Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
181
JPEG-Download
 

181

glaubt, Gott selbst habe sein Land erschaffen, alle übrigen Länder aberden Engeln zn schaffen überlassen, und dem Jnselgriechen, der sich schonreich dünkt, wenn er seiner Tochter eine Ziege und einen Oclbaumgeben kann, sind seine Felsen das Paradies wie dem Polarländer seineEisselder, die er mit Eisbären, Walisischen und Seehunden theilenmuß. Wer verziehe da nicht dem Neapolitaner, wenn er glaubt, daßGott ein Himmelsfenster öffne, wenn er von der Weltregicrung ermü-det sei oder Langeweile habe, und auf Neapel herabschauc? VsälUapoli o pol inoril '

Savoyardcn und Auvcrgncr verlassen ihre armen Berge zu Tau-senden und gehen in alle Welt als Schnitter, Kesselflicker, Pflaste-rer, Kaminfeger, Maurer, Holzmachcr, Schirmfcrtigcr, Schul,flickcr,Schuhwichscr und Commissionärs, und haben sie sich ein klein Sümm-chen erspart, so führt sie Vaterlandsliebe wieder zurück in ihre heimi-schen, kalten Gebirge, von wo sie Hunger und Kummer vertrieben hat,und wo neuer sie erwartet. Nur Vaterlandsliebe kann die Aelpleran ihre zwar malerischen, aber dürftigen Wüsten fesseln, wo der Winterweniger gefürchtet ist als der Frühling, der Schnee und Eis schmilzt,und Menschen, Bäume und Dörfer verschüttet, ohne des Lämmergeierszu erwähnen, der Kinder zu Gauymedcn macht, aber statt in denOlymp sie in die Bcrgklüstc führt, wo sie nicht credeuzcn, sondernselbst zur Credenz dienen. Die armen Corscn hängen ebensosehran ihrer wilden Insel, und selbst Napoleon gedachte seines Vaterländ-chens, und wollte sich zurückziehen in sein Geburtsörtchcn Ajaccio.

Die armen Bewohner des Jnselchcns Hiddeusoe bei Rügen, wennsie weit und breit, in Ost- und Wcstindien herumgefahren sind, kom-men in ihre Heimath, die sie ä-rb »öts Imnnokou nennen (das süßeLändchen), und so dachte auch Lady Montague nach weiten Reisen vonihrem olä Pnglanä, und Westphälingcr von Westphalen, von demTacitus sagt: Huis pstoret inkormvin torris aspsraingno voolo, tristemenltu ospsetugns, nist patria sit? ' Potaveri, den Bougaiuville mitaus Otaheiti nach Paris brachte, sah im zaräin äs» xlantos eineKokospalme; er hüpfte vor Freude, umarmte sie weinend und rief:„Hier ist Otaheiti! Otaheiti!"

Der Mensch hat zwei Vaterlands, eines der Geburt und eines desSchicksals, wo er lebt und stirbt; in der Regel liebt man die gute

t Sieh Neapel »nd bann stirb. — * Wer möchte die- Land, rauh an Boden undAlima, unfreundlich im Anbau und Anblick, jemals aussuche», als derjenige, dessen Vater-land -S ist?