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F. M. Stapfp:
Wärme lebensgefährlich sei; andere, dass bei guter Ventilirung der Aufent-halt in trockenen Bäumen bei 50° unschädlich sei.
Hören wir, was in dieser Unbestimmtheit die Physiologie zu rathenwusste. Hr. du Bois-Keymond schrieb mir unter dem 24. und 27.Februar, sowie unter dem 22. März d. J. Folgendes: „Die Frage, die Siean mich richten, ob glaublich sei, dass Menschen und Arbeitsthiere auchnoch bei einer um 10° höheren Temperatur würden arbeiten können, alsdie, bei der Sie gegenwärtig im Ootthardtunnel es aushalten (30°) istnicht glattweg zu beantworten, sondern die Antwort hängt von Neben-umständen ab.
Die Erfahrung hat schon sehr früh (vor hundert Jahren in England).gelehrt, dass Menschen ungeheuer hohe Temperaturen, ja die des sieden-Iden Wassers vertragen, wenn die Luft trocken ist. Das Gesichtröthet sich, perlender Schweiss bricht aus, und bei seinem Verdampfenwird soviel Wärme gebunden, dass die Temperatur des Körpers sich nurwenig über die Norm erhöht. Freilich muss gesagt werden, dass insolchen Versuchen die Personen sich nur kurze Zeit den hohen Tempe-raturen aussetzten und sich ruhig verhielten.
Versuche der Art sind seitdem vielfach an Thieren mit gleichemErfolg wiederholt worden. Dabei ist von Kosenthal 1 z. B. festgestelltworden, dass die Temperatur von Kaninchen in Luft von 36° C, die sienur durch ihre eigene Ausdünstung feucht machten, bis zu 42 0 stieg,ohne dass das Leben der Thiere auch bei längerer Fortsetzung des Ver-suches gefährdet war. Bei Temperaturen bis zu 40° stieg die Temperaturdes Thieres schnell bis zu 45 °, die Thiere lagen in äusserster Erschlaffungda und suchten instinctmässig eine Lage, bei der sie am meisten Wärmeabgeben konnten; unter diesen Umständen trat äusserst leicht der Tod ein.
Bemerkenswerth ist, dass ein so behandeltes und mit dem Lebendavon gekommenes Thier mehrere Tage hinterher stets eine niedrigereTemperatur als die Norm zeigt. Die Physiologen erklären dies dadurch,dass die Musculatur der Hautgefässe dauernd gelähmt wird, so dass durchdie erweiterten Gefässe mehr Blut in der Zeiteinheit strömt und diesBlut in grösserer Oberfläche mit der Aussenwelt in Berührung kommt.
Sie sehen, dass sich aus diesen Versuchen für Sie zunächst derFingerzeig ergeben würde, sich nicht mit Temperaturmessungen vonGestein und Luft zu begnügen, sondern auch Temperaturmessungen an/ den Mannschaften anzustellen. So lange deren Temperatur nicht über40° steigt (was schon einer tüchtigen Typhusfieberhitze entspricht) könnteman die Sache mit ansehen. Wenn sie sich schnell über 40° erhöbe, möchte
1 Zur Kenntniss der Wärmeregulirung bei den, warmblütigen Thieren. Er langen 1872.