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Geschichte der Hohenstaufen / von Dr. Wilhelm Zimmermann
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Geißeln in des Kaisers Hand. Cremona, Modena, Pavia, Lodi, Ber-gamo hielten fest zu ihm. Ezelin siegte, wenn auch für sich, doch indes Kaisers Namen. Die Römer, denen der römische Stuhl großeSummen schuldete und die Zahlung nur theilweise leisten wollte, warendadurch und durch die Entfernung des päpstlichen Hofes wider den Papst;und bald darauf siegte die Gibellincnpartei Viterbo's über die dortigenWelsen. Die Städte des Lombardenbnndes waren durch innere Kämpfe,da der dritte Stand immer mehr zur Herrschaft sich hob, beschäftigt,und dadurch ihre Kraft nach Außen gelähmt. Mailand, das sehr anGeldmangel litt, erhielt nur von Piacenza, Genua, Novara und BresciaHülfe, als Friedrich den Kampf im Oktober wider es eröffnete, ihnaber nach einigen Vortheilen, die Enzio erfocht, schon Anfangs Novem-bers wieder fallen ließ. Es sollte fürs Erste nur ein Zeichen sein,daß er trotz des Lyonerfluchs noch Kaiser sei.

Ihn: lag jetzt Anderes näher, als die Eroberung Mailands.

In seinem bisher befolgten Systeme war, seit der Entscheidungvon Lyon, eine große Veränderung vorgegangen. Friedrich hatte bis-her den Bund mit dem freien religiösen Geiste der Zeit verschmäht, undden Lombarden, die klüglich, trotz ihrer religiösen Freisinnigkeit, sichzur Stärkung zeitweise mit dem Papstthum fest verbanden, in dieserKlugheit der Benützung auch fremdartiger Kräfte nicht nachgeahmt. Jetzttrat Friedrich als Beschützer des freien religiösen Geistes,als Schirm und Freund derKetzer" offen auf. So weit warder Kaiser gebracht. Dieser Schritt um dreißig Jahre früher, unddie Welt war eine andre jetzt, und sein großes Leben für ihn nichtverloren.

Zuerst schrieb er an die Könige, Fürsten und Völker der Christen-heit unter Anderem:Kein Papst kann das Kaiserthum geben odernehmen, Könige und Fürsten über weltliche Dinge strafen, Unterthanenihrer Eide entbinden. Er kann so wenig einen Kaiser absetzen, als einanderer Bischof einen König oder Fürsten darum absetzen kann, weiler ihn salbt und weiht. Weltkundig nennt der Papst, was ich verneine.Seit wann ist das Kaiserwort so herabgekommen, daß es nichts giltgegen die Behauptung eines Priesters? Jnnocenz's IV. Verfahren recht-fertigt jetzt die Winke, die ich euch so oft über die Anmaßungen undden Uebermuth dieser Päpste gegeben. Ich bin nicht der Erste undwerde auch nicht der Letzte sein, den der Mißbrauch des Pricsterthums