Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
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äußern Anstrich, glauben, ist der wahre Erbfeind eines veredeltenCharakters; vorlaut, sagt sie ihre gemeinen Gedanken Platt heraus ohneRücksichten, egoistisch, gibt sie sich pöbelhafter Unbescheidenheit hin,und widerspricht man ihr noch so fein, so wird sie in Ermanglungdes Geistes, oder im Gefühl ihrer Jnferiorität grob bis zum Schimpfen.Die Gemeinheit bezieht Alles nur auf sich, spricht nur von sich, undweiß gar nichts von Schonung zarter Verhältnisse, trüber Stimmung,verwundbaren Seiten und unglücklicher Lage, so wenig, als von Fein-heit der Ausdrücke; Gemeinheit bei Gelehrten ist noch schlimmer, weilihr Wissen sie verhärtet, daher die Gemeinheit in Kritiken und Auti-kritikeü; am grellsten aber zeigt sie sich unter Honoratiorcs kleinerOertchen und Dörfer. Der Titel „ehrsam" und „bescheiden" ist be-kauntlich nur für Handwerker.

Doch es wäre zuviel verlangt, da nrbanitss zu verlangen, wo keinenrbs ' ist, und einem offenen, jovialen, gebildeten Mann bleibt nichtsübrig, als sich zurückzuziehen, oder sich nie anders zu zeigen, als inder eisernen Maske kalter Höflichkeit, wenn er Charakter hat. Ichhabe in und mit der Welt gelebt, und — gefallen. Gott wird mirmehr als Andern zu gut hallen, denn man ist mir entgegengekommen,daher brauchte ich niemand zu verführen, daher muß er mir auch dasHagenstolziat in Gnaden verzeihen; aber, wäre ich nicht stets Herrmeines Temperaments gewesen, so säße ich längst auf dem Hund.Folglich darf ich mich rühmen, Charakter zu haben, der freilich immer einbischen an Eigensinn zu grenzen pflegt. Und was sind alle Charakter-schwächen und Fehler guter Menschen gegen gewisse tief gesunkene,unverschämte und hinterlistige Schandcharaktere? Glücklich, wer sienicht aus eigener Erfahrung kennen lernen mußte!

Gutmüthige, lustige Menschen pflegen aus ihrem Charakter garkein Geheimniß zu machen, so lange sie nicht Klugheit oder Absichtenzum Gegentheil nöthigen, vorzüglich, wenn sie der Welt entsagt undsich zum wahren Welthumor erhoben haben. Man verzeiht ihnen leicht;wer sie kennt, nimmt ihnen nichts übel, und weiß stets, wie er daranist; Männchen aber, die stets das: „Es ist gegen meinen Charakter,"im Munde führen, haben gerade keinen Charakter; sie verstehen näm-lich darunter Rang und Titel, und zu Wien kann man von jedemk. k. Kopisten hören: „Es ist gegen meinen Charakter, denn sie sindja auch Herren von —." Mit diesem erhabenen Wort wird solcher

i Großstädtische Feinheit. — Großstadt.

Demokntos. III.

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