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Um der im Obigen entwickelten Ansicht beipflichten zukönnen, muss man freilich den dreifachen Irrthum fahren las-sen, vermöge dessen behauptet wird: 1. das Oberland sei vordem 8. Jahrh. n. Chr. noch eine Wildniss ohne Bevölkerungund ohne Geschichte gewesen * 1 ; 2. die Burgundionen seien Wen-den, nicht Deutsche gewesen 2 ; 3. ebendieselben, in der Stärkevon nur 80,000 Mann über den Rhein gekommen (angeblich 407bis 41S) und später durch Niederlagen an Mannschaft ausser-ordentlich geschwächt, seien nicht in genügender Anzahl vor-handen gewesen, um auch das Gebirge zu bevölkern 3 .
Den ersten Punct betreffend, hat die übel ignoriertearchäologische Forschung schon für die Bronzezeit Bevölke-rungsspuren im Oberlande aufgewiesen und den auf dasselbeangewendeten beschränkten Grundsatz: quod non est in scri-ptis, non est in mundo, widerlegt 4 . In Betreff des zweitenPunctes auf den im Frühem (I. 35 f. N. 5. 64 ff.) geleistetenBeweis des Gegentheils verweisend, haben wir über den drit-ten Folgendes zu bemerken. Vorerst gilt, wie schon gezeigtist, jene Zahl von 80,000 Mann nur von einem partiellenAuftreten der Burgundionen am rechten Rheinufer im Jahre370 (I. 237— 253). Wenn aber schon damals, als es sich nurum einen Zuzug Waffenfähiger handelte, die Burgundionenin solcher Stärke auftraten, so lässt sich für den Zeitpunct
I. 85 (freilich mit einem: man will wissen), die Burgnndionen seien vonden Ufern der Loire bis an die Grimsel herrschendes Volk geworden.
1) Burckhardt im ASG. IV. 115, dessen Ansicht hei WurstembergerI- 31 f. 172. 211 f. 260. 314. 352 gemildert, jedoch nicht ohne Selbst-widersprueh (s. besonders I. 315 N. 7), wiederkehrt. Ganz gemäss derBurckhardt’schen Theorie wird noch im Hist.-geogr. Atl. von J. C. Vöge-lin n. s. w. das Berner Oberland unter den falschen Namen Oechtelandia,Uechtland, als Wüste bezeichnet (s. oben). Wie Billiet im Sinne dieserTheorie Gregor von Tours missbraucht, s. oben S. 386 Not.
2) Wurstemberger I. 186. 209.
3) Burckhardt a. 0. S. 115.
4) Vgl. unsern Aufsatz im „Bund“ 1864 N. 282—84 „Römerspurenim Berner Oberland“, und das Schriftchen „Die Gräber auf dem Moos-bühl bei Matten“ (Interlak. 1866) S. 14. In einer andern Richtung wirdvon Bordier Le Grütli et Guillaume Teil S. 19 wider obigen Grundsatzmit Recht protestiert,