Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
239
JPEG-Download
 

239

Nürnberg der Raubritter Eppclcin von Geylingcn zurückließ, als erüber den Stadtgraben hinwegsetzte, und noch 1659 verweigerte mandem Physiker Tanncr zu Junspruck ein Grab in geweihter Erde,weil man in seinem Mikroskop einen haarigen Teufel entdeckte, unddas war ein Floh. Noch 1804 versammelte ein cölnischer KrämerEngclbcrg Teufelsbcschwörer, die vom Teufel 14,000 Millionen hcr-ansprcsscn wollten, halb zum Besten der Armuth, halb zum Bestendes Bundes; jedes Mitglied erlegte 41 Thaler Zwanghaltcr fürMessen; der Teufel erschien, warf immer nur Briefe hin bald vollZweifel, ob die Glieder vollen Glauben hätten, bald voll Vorwürfeüber gebrochenes Schweigen; die Zwangsthalcr mußten so immer vonneuem bezahlt werden, Manche zahlten viermal, thut 164 Thaler.Die Obrigkeit entdeckte erst den Bund, als Herr Engclbcrg die dreißigMitglieder schon um 3 — 4000 Thaler geprellt hatte. Um dieselbeZeit beteten Bauern in Franken das Christophclsgebet. Der Betrügererschien im Costüm des Teufels, und warf stets Nürnberger Rechen-pfennige hin, die aber bis zu einer gewissen Summe in einer ver-schlossenen Kiste aufbewahrt werden mußten; man lebte ungefähr eineVierteljahr in Saus und Braus, bei Eröffnung der Kiste aber fandman nur Nürnberger Dukaten; der Betrüger war jenseits des Meeres,und die Bauern alle concursmäßig.

Es gibt eine Magie, von der aber das liebe Ins selbst noch zur ZeitHerrn Kochs nichts wußte, der eine weise oder natürliche Magie, ge-gründet auf geheime Kräfte der Natur, und eine schwarze, gegründetauf den Teufel, annimmt, und Fencrstrafe erkennt — nämlich die Machtder Schlanköpfe über Dummköpfe, die Cagliostro (wahrscheinlich einportugiesischer Jude) meisterhaft verstand und noch im 18ten Jahr-hundert übte. Unsere Fakultäten, alle vier, dürften Cagliostro's Wclt-und Menschenkcnntniß beneiden; seine Gräfin Scraphina stand ihmtreulich zur Seite und er war wahrscheinlich ein Werkzeug in Jesuiten-hand, nach Andern aber ein türkischer Spion, dessen Pactolus imKanal von Constantinopcl floß. Solche Künstler machen sich nichtan das gemeine Volk: für das sind Scharfrichter, Schäfer, Juden undalte Weiber mit ihren geheimen Mitteln, sie weissagen aus Erden-spiegeln, Sieben, Erbschüffcln und alten Bibeln und besprechen dasFeuer und segnen für Geld und gute Worte. Noch heute hält dergemeine Mann die Franzosen für Hexenmeister, weil sie auch dasVerborgenste zu entdecken wußten, das aber unwürdige Deutsche ausFeindschaft, Eigennutz oder auch Schwärmerei den Franzosen ver-