69
sondern in Sätzen, wenn auch ganz kurzen, bestehen, sindbis jetzt nur folgende zwei bekannt, die zugleich Proben bur-gundionischer Runenschrift sind: gunthious . uithuluf hag.
h. Gundious (der Burgundionenkönig Gundioch oder Gun-deuch). Uithuluf schnitt (das Gepräge), und: unthfanthai.1( idan. kiano. Fusia. d. h. Helden schritten (schreiten) kühnv °ran. Fusia (der Verfertiger oder Besitzer). Der erste Satzl8 t die Aufschrift eines mit Oehr versehenen und als Schmuckgetragenen Goldbracteaten, der bei Broholm auf Fünen gefundenWurde 1 . Der zweite Satz, ein Sprichwort, das kriegerischenSinn athrnet, steht als Inschrift auf der Rückseite einer theil-nreise vergoldeten Silber - Spange aus dem burgundionischenGrabfelde von Charnay in der Bourgogne 2 * .
Was nun den Charakter der Sprache der Burgundionenbetrifft, hat man behauptet, dieselbe habe, gemäss der ur-sprünglichen und der spätem Nachbarschaft des Volkes mitdem der Gothen, nähere Verwandtschaft zur gothischen alsZUl ' althochdeutschen®, oder umgekehrt, das BurgundionischeSei ein mit dem Alamannischen mehr als dem Gothischenverwandter Sprachzwcig 4 . Ein Zusammenklang der burgun-dionischen Sprache mit der altgermanisch - gothischen ist nunz "War im Grossen und Ganzen, wie in Einzelnheiten nicht zuverkennen 5 , und schon aus der ursprünglichen Stammverwandt-Sc haft und Nachbarschaft beider Völker vorauszusetzen 6 ;
1) Dietrich in Haupts ZS., neue Folge 1,1 S. 49 ff. und Wackernagel S. 376.
2) Dietrich a. 0. I, 1 S. 105 —123 „Die burgundionische Hunen-^hrift von Charnay,“ und Wackernagel S. 360 f. 365 f. 374 f. 376 f.
adot S. 49 ff. ist über diese Inschrift von dänischen Gelehrten falsch“dichtet. Abbildungen s. bei Baudot PI. XIX und Le Blant 1. Prof. CXLYI.
3 ) Grimm S. 708, befolgt von Derichsweiler S. 7. 147. 150, wider-sprochen von Dietrich a. 0. S. 113 und Wackernagel S. 334 f. 336. 338.
> vgl. Bröcker S. 61. Daguet S. 37 meint gar: Les Burgundes parlaicntn dialecte tres peu different de la langue gothique.
U Dietrich a. 0. S. 122, widersprochen von Wackcrnagel S. 353. 359.
5) Wackernagel S. 336. 338. 375.
^ 6 ) Nach Türk II. 7 würde Procopius die Verwandtschaft der Sprache
Burgundionen mit der gothischen bezeugen; Procopius BV. I, 2reibt jedoch lediglich den Vandalen, welchen Plinius die Burgundionenß. er< h n gs beizählt, gothische Sprache zu. Troya II, 1 App. S. 61 erklärt8 aus einer spätem Verschmelzung der Vandalen mit den Gothen und