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Sechster Band. U - Z und Nachträge.
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221-222
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221 Vertumnus

praebeant ( Jordan , Hermes 16 [1880], S.. 123,dagegen Leo zu v. 470); die griechische Über-setzung Ntgotpiog (Corp. gloss. lat. 3, 290, 22Vortumnus Ergocpios, vgl. 3,8,37; 82,70 Vul-turnus Ikgocpios) läßt die genauere Auffassungnicht deutlich erkennen. Ein öffentlicher Kultknüpfte sich an das Bild im Vicus Tuscusnicht; einen solchen erhielt Vertumnus erstnach der Eroberung und Zerstörung seinerHeimatstadt Volsinii im J. 490 = 204. Daßer inter proelia Volsinii mit Rom vertauschte,bezeugt Properz (4, 2,3f.), und da im römi-schen Tempel des Vertumnus ein Gemälde denM. Fulvius Flaccus, der im genannten Jahre deVülsiniensibus triumphierte ( CIL 1*, p. 172),im Triumphalge wände, der toga picta, dar-stellte (Fest. p. 209 M.) , so ist damit der Zu-sammenhang gesichert. Nach dem Zeugnisseder Steinkalender (CIL l a , p. 326) lag der Tem-pel auf dem Aventin (in loreto maiore, fast.Vall.; vgl. Hülsen-Jordan, Topogr. 1,3, S. 162)und feierte seinen Stiftungstag am 13. August;das Zusammenfallen dieses Tages mit dem Stif-tungstage des Tempels der Diana auf demAventin ist sicher ebenso zufällig wie dasmit den natales von Tempeln des Hercules,Castor und Pollux und Flora (dies gegen Mer-lin, L' Aventin dans lantiquite S. 202). EineRolle in der volkstümlichen Religion hat Ver-tumnus nicht gespielt; die wenigen ihm gel-tenden Weihinschriften (CIL 10,129 = Dessau 3337, aus Potentia, und 12,6963, aus Narbo ,sind von ganz unsicherer Ergänzung und Deu-tung), von denen keine aus Rom oder Etru-rien stammt, sind weit verstreut (CIL 11, 4644 a,Tuder, Vertumno [voltum solvit /Restitjutus·,9, 6892, Ancona , Vertumno augusto sacrum Ka-rus A .... disp(ensator) v. s. ; 6,7236 = Dessau 3690, Segusio , Genio munic(ipi) Segu[s(ino-rum)J ex testam[e]nto Miniciae P. f. Sabinaede pecunia, quae superfuit operis Vertumni, C.Pinar(ius) Taurus heres f(aciundum) c(uravit);3,14206 *°, Philippi, deo Vertumno domino aramevotam Zipas Margulas v. s. I. m.) und inhalt-lich unergiebig; daraus, daß in Canusium zweilUIviri de munere gladiatorio ex s(enatus)c(onsulto) gleichartige Basen der Vesta unddem Vortumnus errichten (CIL 9, 326. 327 =Dessau 3316. 3689), läßt sich für die Auffas-sung des Gottes nichts gewinnen. Bei dieserSachlage besteht keine große Wahrscheinlich-keit, daß es gelingen könnte, in unserem Denk-mälervorrat Bilder des Vertumnus nachzuwei-sen. Nachdem eine Reihe früher auf Vertumnusgedeuteter Darstellungen von A. Reifferscheid(Annali d. Inst. 1866, S. 212 f., A. 2) mit vollemRechte für Silvanus in Anspruch genommenWorden sind, zeigt sich noch eine gewisse Nei-gung, göttliche Gestalten jugendlichen Alters,die Blumen oder Früchte im Gewandbauschefragen (z B. den lateranischen Antinous, Benn-dorf-Schoene, Antike Bildwerke des latcran. Mu-seums nr. 79 = Helbig, Führer durch d. Samml.blass. Altertümer in Rom 8 nr. 1152, oder die'on Helbig, Bull. d. Inst. 1877, S. 65 beschrie-bene Dresdener Bronze) Vertumnus zu nennen,obwohl dafür kein sicherer Anhaltspunkt vor-liegt und andere Benennungen (wie Bonus Even-

