Einfluss der Erdwärme bei Tunnelbauten.
137
kanal, so lassen sich alle zusitzenden Wässer leicht und in geschlossenemStrome mit kleiner Oberfläche abführen; selbst grössere fliessende Wasser-massen machen aber dann die Luft nicht so feucht als kleine, welchevon grossen Flächen, Schmutzhaufen u. dergl., verdunsten. Man vergessenicht, dass in ganz trockener Luft eine 10° höhere Temperatur ertragenwerden kann, als in ganz feuchter!
Die Schwierigkeiten, welche guter Ventilation in den Aufbrücheneines mit Sohlenstollen betriebenen Tunnels entgegenstehen, unterschätzeich gar nicht. Doch scheint mir, als ob die Tunnelbau-Ingenieure nochgar wenig studirt hätten, was man bei Bergbau mit systematischerVentilation meint, und wie man dieselbe ausführt. Planlos hingestellteAspiratoren oder Ventilatoren, oder hier und da geöffnete Hähne derDruckluftleitung sind Palliative, aber gewiss keine Ventilationssysteme.Beim Tunnelbau macht Ausarbeitung und Einführung eines solchen ingewisser Beziehung grössere Schwierigkeiten als beim Bergbau, weil beiersterem alle Arbeitsräume viel rascher ihre Lage ändern, weshalb diepermanenten Einrichtungen (Wetterscheider, Wetterthüren, Lutten, ganzeTragwerke u. s. w.) auch wandelbarer werden. Handelt es sich aber umTunnels mit zehnjähriger oder längerer Bauzeit, so muss auch die Ven-tilation in ein verständiges System gebracht werden, während bei kleinenTunnels für das Bedürfniss des Tages bestimmte Nothbehelfeinrichtungenoft ausreichen. Beim Bergbau hat die schwierigere Ventilation vonPirstbauten deren allgemeiner Einführung lange entgegengestanden, —.aber dennoch hat der Firstenbau gegenwärtig in fast allen gut bewirth-schafteten Gangbergwerken den ehemaligen Strossenbau verdrängt; eslässt sich voraussehen, dass ebenso bei allen grossen und schwierigenTunnelbauten der Sohlenstollenbetrieb den Firststollenbetrieb allmählichverdrängen wird.
Die Ausführung eines heissen Hochgebirgstunnels würde dadurchsehr erleichtert werden, dass man den Tunnel beiderseitig so weit hineinfertig stellt, als die Wärme ohne grosse Schwierigkeiten zulässt, d. h.bis dieselbe etwa 30° erreicht. Die fertigen Tunnelstücke lassen sichdann mit Leichtigkeit ständig und kräftig ventiliren, so dass sie selbsthinten gesunde und verhältnissmässig frische Aufenthaltsorte gewähren.Von diesen, als Ausgangspunkten, wäre der Sohlenstollen durchzu-brechen, zunächst ohne irgendwelche Erweiterungsarbeiten. Die eigent-liehe Schwierigkeit wäre damit auf Kühlhaltung einer Strecke von etwa100 m reducirt. Nach vollendetem Durchschlag lässt sich die ganze nochzu vollendende Tunnelstrecke sicher, leicht und vollkommen ventilirenund (durch den das ganze Tunnelprofil einnehmenden Luftstrom, beson-