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zeigt. Das schmeichelte dem deutschen Nationalgefühl. Die großenGelder, die seine Treulosigkeit und seine Habsucht zusammenpreßte, holteer nicht bei den deutschen Fürsten und Völkern, sondern er ließ vondem Raub und Gewinn, den er an Fremden machte, seinen DeutschenVieles zufließen. Das stimmte viele Tausende für ihn. Aber bei alldem verhielt er sich zu seinem Vater, wie der römische Tiberius zu demgroßen Julius Cäsar. Und auch seine äußere Größe hätte er unstreitignicht erreicht, hätte ihm nicht sein Vater Alles vorbereitet und einge-leitet, und dazu Veteranen und Marschälle hinterlassen, welche sichunter ihm gebildet, und in welchen sein großer Geist nachwirkte. Aberwie andrer, so bleibe ihm namentlich auch der Ruhm unverkümmert:er war ein ächter Ghibelline, mehr als sein Vater, fern von jedemkirchlichen Vorurtheil seiner Zeit, der die Macht und das Ansehen desKaiserthrones wahrte gegen die Anmaßungen des apostolischen Stuhles,wie nur irgend Einer vor und nach ihm.
Der Abt Joachim von Floris in Calabrien, der Alles miterlebthatte, ein Prophet in seiner Zeit, hatte bei Heinrichs Leben noch geredetund geschrieben: „Die Kirche muß erniedrigt werden, und der Adlerseine mächtigen Schwingen über ganz Italien ausbreiten. Weil dierömischen Priester in ihrem Trachten nach weltlicher Macht und Ehredie wahre Freiheit der Kirche geopfert und Aergernisse gegeben haben,müssen sie ihren Hals unter den deutschen Kaiser beugen. Nicht deinWerk ist es, rief er dem Kaiser zu, sondern Gottes Werk, dessen Knechtdu bist, als Rächer der Schlechtigkeit. Darum beugt die Zuchtruthedeines Zornes die Kirche und die Völker; weil Gott es will, bist duder Hammer des Erdkreises."
Von der äußersten Spitze Siciliens bis an den Fuß der Alpenzuckte die Zeitung vom Tode Heinrichs Vl. wie ein frohes Zeichen all-gemeiner Erlösung. Kaum hatte Constantia den Todten im Dome zuPalermo feierlich bestattet, und Seelenmessen gestiftet für seine schuld-beladene Seele, als der langverhaltene Haß der Sicilianer in Spott-gedichten sich freien Lauf ließ, und die glühende Rache der Apulier undCalabresen ihren Dolch in das Herz manches Deutschen senkte, den sieheimlich oder vereinzelt überfallen konnte. Die deutschen Beamten undKriegsleute hatten keine sichere Stätte mehr auf dem fremden, mißhan-delten Boden. Sie flohen mit ihrem Raub und der Entsittlichungeiner lange auf fremde Kosten im eroberten Lande unterhaltenen Sol-