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tus) viel näher liegen. Ganz in der Luft aberschwebt die von L. A. Milani (Notiz, d. Scavi1884, S. 270 ff.) mit großer Sicherheit vorgetra-gene Deutung einer in Fossombrone (im öst-lichen Umbrien ) gefundenen und jetzt im Ar-chäologischen Museum in Florenz befindlichenhochaltertümlichen Bronzestatuette ( Milani,Museo topografieo delV Etruria S. 47. Amelung,Führer durch die Antiken in Florenz S. 258,nr. 260; abgebildet auch bei Martha, Larteirusque S. 321, n. 219), deren wichtigstes Attri-but ein von dem Gotte in der Hand gehalte-ner gekrümmter Stab ist, in dem Milani dieurundo des Fischers oder Vogelstellers sehenwill, welche Vertumnus nach Properz (4, 2, 33)und Ovid (metam. 14, 661) in einer seiner vielenVerwandlungsformen trägt. Aber einerseits las-sen andere Darstellungen desselben Typus, z. B.die noch ältere unter dem Lapis niger auf demrömischen Comitium gefundene Bronzestatuette,Rendic. d. accad. d. Lincei 1900, S. 300, fig. 7(vgl. auch eine aus dem Tiber stammende Blei-statuette im Thermenmuseum zu Rom , Helbig,Führer 5 nr. 1494) und die Notiz, d. Scavi 1892,S. 462 und 463 abgebildeten beiden Cippen(der erste auch bei Milani, Museo topografieo

5. 126), das Gerät deutlich als einen Lituus er-kennen, andererseits würde es, auch wenn eseine arundo (oder ein Pedum) wäre, für Ver-tumnus nichts beweisen; denn Properz und Ovid zählen eine so lange Reihe von Ausstattungs-gegenständen auf, die der Gott bei seinen zahl-losen Verwandlungen anlegt (z. B. die Sicheloder den Korb des Schnitters, das Schwert desSoldaten, das Plektron des Apollo, das Netzdes Jägers, den Treibstachel des Ochsentrei-bers, die Leiter des Obstpflückers usw.), daßes nicht angeht, aus der langen Liste einenbeliebigen herauszugreiten und an ihm denGott erkennen zu wollen. Die von Milani eben-falls zum Beweise seiner Deutung herangezo-gene Behauptung einer solarisch-apollinischenNatur des Vertumnus (er nennt den Gott auchusil-aplü) beruht auf ganz willkürlichen undunhaltbaren Voraussetzungen (vgl. auch C. Thu-lin, Die Götter des Martianus Capelia und derBronzeleber von Piacenza , RVV 3, 1, S. 62).

[Wissowa.]

Yeruuiensis, Beiname der Fortuna in einerverschollenen Weihinschrift von Aquileia , Cll.

6, 778 Dessau, Inscr. Lat. sei. 3717 a: For-tunae Veruniensi, imper(io = inssu deae) Octa-via Quinta l(aeta) l(ibens) p(osuit) [auf denSeitenflächen waren Opfergeräte, Patera undUrceus, dargestelltj. 0. Keüermann, Bull, dellInst. 1833, S. 42, nr. 204 hat die Besserung Ve-ronensi (von Verona ) oder Virunensi (von Viru-num in Noricum ) vorgeschlagen, von welchener die letztere vorzieht wegen der Verkehrs-verbindungen von Aquileia mit den Donau-ländern; Mommsen (CIL 5): V[i]runiensi. Vi-runum in Noricum (Zollfeld bei Klagenfurt inKärnten ) war also wahrscheinlich Heimat (do-mus) der Stifterin, die in der Fremde die hei-matliche Glücksgöttin verehrt hat (Fortutui do-mestica: CIL 3,4398. 1939. 1009, auch 13,5934und 14,6; s. o. Bd. 1 , 2, Sp. 1623 und PaülysReal-Encyclop., Neue Bearbtg. 7, 1 , Sp. 35). V>-

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