Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
111
JPEG-Download
 

111

erde; aber unsere größten Freunde der Milchspeisen oder Käse würdendanken für eine Suppe Frauenmilch oder den eromor laotis' einerSäugamme. Wer sich einmal an einer Speise Ekel gegessen hat, em-pfindet ihn schon beim Anblick derselben, und eine tüchtige Indigestion,die mein armer Göttingcr Magen an einer reichen Banquierstafel zuGenf sich holte, vergißt sich nicht so leicht; Manche haben schon laxirt,wenn sie bloß ein Laxirmittel gerochen, oder neben einem ApothekerPlatz genommen hatten. Wer in der Nähe von Fleischbuden in denHundstagen wohnt, kann bei sehr mäßiger Imagination Ekel vorFleisch bekommen, wie ich bei der ersten Hinrichtung, die ich sah —der Dampf des Blutes bewirkt Ohnmacht, und selbst Thiere scheuen.In den Seestädten bekommt man gar leicht Ekel vor den besten See-fischen über dem Kanal - und Fischmarktgcstank, und dem Gestank derFischweiber selbst. Der größte Sauerkraut- und Pöckelfleischlicbhaberwird es satt auf einer langen Seereise, und Manche springen beiGewittern herum wie die Marder, und schreien über Kätzchen zwischenden Füßen wie Spitzmäuse.

Der vegetabilische Hindu schaudert vor allen Blut-, Fleisch- undFcttgerüchcn, und Hakler, den der stinkendste Verwesungsgeruch derAnatomie nicht verscheuchen konnte, floh die Ausdünstung alter Leute,und Käse- und Aepfelgcrüchc. Manche, die Tabaks- und Affandgcruchvertragen, zittern vor Ambra und Bisam. Es gab Männer, dieFrauenzimmergcrnch nicht leiden konnten; umgekehrte Fälle sind miraber nicht bekannt, dafür die lächerlichsten Idiosynkrasien, in denenManche etwas Vornehmes finden, wie unsere Zierbcngcl in der Kurz-sichtigkeit, und eine gewisse Dorfdame in Vcrabscheuung des Tabaks-rauches, daher ich mehr als gewöhnlich dämpfte. Viele, denen esimmer im Kopf läutet, wie in einem Kirchthurme, oder in ihren Ohrenklingelt, wie am Hochaltar, haben in der That schwache Nerven undmein ganzes Mitleiden.

Viele unterliegen dem Geruch stark ausdünstender Blumen, wieLilien, Geißblatt, Lila, Violen, und in der That kann Florens sounschuldiges Gefolge, wenn es zu zahlreich ist, die Zimmerluft iu Giftverwandeln. Es scheint, wir haben von der Wirkung der Ausdünstungennoch nicht Erfahrungen genug gesammelt, und wenn feuchte Luft undNebel unsere Launen verstimmen können, warum sollten es die Aus-dünstungen gewisser Menschen nicht auch können? Die Alten bekränztensich mit Veilchen und Rosen den Kopf, wie die Brust, die der Nase

t Milchrahm.