et Militaris Venus. Corp. gloss lat.5,682,40 Verticordia dea paganorum), daherentbehrten auch die Versuche, ihr Bild aufMünzen (namentlich den Denaren des M’. Cor-dius Rufus, Babeion, Monn, de la rep Rom . 1,383 f.; s. dazu F. Quilling, Die Juppitersäuledes Samus u. Severus, Leipzig 1918, S. 101 f.)oder Wandgemälden (Ifelbig, Wandgemälde S.