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Studien über den Einfluss der Erdwärme auf die Ausführbarkeit von Hochgebirgstunneln / von F. M. Stapff
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P. M. Stapft? :

Die meisten Gotthardtunnelarbeiter sind Piemontesen und an-dere Italiener, von denen jedoch nur die professionellen Bohrmaschinen-arbeiter, Mineure, Maurer u. s. w. ständig bleiben, während die un-gleich grössere Zahl derManOeuvres kommen und gehen; namentlichden Winter bringen sie gerne in ihrer Heimath zu.

Die normale Arbeitszeit von 8 Stunden ist zumal bei den inPrämienaccorden arbeitenden Bohrmaschinen- und Schutterposten weitenSchwankungen unterworfen. Da bei regelmässigem Arbeitsgang sowohldas maschinelle Ahbohren der Löcher als das Abschiessen und Beräumengegenwärtig je nur 24 Stunden beansprucht, so verrichtet in derRegel jeder Maschinen- und Schutterposten, ohne auszufahren, je 2Schichten nacheinander, sei es an 2 verschiedenen Arbeitspunktendes Tunnels, sei es an demselben. In letzterem Falle, welcher gegen-wärtig Regel ist, ruhen die Maschinenarbeiter während der Schutte-rung und nehmen sodann ihre Arbeit wieder auf; und umgekehrt dieSchütterer. Die Dauer des Aufenthaltes beträgt daher 1214 Stunden.

Wenn immer möglich suchen die Leute mit den Zügen ein- undauszufahren; auf der Göschener Seite gegenwärtig (März) bis circa 3600 m(bez. 2600 m ); auf der Airoleser bis 4100 m vom Portal. An diesen Punktenlassen die Angestellten meist ihre wärmeren Kleidungsstücke zurück;die Arbeiter aber entkleiden sich gewöhnlich erst nahe den Arbeitsstellen,viele bis auf die Stiefeln. Bei der Rückkehr ist an den erwähntenHaltestellen der Locomotiven meist Zeit genug zum Ausschnaufen, all-mählichen Abkühlen, mehr oder weniger gründlichen Umkleiden. Wäh-rend der Ausfahrt wird aber der rasche Temperaturwechsel (besondersim Winter) doch sehr fühlbar, und ich glaube, dass es der Gesundheitzuträglicher ist die 34 km hinauswärts gemächlich zu Fuss zurückzu-legen als in 1 / 4 1 / 2 Stunde mit der Locomotive fahrend.

Ueber den Einfluss der Tunnelarbeit auf das allgemeine Befindenhabe ich an mir selbst, an Angestellten und an Arbeitern folgende Wahr-nehmungen gemacht. Leute, welche seit Beginn des Baues täglich (mitunwesentlichen Unterbrechungen) ihre Tunnelarbeit verrichtet, und sichallmählich an die steigende Temperatur gewöhnt haben, hört man überletztere nur unterhaltungsweise klagen, ungefähr wie Bauern über starkeSommerhitze. Die meisten aber haben ein schwindsüchtiges Aussehen(besonders die Feuerwerker, Schütterer und Maurer) und ihre Lebens-dauer dürfte verhältnissmässig kurz sein. Dies gilt jedoch von allenBergleuten und ist wohl weniger auf Rechnung der hohen Temperatur alsauf die der matten Luft, der Sprenggase und des Gesteinstaubes zu setzen.Welche verderbliche Wirkung letzterer auch auf die Bohrmaschinen-arbeiter ausübt, die doch in verhältnissmässiger Kühle frische Luft athmen,