Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
161
JPEG-Download
 

161

sie nutzten auch für das Vaterland in der That weiter nichts ab alsihre Hosen, die ja leicht von den so leicht verdienten Diäten zu er-setzen waren. Freihcitsstolz zeigt sich schon beim Kinde in Windeln,und natürlich noch mehr beim unbärtigen Jüngling und naseweisenMädchen, selbst beim Thier; aber Freiheitssucht bekümmert sich wederum Sittlichkeit, noch um Veruunftmäßigkeit der Mittel zum Zweck,von der akademischen Freiheit an bis zur Sausculottcrie der Revolu-tion, in der sicilianischen Vesper und im deutschen Bauernkriege.Pöbel ist Pöbel, und stolze Unvernunft machte, daß nun selbst dieVernunft und vernünftige Freiheit in Fesseln gelegt wurde, wozu in-dessen auch der Amtsstolz das Seinige beitrug. Auf Erfahrung indem politischen Maschinenwcrke und Geübtheit in den mechanischenAmtsformen pochend, wies kindischer Amtsstolz jede wohlwollende Be-lehrung der Denker mit dem Satz zurück: „Praxis führt zu ganzandern Resultaten der Meuschenleitung und Menschenkunde, als diebloße philosophirende Vernunft aus der Menschennatur herzuleitensucht." So blieb es beim bequemen Alten und der Observanz unddem Herkommen; man beachtete nicht die nöthigen, im Geiste derZeit liegenden, vorgeschlagenen Reformen, und nur diese verhütenRevolutionen.

Dem Amtsstolze möchte ich den Unabhängigkeitsstolz unserer Tageentgegensetzen, eine Art Freiheitssucht, die leider oft Männer vonKenntnissen, Kraft und Biederkeit dem Staate entzieht, leider oft ausGründen, die sich hören und entschuldigen lassen. Der echte Freiheits-siiin steht dem Kncchtssiun entgegen, macht aber nicht selten unglück-lich, und im komischen Lichte erscheint der Amtsstolz des Hofadels undseine Energie, niit der er einst die Worte ssrvivs und ssrvir aussprach,und lo roi man maitre I ' Hochmuth kommt vor dem Fall, und sofielen denn auch die Heere von Räthen in der weiland schrecklichendeutschen Vielhcrrschaft, die auf Stelzen einhcrschritten wie die Höf-linge zu Potsdam, so lange es noch nicht gepflastert war. JenerParlamentsrath, der einem Advokaten sagte: „Vaus Stes an kaussairo,uu trixan, uu voquin; js ns »als st je in'sxxtiquo, * war noch höf-lich gegen einen gewissen Ministerling einer Duodczmonarchie; dieserhieß auch im ganzen Lande Flcgelexcellcnz, was man, trotz allemRecht, in andern Landen nicht einmal nachzumachen wagte. Diese

> Dienst »nd Diener. — Der Sönig, mein Herr. — > Ihr seid Fälscher, Spitzbube,Schuft; ich weih nicht, ob ich mich deutlich auödruve.

Demokrilo«. IV.

11