Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
128
JPEG-Download
 

128

Wer daher ganz sicher sein will, muß das Diancnbab zu Wiennehmen, wenn dessen Inschrift richtig ist:

Tritt ein, scheu nicht der Göttin Zorn,

Fiirchl' nicht Actiions Wuiidcrhorn,

Bringst du von Hause kein Geweih,

Hier bist du dieser Sorge frei.

Die höhere Welt hat Mittel, und kann thun, was sie will, aberdem Mittelstände, der weniger Mittel hat, trotz des Namens, wärezu rathen, den Großeltern nachzuahmen, die ohne Bäder gesünder undreicher, züchtiger und froher waren, und eine Ehre darein setzten, auchetwas mehr zu hinterlassen — als Schulden. Fast jede Familie vongutem Ton glaubt jährlich eine kleine Badefahrt nothwendig, und dieWeise der Vätcr, vierzig Tage zu fasten, hat sich umgewandelt invierzig Tage zu baden, und dann allenfalls zu Hause zum Schaden-ersatz etwas zu fasten, aber man kann auch zu viel glauben. Fastjedes Bad hat seinen Panegyricus (Lobredner). Es ist ein großerUnterschied zwischen Wasser und Wasser, wie Jeder begreift, der etwaeinmal von einem Küchen- oder Kammerfenster aus bedient wordenist, und neue Bäder heilen; die Geheilten werden genannt, dre Un-gcheilten schleichen stille fort. „Wasser thut's freilich nicht," sprecheich mit Dr. Luther, schlage aber Entfernung von verdrießlichen Ge-schäften oder Familienverhältnissen, Bewegung, Luftveränderung,besseren Tisch als der gewöhnliche, und bessere muntere Gesellschaftso hoch und höher an als das Wasser.

Unsere Zeit dringt auf Mcnschenkcnntniß, die auch nie nöthigerwar, und welche Orte wären geeigneter dazu als große Bäder, geradewie große Reisen? Hier finden sich die meisten Kranken, mehr mora-lischer als Physischer Natur, und Originale aller Art, gerade wie ge-wisse Pflanzen, die nur im Wasser fortkommen. Wer sich zum welt-verachtendcn Humor emporgeschwungen hat, ärgert sich über keinOriginal und keine Copie der höheren Welt: sie machen ihm geradedie angenehmste Diversion, und wer über seinem Humor den Gesell-schaftston nicht vergessen hat und sich zu insinuiren weiß, ist nirgendswobesser in den leidigen Hundstagcn, als in einem großen Bade, undlernt da mehr als im berühmtesten Hörsaale. Wenn auch einer seineNase nach der St. Michelsspitze richtet, so denkt der Mann von Welt:„Das ist vielleicht ein Eingeborner, der nicht weiß, daß die Welt nurlacht über die Michel!"

In der Regel ist aber jedem Flußanwohner die Nymphe seines