Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
275
JPEG-Download
 

275

Land? Wie oft ränsperte oder hustete Cicero bei seinen Reden? Fra-gen, so wichtig als die: Ob die Esel bei Christi Geburt gestandenoder gelegen hätten? Gekniet! Gekniet!

In allen Büchern bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts,wie noch jetzt in iiianchem Werkchen pro gr«äu, ' herrscht die ekelhaf-teste Erudition; es waren lauter Sträußcr aus griechischen, römischen,biblischen Blümchen, höchstens Hölzchen und Faden waren Eigenthumdes Schriftstellers; Citate häuften diese literarischen Giganten aufCitate wie Berge, unter denen sie endlich selbst begraben wurden; sieaber verglichen sich lieber mit den Bienen. Aber die Bienen verarbei-ten ihre gesammelten Materialien zu nützlichem Honig, und höchstensließe sich noch von Ameisen sprechen, die bloß für sich zusammentragen,und höchstens mit einem Räucherkörnchen Andern nützen. Diese Gi-ganten schrieben nichts als Folianten und Ouartantcn, die, in Schweins-leder und Messing verwahrt, in Swifts Büchcrschlacht als Kürassieregebraucht werden konnten; die geistlichen oder geistlosen Bücher muß-ten sich aber schon mehr schonen wegen des schwarzen oder rothenSammts, goldenen Schnitts und Silberbcschlägen; sie waren die Gar-den. Ranpius schrieb eine vibliotbooa tlivologioa portutilis in elfOuartantcn, Lohner eine manualis ' in drei Folianten; doch schriebnicht noch in unserer Zeit Mnrtorelli 800 Quartseiten über ein zuPortici gefundenes altes Dintenfaß?

Mikrologie war der Geist jener Zeiten; wir müssen den unge-heuern Fleiß eines Gronovius in seinen zehn Folianten griechischerAlterthümer bewundern; aber wer muß nicht wieder lächeln zu Sal-masius gelehrten Abhandlungen über die goldenen Aepfel der Hcsperi-den, die er endlich für Pomeranzen erklärt, ein deutscher Gelehrteraber für Citronen? So schrieb auch der Lübecker Götze über Gelehrte,die Schuster oder Schneider gewesen, Lucas geheißen, ertrunken, er-froren und unverehelicht geblieben sind; Hommcl gab uns ein Registervon Juristen, die Heilige und Hurenkinder waren, lange Nasen, Buckeloder böse Weiber hatten, dem Trunke, der Wollust, der Verschwen-dung rc. sich Hingaben; Baillet schrieb von Gelehrten, die etwas hattenschreiben wollen, und Ancillon von solchen, die gar nicht geschriebenhaben, die doch in unsern Zeiten wirklich eine Merkwürdigkeit sind.Können wir es den Historikern jener Zeit übel nehmen, wenn sie beiThroninsassen und Adel die geringste Kleinigkeit historisch wichtigfanden? Man schrieb Dissertationen aus Veranlassung seines Namens,

* Um zu doclorireu. — * Tragbare theologische Bibliothek. — Handbibliothek.