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XII. Die alamannische Occupation des oberrhei-nischen Grenzlandes und die gleichzeitige bur-gundionische der Maxima Sequanorum, 472.Definitive Gestaltung der Landtheilung nachdem Untergange des Westreiches.
Abweichend von der heutzutage ziemlich allgemein an-genommenen, jedoch unhaltbaren Ansicht, wonach die Ala-mannen bereits im J. 407 vom oberrheinischen Grenzlande bisan die Alpen bleibenden Besitz genommen (S. 292 ff), lasseneinige ältere schweizerische Historiker dieselben bei demVölkereinbruche vom Jahre 407 zwar auch die Schweiz heim-suchen, jedoch erst um 450 die Ostschweiz bleibend besetzen,sei es durch Eroberung in Eolge der Ermordung des Aetius,dieses bisherigen Schreckens der Barbaren 1 , oder vermögeeines Anschlusses der Landeseinwohner an die Alamannen 2 .
Einer oberflächlichen Betrachtung könnte es nun in derThat scheinen, der Hergang der definitiven Niederlassung der
1) So Rhenanus I. 116.
2) Suioer Chronol. helv. I. 18 f. 20 sagt zum J. 450 im Texte: Tiguriniorientalem Ilelvetiam inhäbitantcs pertaesi iugum Romani imperii exeutiuntet Alemannis se adiungunt, in Note: Tigurini Alemannis adiuncti orientalemHelyetiam, Ursa, Rheno et Alpibus contentam, incolunt. Quae parsHelyetiae prius ad Rbaetos pertinebat. Die Bezeichnung der Osthelvetierals Tiguriner ist jedenfalls unrichtig (sie gründet sich auf die falscheMeinung, Zürich habe Tigurum geheissen), ebenso die geographische An-gabe im Betreff Rätiens. Nach Ptolemäus war Rätien im Westen, alsogegen Helvetien und Südwestgermanien, durch das Adulagebirge und durcheine zwischen den Rhein- und Donauquellen gezogene Linie abgegrenzt.Vergl. Walckenaer II. 63. Später war Pfyn an der Thur unter demNamen Ad fines oder Finibus Grenzpunct zwischen dem helvetischenTheile der Maxima Sequanorum und der Raetia I. Vergl. Valesius NG.S- 611, Walckenaer II. 390. 492 f., Ukert II, 2. 490. 496 und BückingII- 804, der übrigens II. 443 die Zweitheilung der Raetia erst unter Con-stantinus gemacht glaubt. Suicers Ansicht kehrt, obwohl entstellt, beiMaldkirch Eydgen. Bunds- und Staatshistorie I. 63 in folgender Fassungwieder: die Zürcher, d. h. die Bewohner des Zürichgaues, hätten sich imJ. 450 freiwillig zu den Alamannen geschlagen, nachdem von diesen imJ. 440 Helvetien vom Rhein und Bodensee bis an die Thur oder derThurgau erobert worden sei. Ohne nähere Zeitbestimmung nimmt nochN. Studer Gesch. d. physik. Geogr. d. Schweiz S. 37 einen Anschluss derOsthelvetier an die Alamannen an.